Brettspiel Review: Daimyo

Daimyo: Trümmer der aufgehenden Sonne – Mit Würfel zum Herrscher

Daimyo Brettspiel CoverEs ist nicht einfach in der Welt da draußen. Früher vor dem Untergang konnte man einfach so zwischen den Inseln reisen. In etwas, das man Zug nannte. Damit war die Reise zwischen den Archipelen wohl sehr schnell und nicht so beschwerlich, wie es heute der Fall ist. Und wer weiß, vielleicht werden wir eines Tages im Niemandsland Relikte eines Zuges finden. Und vielleicht können wir diesen dann auch zusammenbauen und nutzen. Ganz wie es früher der Fall war und vielleicht bringt das auch die Einigkeit, die es braucht, damit die großen Clans aufhören sich zu bekämpfen und um Ressourcen zu streiten. Doch daboas ist nur eine kleine Hoffnung, in diesen neuen düsteren Zeiten.

Daimyo: Trümmer der aufgehenden Sonne von Grimspire spielt in der Zukunft. Es gab eine große Katastrophe und diese sorgte dafür, dass die Zivilisation wie wir sie heute kennen nicht mehr existiert. Und wie das so ist mit Sachen aus der Vergangenheit, diese üben natürlich einen unheimlichen Reiz aus und so bildete sich bei den sechs Archipelen eine Zivilisation, die den Bushido-Kodex auf ihre Art neu interpretierte. Unsere Aufgabe ist es, als Clanführer nun unsere Position zu festigen und so zum nächsten Anführer aufzusteigen. Was dabei im Brettspiel passiert und ob das Thema hier vielleicht dem Spielspaß im Weg steht, das erfahrt ihr in unserem Test zu Daimyo: Trümmer der aufgehenden Sonne.

Viel Spaß beim Lesen

Zum Daimyo berufen

Schaue ich bei Wikipedia nach, wird ein Daimyo als: „… lokaler Herrscher im feudalen Japan.“ beschrieben und das trifft es eigentlich auch im gleichnamigen Brettspiel. Denn ich bin der Herrscher eines Clans, der im nun modernen und von einer Katastrophe gebeutelten „Japan“ versucht der oberste neue Herrscher zu werden. Ob es sich dabei wirklich um Japan handelt, lässt sich nicht wirklich verifizieren. Hier ist das Setting von Daimyo: Trümmer der aufgehenden Sonne doch sehr vage und nimmt sich eben nur Anleihen aus der ostasiatischen Kultur. Was für mich vollkommen okay ist, es ist eben nur ein Gefühl, was vermittelt werden soll und keine akkurate Geschichtsstunde.

Daimyo Brettspiel Spielplan

Kommen wir aber weiter zum Brettspiel. In Daimyo: Trümmer der aufgehenden Sonne muss ich in klassischer Euro-Game Manier meine Aktionen machen. Dazu wähle ich einen Würfel aus und platziere ihn je nach Farbe auf meinen Tableau. Danach führe ich die damit verbundene Aktion aus. Ich kann so zum Beispiel Fabriken bauen, die mir mehr Ressourcen einbringen oder ich baue Funktürme, die mir mehr Einfluss bringen. Unterm Strich sammle ich also Ressourcen und wandle diese in Siegpunkte um. Doch Daimyo macht es einen kleinen Tick anders. Denn ich bekomme nicht gleich Siegpunkte. Sondern ich bekomme nur Siegpunkte, wenn ich auf den Einflussleisten weit genug vorne bin. Und diese werden erst am Ende jeder der 5 Runden gewertet und bringen mir dann die heißbegehrten Siegpunkte.

So muss ich also mit meinen Ressourcen haushalten, muss neue Leute anwerben, um meine Macht zu untermauern und als ob das nicht genug ist, muss ich auch immer ein Auge auf meine Gegenspielenden haben. Und das macht mir bei Daimyo: Trümmer der aufgehenden Sonne einfach Spaß.

Daimyo Brettspiel Artefakte

Daimyo gegen Daimyo

Allerdings muss ich gleich den warnenden Finger erheben. Obwohl Daimyo: Trümmer der aufgehenden Sonne auf den ersten Blick wie ein Standard-Euro-Game wirkt, ist es das nicht. Spätestens ab der zweiten Runde kommt nämlich das Area-Control Element des Spieles hervor. Die Postion auf den Einflussleisten ist eben begehrt und die Plätze auf den einzelnen Inseln, die zu einer Einflussleiste gehören, sind nicht nur begehrt, sondern auch begrenzt. Und so entsteht aus einem kleinen Kappeln immer mehr ein Kampf um den Einfluss. Ein Attentat hier, ein Abkommandieren dort und schon ist der Einfluss von meinem Gegner geschwunden und ich heimse die Punkte in dieser Runde ein. Allerdings geht dies natürlich auch in die andere Richtung.

Daimyo Brettspiel Kartenhand

Und Auge um Auge, Zahn um Zahn wird dann hier doch teilweise zu wörtlich genommen. Das verpackt mit der einfachen und schnellen Mechanik macht Daimyo: Trümmer der aufgehenden Sonne durchaus zu einer Ausnahme in der Reihe der Euro-Games. Einzig Wasserkraft von Feuerland schlägt in die gleiche Kerbe. Etwas, was mir sehr viel Spaß macht, denn ich spiele so nicht am Tisch und bastel an meinem eigenen Tableau herum und komme mit den anderen Spielenden fast nie in Kontakt. Nein, hier zieht jede Entscheidung, die ich treffe auch eine Konsequenz nach sich.

