Galileo Galilei Brettspiel Review

Galileo Galilei – Und es spielt sich doch

Galileo Galilei Brettspiel CoverZack, da ist er – Wie vorhergesagt, schiebt sich der Mars über das Himmelszelt. Eingebettet in die hellen und funkelnden Sterne, kann man mit den Teleskopen seinen Weg wunderbar beobachten. Doch was ist das dort? Das war gestern noch nicht zu sehen. Ist das ein Komet, der sich hier langsam durch unser Sonnensystem bewegt? Diese Beobachtung muss ich gleich notieren und dem Gelehrten Galileo Galilei berichten. Vielleicht kann er etwas dazu sagen und hat ihn vielleicht schon früher beobachtet? Dumm nur, dass Galilei im Moment wegen seines Buches verhört wird.

Angeblich soll Galileo Galilei den berühmten Satz geprägt haben: „Und sie bewegt sich doch.“ Neuste Forschungen zeigen aber, dass dies eigentlich eine urbane Legende ist. Auch sein Bild vom Sonnensystem ist mittlerweile widerlegt worden. Galilei ging von kreisförmigen Umlaufbahnen aus. Die elliptischen Bahnen, die auch schon zu seiner Zeit bekannt waren, waren für ihn Mumpitz und passten einfach nicht in sein Weltbild, auch wenn seine kreisförmigen Umlaufbahnen die Welt nicht so korrekt erklären konnten wie die böse Konkurrenz. Aber darum geht es auch nicht in dem Brettspiel von Tomáš Holek, hier entdecken und erkunden wir den Nachthimmel. Wie das funktioniert und ob uns das Spiel, welches bei Frosted Games erschienen ist, gefällt, erfahrt ihr in der Review.

Viel Spaß beim Lesen!

Galileo Galilei Brettspiel - Sterne

Galileo Galilei – ein kleiner Rebell?

Brettspiele mit historischem Thema haben bei mir immer den Effekt, dass ich dann doch mal ein wenig über den Tellerrand schaue und mich auch noch einmal über den Background informiere. Da macht Galileo Galilei keine Ausnahme. Und dann muss ich erfahren, dass der berühmte Satz mit dem Drehen usw. gar nicht gesagt wurde. Auch dass es in der damaligen Wissenschaftswelt ein ständiges Hin und Her und Dissen zwischen den verschiedenen Ansichten zum Sternensystems gab. Der gute Galileo hatte aus heutiger Sicht hier einfach Unrecht. Kreisförmige Umlaufbahnen! Geht’s noch? Allerdings war er auch der erste Wissenschaftler, der seine Texte nicht nur in Latein verfasste, sondern auch auf Italienisch, und somit zugänglicher machte. Er ist damit der Begründer der Populärwissenschaft. So, Lehrauftrag abgeschlossen. Ähnlich wie Galileo Galilei als Person fand das gleichnamige Brettspiel ebenfalls Beachtung in der Brettspiel-Welt, aber das lag weniger am Thema, als an der Tatsache, dass Tomáš Holek das Spiel entwickelt hat. Galileo Galilei feierte sein Debüt auf der SPIEL’24 auch noch zusammen mit SETI und Tea Garden, Spiele, die ebenfalls von Tomáš entwickelt wurden. Wobei Galileo Galilei in seinem eigenen Verlag Pink Troubadour erschienen ist und Frosted Games für die deutsche Version verantwortlich ist.

Galileo Galilei Brettspiel - Endpunkte

Spinnst du? Das Brettspiel ist doch nichts Neues!

