Got Five! Brettspiel Review

Got Five! – Zahlenraten für Masterminds

Got Five! Brettspiel CoverDie fünf bunten Steine vor mir verhöhnen mich. Ihre knuffigen Gesichter lachen mich aus, ich kann es in ihren Blicken spüren. Meine bisherigen Erkenntnisse sind eher mau und natürlich fehlt mir ein Stein mit einer passenden Zahl, um einen vernünftigen Hinweis zu erhalten. Got Five? Wohl eher Got Zero für mich. Aber hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Ich werde euer Geheimnis lüften!

Deduktionsspiele haben es bereits ein paar Mal aus ihrer Nische in die breite Brettspiel-Öffentlichkeit geschafft. Das beste Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit für mich ist Turing Machine. Dabei blieben sie aber immer eher ein Spezialfall, der für die breite Masse meist zu komplex war. Got Five! von Yoann Levet ist da anders. Die Regel-Hürde ist recht niedrig und bisher hat es allen, denen wir es am Brettspiel-Tisch vorgestellt haben, sehr gut gefallen. Warum das so ist, erzählen wir euch in diesem Artikel.

Viel Spaß beim Lesen!

Kopfarbeit mit Wohlfühlfaktor

Kennt ihr Mastermind? Das kleine Deduktionsspiel, bei dem man eine verdeckte Farbkombination erraten muss, hat mich als Kind sehr fasziniert. Dabei war das Spiel sehr einfach gehalten, kam ohne großes Regelwerk aus und war schnell mal zwischendurch gespielt. Das alles trifft auch auf Got Five! zu. Und vermutlich ist das auch ein Teil seines Geheimnisses, wie das Spiel es schafft, beinahe jeden in seinen Bann zu schlagen.

Got Five! Ist niedlich

Die Reaktion am Tisch ist auch immer recht ähnlich. Wir holen die Schachtel raus und legen sie auf den Tisch. Knuffige bunte Spielsteine und irgendwas mit Zahlen. Also abstrakt. Kurzes Interesse aufgrund des Niedlichkeitsfaktors und dann eher Ernüchterung, wenn wir erzählen, dass wir versuchen, herauszufinden, welche Zahlenreihe vor uns aufgestellt ist. Aber wir geben nicht auf und nötigen unsere Gäste zum Mitspielen.

Die bunten Acrylsteine in fünf Farben mit den Zahlen von 1 bis 60 werden dazu verdeckt in der Tischmitte gemischt. Anschließend nehmen sich alle jeweils von jeder Farbe einen Stein und stecken diese in die Leiste vor sich, so dass sie von ihren eigenen Steinen lediglich die Rückseiten sehen. Nun werden die Steine auf ihren Leisten von den Mitspielenden noch in aufsteigender Reihenfolge sortiert. Fix noch fünf Steine in der Mitte auf die Zahlenseite gedreht und schon kann es losgehen.

Streichen, kombinieren, ausschließen

Ich sehe also zu Beginn alle Zahlen in den Leisten der anderen Personen am Tisch, nur meine eigenen Zahlen kenne ich nicht. Mein Ziel ist es nun, genau das herauszufinden. Dabei hilft mir eine beschreibbare Übersichtstafel, die ich hinter meinem Sichtschirm liegen habe, damit ich mir darauf geheim Notizen machen kann. Erste Amtshandlung: Alle Zahlen durchstreichen, die ich sehen kann. Da jede Zahl nur einmal vorkommt, können diese ja nicht bei mir in der Reihe stecken.

Got Five! - Sichtschirm

Dann geht es los. Reihum versuchen wir nun, den Zahlensteinen Informationen zu entlocken. Bin ich am Zug, decke ich einen neuen Stein aus der Mitte auf und wähle dann einen der offenen Steine. Die eine Möglichkeit ist dann, dass ich mir den Stein von meinen Mitspielenden in meiner Reihe einsortieren lasse. Daraus kann ich dann logische Schlüsse ziehen. Je nach Position können so höhere und niedrigere Werte je Farbe auf meiner Übersichtstafel durchgestrichen werden.

Die zweite Möglichkeit ist es, nach den Punkten unter den Zahlen zu fragen und diese mit einem bestimmten Stein in meiner Reihe zu vergleichen. Ich bekomme so von meinen Mitspielenden mitgeteilt, ob die Anzahl an Punkten übereinstimmt oder nicht. Das kann sehr hilfreich sein, wenn nur noch wenige Optionen für einen Stein offen sind oder ich keinen Stein mit einer passenden Zahl ausliegen habe, den ich mir einsortieren lassen könnte.

Got Five! - Was sind meine Zahlen?

Und das waren dann auch alle Regeln. Clever ist auch, dass die beiden Aktionsmöglichkeiten für einen erkennbar im Sichtschirm abgebildet sind. Das erleichtert auch das Erklären. Sobald ich alle meine fünf Zahlen identifiziert habe, kann ich jederzeit lösen, auch wenn ich gerade nicht an der Reihe bin. Die Partien sind in der Regel schnell gespielt und alle Informationen liegen jederzeit offen auf dem Spieltisch aus. Selbst wenn ich mal was falsch eintrage, kann ich meine Übersichtstafel komplett abwischen und von vorn abstreichen. Das nimmt zwar etwas Zeit in Anspruch, sorgt aber dafür, dass keiner zwischendurch raus ist, weil er einen Denkfehler hatte. Passiert auch nicht wirklich oft, besonders, wenn man bereits einige Partien gespielt hat.