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Wobei sich das Spielgefühl aber je nach Spieleranzahl durchaus ändert. Spielen wir zu zweit am Tisch ist es eher ein Hauen und Stechen. Wird mir mein Gouverneur entfernt und damit auch mein Einfluss reduziert, wird das natürlich nicht ungestraft sein. Spielen wir aber zu dritt oder mehr, muss man etwas vorsichtiger taktieren. Hier bekommt der Führende schneller etwas auf den Deckel und so bilden sich hier auch schneller kleine Allianzen am Tisch. Die allerdings auch schnell wieder zerbrechen können. Denn am Ende kann es eben nur einen Herrscher geben. Und auch die Siegpunkte werden mit mehrenden Spielenden nicht irgendwie ausgeschüttet, sondern es gibt immer nur einen Erstplatzierten und einen Zweitplatzierten. Also muss ich eben auch aggressiv spielen und dies eigentlich schon von der ersten Spielminute an.

Das kleine Extra

Doch nicht Entscheidungen, die ich gegenüber meinen Aktionen treffen muss, machen das Spiel für mich zu etwas Einzigartigem. Nein, es sind auch die kleinen Schräubchen im Spielablauf, die Daimyo: Trümmer der aufgehenden Sonne zu einem interessanten Brettspiel machen. So kann ich während des Spieles Söldner anwerben. Jeder dieser einzigartigen Söldner verändert die Spielmechanik auf eine andere Art und Weise. Entweder ich kann bestimmte Aktionen durchführen, die sonst verboten sind oder aber ich kann mit diesen Söldnern meine Standardaktionen noch einmal ausführen. Denn eigentlich kann ich jede Aktion von meinem Tableau nur einmal pro Runde durchführen.

Daimyo Brettspiel Gebäude

Durch die Söldner wird mir aber eine kleine Flexibilität an die Hand gegeben. Und so kommt zum Area-Control auch noch ein wenig Engine-Building dazu. Nicht viel, gerade einmal so viel, dass es dies in die Definition schafft. Aber trotzdem genug, um einen gewissen Wiederspielreiz in das Spiel zu bringen und jede Partie ein wenig anders verlaufen zu lassen.

Der Kniff hierbei besteht darin, wie diese Söldner aktiviert werden. Während bei der Auswahl der Würfel die Farbe von Bedeutung ist und diese zu meiner Aktion auf dem Tableau passen muss, ist es beim Aktivieren der Söldner der Würfel-Wert. Und so wird es hier auch ein wenig grübelig. Wenn ich einen bestimmten Söldner benutzen möchte, muss ich auch einen bestimmten Würfel nehmen. Doch vielleicht passt eben dieser Würfel oder dessen Wert nicht in meine Gesamt-Strategie. Aber trotzdem bewegt es sich auf einem Niveau, dass die gefühlte Downtime zwischen den einzelnen Zügen recht gering erscheint.

Daimyo Brettspiel Spieler Tableau

Ein weiteres kleines Detail ist die Hilfe für Leute mit Farbsehschwäche. Da wo es drauf ankommt, wird mit Symbolen gearbeitet. So muss jemanden seinen Plan nicht unbedingt verraten, nur weil er die Farbe nicht erkennen kann.

Dazu kommen noch die leicht asymmetrischen Clans, wo sich jeder ein wenig anders spielt. Auch gerade wieder so, dass es für ein anderes Spielgefühl ausreicht. Aber nicht so schwierig, dass ich vorher erst einmal eine Partie spielen muss, um überhaupt zu verstehen, wie der Clan gespielt werden sollte.

Ich bin Daimyo für eine Partie

Auch wenn ich am Anfang etwas kritisch gegenüber dem Brettspiel war und es wirklich sehr lange gebraucht hatte, bis es auf den Tisch kam, wurde ich von Daimyo: Trümmer der aufgehenden Sonne positiv überrascht. Das Euro-Game mit seinem Fokus auf den Konflikt wirkt so erfrischend anders. Auch wenn es spielerisch vielleicht nicht das Rad neu erfindet, schafft es das Brettspiel, mich auf einer anderen Ebene zu berühren. Es macht einfach Spaß den oder die Andere zu ärgern. Ein kleines Attentat auf einen Gouverneur kann den Spielzug für den Gegner schon ordentlich vereiteln. Aber nicht so sehr, dass es wie Wasserkraft, dann schon das Aus bedeuten würde.

Daimyo Brettspiel Karten

Aber wie ich schrieb: Das Brettspiel ist sehr Konflikt betont. Auch, wenn es hierbei nicht um blutige Schlachten geht, muss ich auch die passenden Mitspielenden am Tisch haben. Bin ich der Einzige, der aggressiv spielt, wird es den Anderen eben nicht gefallen. Wie wichtig dieses Verhalten ist, zeigt eine kleine Änderung an der Start-Spieler-Mechanik. Denn als Start-Spieler kann ich entscheiden, ob ich Start-Spieler bleiben möchte oder nicht. Denn bei Daimyo: Trümmer der aufgehenden Sonne ist es für mich nicht immer von Vorteil, meine Züge vor den anderen am Tisch zu machen. Manchmal ist es für mich eben besser lieber auf meine Mitspielenden zu reagieren, als zu agieren.

Und so war am Tisch der Satz: „Ich bin nicht gerade froh, jetzt Start-Spieler zu sein.“ ein ständiger Begleiter während einer Partie Daimyo: Trümmer der aufgehenden Sonne.


Euer Rating zu Daimyo: Trümmer der aufgehenden Sonne


Daimyo: Trümmer der aufgehenden Sonne ist auf Deutsch bei Grimspire erschienen.

Daimyo: Rebirth of the Empire (2021)
Spieler:
1 - 4
Dauer:
60 - 90 Min
Alter:
14+
BGG Rating:
7.73
Verlag:
Grimspire
BGG:

Für die Review stand uns ein Rezensionsexemplar zur Verfügung.

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