Ja, Galileo hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel und das Brettspiel ist in der Blase bereits durch. Aber so unwichtig ist es dann doch nicht, denn immerhin kommt im Oktober 2026, also zwei Jahre später als das Grundspiel, auch die Erweiterung Luna heraus. Was die kann, werden wir im Oktober sehen. Jetzt konzentrieren wir uns erst einmal auf das Grundspiel Galileo Galilei. Wieder widmet sich Herr Holek einem wissenschaftlichen Thema. Es geht um die Erforschung des Nachthimmels, und das zu einer Zeit, als man für ein falsches Wort mal schnell im Kerker der Inquisition gelandet ist. Dies ist natürlich auch Bestandteil des Spieles und hier beweist Tomáš Holek ein gutes Händchen, was Thema und Mechanik angeht. Bleiben wir bei den Herren von der Kirche: Je mehr ich entdecke und je mehr mir das Vorteile im Spiel gibt, desto mehr muss ich die Kirche von meinen guten Absichten überzeugen. Und wenn ich den Keller erst einmal mit rotgekutteten Inquisitoren voll habe, muss ich meine Aktionen mit noch mehr Bedacht wählen.

Galileo Galilei Brettspiel - Spielertableau

Würfel sind die neuen Linsen

Aber auch andere Punkte der Erforschung spiegeln sich in diesem Spiel wunderschön wider. So kann ich bestimmte Objekte am fernen Nachthimmel eben nur erkennen, wenn ich Würfel in einer bestimmten Farbe ausgebe. Was wiederum das Linsen- und Farbschema der Astronomie wunderbar einfängt, denn die richtig coolen Sachen sind halt nicht unbedingt im sichtbaren Lichtspektrum vorhanden. Da aber zu Zeiten von Galileo Galilei genau diese Linsen Mangelware waren, muss man hier gut haushalten. Denn die Würfel agieren nur als Zählmechanismus und geben die Wertigkeit meiner Linsenkombination an. Also: Mehr wertigere Würfel bedeuten in diesem Fall entferntere Objekte und das wiederum bedeutet mehr Punkte, denn im Endeffekt geht es bei diesem Brettspiel natürlich auch nur darum, am Ende die meisten Punkte sein Eigen zu nennen. Und dazu braucht es natürlich Entdeckungen. Aber genau diese Entdeckungen können das Spiel beschleunigen oder verlangsamen. Ich kann mich auf die kleinen Sachen stürzen, das gibt zwar nicht viele Punkte, sorgt aber dafür, dass ich meine Mitspieler*innen am Tisch unter Druck setze. Denn irgendwann ist alles entdeckt, und wenn das der Fall ist, dann ist auch bei Galileo Galilei Schicht im Schacht bzw. thematisch besser die Nacht vorbei. Also finde ich auch wieder einen Wettrenn-Mechanismus im Spiel, ähnlich wie beim großen Bruder SETI.

SETI, Galileo Galilei!?

Apropos SETI: Wer jetzt glaubt, dass Galileo Galilei tatsächlich nur der kleine Bruder ist und nicht mit dem großen Spiel mithalten kann, der irrt sich hier aus meiner Sicht. Ja, thematisch sind die beiden Brettspiele irgendwo miteinander verbunden. Aber jedes Spiel steht hier für sich. Und ich packe hier ein Galileo Galilei deutlich öfter auf den Brettspiel-Tisch, das liegt eben auch am schlanken Regelkorsett. Die Komplexität kommt durch die Auswahl meiner Aktionen und das Timing zustande. Wann spiele ich was? Erhöhe ich erst die Augen meiner Würfel oder kümmere ich mich um die roten Kutten in meinem Keller? Wobei das Stimmchen im Hinterkopf mir mehr rät, doch meine Aktionen aufzuwerten. Oder greife ich zu schnell nach den Sternen? Weil vieles schon für mich ersichtlich ist, reduziert sich dadurch erfreulicherweise auch die Downtime! Ich kann in der Zeit, wo die anderen Mitspieler*innen am Tisch ihre Züge machen, meinen Zug schon gut durchplanen. Klar, ein gewisses Maß an ineinander in der Quere kommen gibt es auch hier. Aber nicht so stark, dass ich erst in dem Moment nachdenken und planen kann, wenn ich am Zug bin. Und das nimmt, wie ihr sicher alle wisst, dann einfach den Drive aus dem Spiel. Für meinen Geschmack hat hier Galileo Galilei genau den richtigen Sweet-Spot gefunden.

