Da kann ich mich auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln. Meine einsame 8 auf der Hand werde ich nicht auslegen können, wenn nicht noch ein Wunder geschieht. Da liegt eine 10 auf dem Tisch, die mir das Ausspielen als einzelne Karte verhindert. Ich sehe mich schon meine schöne hohe Karte drehen und in eine 2 verwandeln. Aber da passiert es, es wird 8-8 gelegt. Ich liebe es, wenn das Schicksal auf meiner Seite ist, und lege lächelnd meine letzte Karte an…
Kartenspiele mit Zahlen auf den Karten gibt es wie Sand am Meer. Naturgemäß ist dadurch auch viel Mittelmäßigkeit dabei. Ab und zu gibt es dann aber eines, das einen Kniff hat, der mich dazu bringt, eine Partie nach der anderen zu spielen. dnup von Kei Kajino ist eines davon. Was mich daran fasziniert, erfahrt ihr in unserem Test zum Spiel.
Viel Spaß beim Lesen!
Du sollst nicht drehen
Es geht mit den Regeln von dnup ganz langweilig los, denn ihr wollt möglichst als Erste alle eure Handkarten loswerden. Jede Karte hat dabei zwei Zahlenwerte, einen oben und einen unten, und wir dürfen unsere Karten erst mal nicht beliebig drehen, sondern nehmen sie so auf die Hand, wie wir sie ausgeteilt bekommen haben. Wir spielen also zunächst mal mit den Werten, die oben auf den Karten abgedruckt sind.
Wie werden wir denn nun aber Handkarten los? Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Ich kann Karten bei mir selbst ausspielen. Das kann eine einzelne Karte oder ein Set aus mehreren Karten mit demselben Zahlenwert sein. Liegen meine Karten, wenn ich wieder an die Reihe komme, noch immer bei mir aus, werden sie abgeworfen. Natürlich möchten unsere Mitspielenden das nicht so gerne.
Wenn ich selbst ausspiele, muss ich noch ein paar Regeln beachten, denn es darf immer nur genau eine Kombination mit derselben Anzahl an Karten auf dem Tisch liegen. Hat jemand bereits drei gleiche Karten ausgespielt, kann ich eine eigene Dreier-Kombination ausspielen, wenn meine Zahl höher ist. Liegt also bereits 4-4-4 da, muss ich mindestens 5-5-5 spielen. Ich kann aber jederzeit eine andere Anzahl an Karten spielen. 2-2 ist also ohne Probleme möglich, wenn nicht bereits eine andere, höhere Kombination aus zwei Karten auf dem Tisch liegt.

Du musst drehen!
Spielt also jemand eine höhere Zahlenkombination aus, als die, die aktuell vor jemand anderem ausliegt, muss diese Person ihre Karten zurück auf die Hand nehmen und sie dabei umdrehen.
Alternativ zum Ausspielen einer neuen Kombination, kann ich auch eine Karte bei einer bestehenden Kombination eines anderen Mitspielenden anlegen. Dabei muss ich aber auch beachten, dass hierdurch eine andere Anzahl an Karten ausliegt und eventuell andere Auslagen dadurch zurückgenommen werden müssen oder ich vielleicht erst gar nicht anlegen darf. An eine ausliegende 3-3 kann ich nur dann eine weitere 3 anlegen, wenn keine höhere Dreier-Kombination auf dem Tisch liegt, wie z.B. 4-4-4. Liegt bereits eine 2-2-2 aus, kann ich diese durch das Anlegen natürlich auch wieder auf die Hand ihres Besitzers/ihrer Besitzerin zurückschicken.
Als weitere Aktionsmöglichkeit kann ich auch ein bereits vor einer anderen Person ausliegendes Set an Karten zu deiner Hand hinzufügen. Dabei drehe ich es aber ebenfalls wieder um, sodass ich nicht die Zahlen bekomme, die vorher das Set gebildet hatten.
Sollte mal nichts davon möglich sein, oder ich finde, dass die unteren Kartenwerte einfach besser zusammenpassen, kann ich als Aktion auch meine komplette Kartenhand drehen. Manchmal muss ich das auch tun, wenn ich keine der anderen Aktionen durchführen kann.

Spiel nicht das Spiel, sondern den Spieler
Das Spannende an den Partien von dnup, die ich bisher gespielt habe, sind die taktischen Überlegungen, die man über kurz oder lang anstellt. Ich möchte vielleicht eine niedrige Kombination spielen, um die dann wieder auf die Hand zurückzubekommen. Auch muss ich schauen, dass ich gegen Ende der Runde nicht mit niedrigen Zahlen oder wenigen Karten dastehe, die vielleicht noch nicht mal zusammenpassen. All das kann mir spielerisch das Genick brechen.
Da mein Gegenüber natürlich dieselben Überlegungen anstellt, muss ich das in meine Überlegungen einbeziehen. Lasse ich die niedrige Kombination vielleicht aus dem Spiel gehen, damit er oder sie die hohen Zahlen nicht wieder auf die Hand bekommt und mir diese dann später nicht so gefährlich werden können? Habe ich aufgepasst und vermute eine bestimmte Kombination auf der Hand eines meiner Mitspielenden und juble einem anderen eine meiner Karten durch Anlegen unter, die der/die Dritte im Bunde dann mit zurück auf die Hand schickt? Ich beobachte ständig meine Mitspielenden am Tisch, wodurch sich nebenbei ein kleines Psychoduell entwickelt.
Diese und noch einige weitere Überlegungen kann ich durchaus anstellen. Manchmal muss aber natürlich auch aus dem Bauch gespielt werden. Glück spielt definitiv eine Rolle. Allerdings fühlt es sich selten unfair an, weil gute Entscheidungen die Wahrscheinlichkeiten zu den eigenen Gunsten verschieben können. Gegen geübte dnup-Veteran*innen ist es als Neuling tatsächlich sehr schwer, die Karten von der Hand zu bekommen.
Wer das als Erste oder Erster geschafft hat, bekommt dann zwei Buchstaben-Punkte, dann wird weitergespielt, bis das noch jemand erreicht hat. Der/diejenige bekommt dann nochmal einen Punkt. Danach beginnt eine neue Runde. Wer als Erster mit seinen Buchstaben das Wort dnup legen kann – sprich: vier Punkte hat – gewinnt die Partie.