Logikrätsel mit Glückselement

Interessant wird es nach ein paar Partien, wenn man merkt, dass auch das Aufdecken eines Steins bereits taktisch genutzt werden kann. Sowohl für einen selbst, als auch, um anderen nicht zu viele Informationen zu geben. Aber ich muss auch zugeben, dass nicht immer alles ganz fair zugeht bei Got Five!. Denn der Zufall ist ein nicht unerheblicher Faktor, der zur schnellen Lösung einiger Kombinationen beitragen kann oder eben auch nicht. Habe ich zufällig Zahlen, die alle nahe beieinander liegen, komme ich schneller auf die Lösung, als wenn diese sehr verteilt sind. Bin ich mir unsicher zwischen zwei Zahlen und eine von beiden wird aufgedeckt, hatte ich ebenfalls Glück und spare mir sozusagen eine Abfrage. Das sind Faktoren, die durch Zufall meine Denksport-Aufgabe vereinfachen, und im gleichen Maße können diese Faktoren das natürlich auch erschweren.

Got Five! - abstreichen

Je weiter die Partie voranschreitet, desto weniger neue Informationen erhalte ich. Gegen Ende bekomme ich je Zug immer weniger Erkenntnisgewinn. Daher hilft es mir auch nur bedingt, wenn ich am Anfang durch Zufall mal eine ganze Menge an Zahlen abstreichen kann. Immer öfter hört man dann am Tisch „Weiß ich schon.“ oder „Ist jetzt nichts Neues.“ – Auch wenn man diese Art von Aussagen lieber nicht machen sollte, um die bösen Mitspielenden nicht wissen zu lassen, wie weit man schon ist.

Fazit

Got Five! kommt mit einer Leichtigkeit daher, die man bei Deduktionsspielen selten findet. Die zu lösende Aufgabe ist überschaubar und wir arbeiten alle mit. Selbst der Zug der anderen am Tisch kann mir weiterhelfen, mal mehr und mal weniger. Anders als bei Mastermind, das nur für zwei Personen konzipiert ist, können hier bis zu vier Spielende gleichzeitig knobeln. „Viel“ mache ich aber tatsächlich nur in meinem eigenen Zug und wir knobeln alle nebeneinander an unserem eigenen Rätsel, was sich manchmal eher wie ein Multiplayer-Solitär-Spiel anfühlt.

Got Five! - Material

Wir haben hier also ein sehr einsteigerfreundliches Deduktionsspiel, das aber für ein paar Partien auch Vielspieler erfreuen wird. Über viele Partien nutzt es sich dann aber doch ein wenig ab. Insbesondere Partien, an denen sowohl geübte als auch ungeübte Personen beteiligt sind, verlaufen recht deutlich zugunsten derjenigen, die Got Five! bereits häufiger gespielt haben. Das muss aber aufgrund des Glücksfaktors, der hier immer mitspielt, nicht unbedingt der Fall sein.

Das Fazit sollte jetzt aber nicht so negativ klingen, wie die Kritikpunkte vielleicht anmuten lassen. Deduktionsspiele sind eine kleine Leidenschaft von mir und hier ist definitiv mal eines, das man mit (fast) jeder Gruppe auf den Tisch bringen kann, ohne jemanden zu überfordern. Auch wenn ich bereits einige Partien hinter mir habe, spiele ich Got Five! gerne immer wieder mit. Der Charme des Spiels ist einfach unbestreitbar.


Euer Rating zu Got Five!


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Got Five! ist auf Deutsch bei asmodee erschienen.

Got Five! (2026)
Spieler:
2 - 4
Dauer:
15 Min
Alter:
8+
BGG Rating:
7.57
Verlag:
asmodee
BGG:
Beschreibung des Verlags: „Got Five!“ ist ein Logik- und Deduktionsspiel, bei dem die Spieler versuchen, die fünf versteckten Zahlen auf ihrem Ständer aufzudecken. Jeder Spieler kann die Kärtchen aller anderen sehen, jedoch niemals seine eigenen, und muss sich auf gemeinsame Informationen, geschickte Fragen und sorgfältige Notizen verlassen, um die Möglichkeiten einzugrenzen. Alle im Laufe des Spiels aufgedeckten Kärtchen sind öffentlich sichtbar, wodurch ein sich ständig weiterentwickelndes Rätsel entsteht, das Aufmerksamkeit und logisches Denken belohnt.

Wenn du an der Reihe bist, deckst du eine neue Kachel aus dem Vorrat auf, wodurch weitere gemeinsame Informationen auf den Tisch kommen, und nutzt dann eine der verfügbaren, offen liegenden Kacheln, um einen benachbarten Spieler um einen Hinweis zu bitten. Du kannst ihn bitten, eine Kachel zuzuordnen, indem du sie an die richtige relative Position zwischen deinen verdeckten Zahlen legst, oder sie mit einer deiner Kacheln vergleichen, um herauszufinden, ob sie die gleiche Punktzahl haben. Diese Hinweise, kombiniert mit der sichtbaren Reihenfolge der Kacheln sowie deren Farben und Punktzahlen, ermöglichen es den Spielern, Möglichkeiten auszuschließen und nach und nach ihre eigene Reihenfolge zu erschließen.

Spieler können ihre Lösung jederzeit verkünden, indem sie „Got Five!“ rufen und ihre fünf Zahlen in aufsteigender Reihenfolge aufzählen. Ist die Vermutung richtig, gewinnt dieser Spieler sofort. Ein einziger Fehler führt jedoch zum Ausscheiden des Spielers aus dem Wettbewerb, daher sind Timing und Selbstvertrauen entscheidend. Mit einfachen Regeln, gemeinsamen Informationen und dem Wettlauf, das eigene Rätsel als Erster zu lösen, bietet „Got Five!“ eine schnelle, spannende Denksportaufgabe für Gruppen, die Spaß an logischem Denken und Denkspielen haben.

Für die Review stand uns ein kostenloses Exemplar zur Verfügung.

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