Galileo Galilei Brettspiel - Inquisitorenleiste

Ein bedeckter Nachthimmel

Also ein super Brettspiel? Nicht ganz, denn zum Meckern gibt es ja immer Anlass. So ist dann doch nach ein paar intensiven Partien die Luft raus. Jedenfalls konnte ich das beim ein oder anderen Vielspieler beobachten. Das liegt aber auch daran, dass die eigentlichen Spielzüge, Aktionen und zu entdeckenden Sterne und Planeten irgendwann einem gewissen Muster folgen. Und dass ich schon bald meine persönliche Strategie gefunden habe, die sich dann erneut anwenden lässt. Leider, obwohl es sich so anfühlt, ist die Einstiegshürde hier etwas höher als gedacht. Während der Partie kann man schnell die Übersicht verlieren oder gerade in den ersten Partien die Inquisitoren komplett übersehen und dann so sehr gebeutelt werden, dass an einen Sieg selbst bei x Sternschnuppen und den damit verbundenen Wünschen nicht mehr zu denken ist. Das straft das Spiel in meinen Augen dann sehr schnell ab. Eine weitere Partie wird in diesem Fall nicht mehr gespielt, obwohl ich dann beteuere, dass man doch jetzt weiß, worauf man zu achten hat. Für mich bedauerlicherweise nicht nachvollziehbar.

Galileo Galilei Brettspiel - Wissenschaft

Galileo Galilei auf dem Weg zu den Sternen?

Tja, was bleibt also nach einem Jahr oder zwei Jahren übrig von einem Galileo Galilei? Aus meiner Sicht immer noch ein sehr schönes Beispiel, wie ein Autor bzw. ein Verlag Mechanik mit Thema verbinden kann. Da wundert es auch nicht mehr, dass ich der Erweiterung natürlich entgegenfiebere, damit sie die aus meiner Sicht spielerische Schwäche der geringen Abwechslung dann auch noch ausmerzt. Und hey, der Mond steht im Fokus und angeblich sind auch irgendwelche Superinquisitoren mit im Spiel. Für mich zum Zeitpunkt ein guter Tomáš Holek, den ich auch nicht mit seinem SETI vergleichen möchte, weil das aus meiner Sicht komplett unterschiedliche Brettspiele sind.


Euer Rating zu Galileo Galilei


Brettspiele mit einem Forschenden als Thema...

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Galileo Galilei ist bei Frosted Games erschienen.

Galileo Galilei (2024)
Spieler:
1 - 4
Dauer:
50 - 100 Min
Alter:
12+
BGG Rating:
7.63
Verlag:
Frosted Games
BGG:
Beschreibung des Verlags: „Und doch bewegt es sich“, sagte er.

„Galileo Galilei“ ist ein Spiel im Euro-Stil, in dem du in die Rolle eines Astronomen schlüpfst, der neue Planeten entdeckt, unbekannte Sternensysteme ausfindig macht, sein Teleskop weiterentwickelt und in den schwierigen Zeiten des Obskurantismus einen wissenschaftlichen Durchbruch erzielt.

Wähle mit deinem Teleskop eine der fünf verfügbaren Aktionen aus, wobei du diese Aktionen zu besseren weiterentwickeln kannst. Sammle Karten verschiedener Planeten und Sternensysteme. Sammle Linsen der drei Hauptfarben, um eine Entdeckung zu machen. Hüten Sie sich vor Inquisitoren, denn sie könnten ungebeten auftauchen und Ihren Ruf im Handumdrehen ruinieren. Finden Sie lieber einen Weg, von ihrem Besuch zu profitieren.

—Beschreibung des Verlags

Für die Review stand uns ein kostenloses Exemplar zur Verfügung.

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