Gestalterische Freude
Wir müssen erst mal kurz darüber reden, was für ein genialer Titel dnup eigentlich ist. Mein Gestalter-Herz schlägt dabei gleich höher. down-up, kurz dnup kann man in dieser wundervoll einfachen Schriftart einfach umdrehen und es bleibt gleich. Das Schachtelcover hat konsequenterweise daher auch kein Oben oder Unten und kann beliebig gedreht werden. Einfach schön, schön einfach.
Auch die Karten machen es einfach, bereits auf den ersten Blick zu sehen, was auf der anderen Seite jeweils zu erwarten ist. So kann man auch bereits planen, welche Karten man lieber gedreht haben möchte, um sich dann seine Ausspiel-Taktik zurechtzulegen.
Die knalligen Farben geben dem Ganzen einen sehr modernen Touch, so dass dnup auch nicht altbacken wirkt. Hier wurde von Shohei Asaoka und Gilles-Romain Fonteny meiner Meinung nach alles richtig gemacht.

Der finale Touch ist eine Übersichtskarte über alle Aktionsmöglichkeiten, die ich habe. Das ist ja heutzutage auch keine Selbstverständlichkeit mehr. Als redaktionelle Entscheidung ist das meiner Meinung nach aber sehr zu begrüßen, da es gerade Einsteiger*innen zu mehr Übersicht verhilft, ohne ständig fragen zu müssen, was man denn noch so machen kann.
Fazit
Es ist erstaunlich, was aus einem einfachen Kartenspiel mit bunten Zahlen so alles herauszuholen ist. Es gibt regelmäßige Überraschungshits, und da ich kein großer Fan von Stichspielen bin, fallen schon mal eine Menge Kartenspiele weg, die den Rest der Spielerschaft in meinem Umkreis zu begeistern wissen. dnup hat trotz leichter Anleihen bei Ladder-Climbing-Spielen seinen Platz in meinem Herzen gefunden.
Ich will zwar hohe Karten haben, im Zweifel tun es aber auch einfach die richtigen Karten zur richtigen Zeit. Wenn es ganz schlecht läuft, muss ich vielleicht zwei, drei Runden hintereinander meine Karten drehen. Alles schon gehabt und teilweise trotzdem noch gewonnen, oder zumindest als Zweite beendet. Das zeigt, dass smarte Entscheidungen doch belohnt werden, auch wenn die Hand zunächst nicht optimal aussieht.

Ein kleiner Kritikpunkt betrifft die angegebene Spieleranzahl. Beim Spiel zu zweit hat jede Person zwei Spielbereiche, die sie selbst verwalten und im Auge behalten muss. Ich kann mich damit im Zweifelsfall auch selbst blockieren. Das erfordert zwar etwas Übung und funktioniert auch ganz gut, allerdings steigt der Spaßfaktor mit mehr Mitspielenden einfach deutlich an. Am besten funktioniert dnup zu viert. Hier gibt es den besten Mix aus Rauswerfen und Ausspielen (im doppelten Wortsinn). Mit der maximalen Anzahl von fünf Spielenden wird es dann wieder sehr beliebig.
Jede Partie dnup bietet neue taktische Herausforderungen, bei überschaubarer Spieldauer. Ich persönlich feiere das. Einige mögen hier einen hohen Glücksfaktor bemängeln, aber dafür ist es auch ein kurzes Spiel und in einer neuen Partie bekomme ich neue Karten und neues Glück. dnup muss sich hinter der Schwemme an Kartenspielen eindeutig nicht verstecken und zählt in diesem Jahr zu meinen Favoriten, mit einer angenehmen Mischung aus Taktik und Glück, das mehr bereit hält, als die einfachen Regeln vermuten lassen.
Euer Rating zu dnup
dnup ist auf Deutsch bei asmodee erschienen.
Each player starts with eight or ten cards in hand, with each card having different numbers (from 1-10) at top and bottom, e.g. 1 and 7. Pick up all your cards at once; you can rearrange cards from left to right at any time, but you can\'t revolve them. On a turn, first discard any cards on the table in front of you, then you can:
1. Play cards from your hand.
2. Add one card to the table.
3. Take cards from the table.
4. Revolve all cards in your hand.
When you play cards, you can play one or more cards of the same value — but if you play as many cards as another player has in front of them, your cards must be of higher value. If you overplay someone, e.g. playing two 5s when they have two 2s, they must revolve their cards, then return them to their hand.
When you add one card, you add a card of the same value to someone else\'s played cards — but if that player would now have the same number of cards as a third player, the third player\'s cards must be a lower value, in which case they revolve them and return them to hand.
When you pick up cards from in front of another player, revolve them, then add them to your hand.
The first player to empty their hand scores 2 points, and cards don\'t return to their hand, even if beaten. The second player to empty their hand scores 1 point. Play multiple rounds until someone has at least 4 points, then whoever has the most points wins.
Für die Review stand uns ein kostenloses Exemplar zur Verfügung.






