Bastille Brettspiel Review

Bastille – Freiheit, Gleichheit, Brettspiele

Bastille Brettspiel CoverEndlich die Zeit des Umbruchs ist gekommen. Wir das einfache Volk können nun den adligen Herrschern zeigen, was wir von ihnen halten. Schluss mit der Unterdrückung. Doch ohne Waffen werden wir diesen Kampf nicht lange durchhalten können. Deswegen kann es für uns nur ein Ziel geben! Die Bastille im Herzen von Paris muss unser erstes Ziel werden. Nicht nur Waffen lagern dort auch unschuldige Gefangene werden wir befreien. Freiheit für unsere Brüder und Schwestern! Auf zur Bastille auf in eine frei Zukunft selbst bestimmt und ohne Unterdrückung.

Ein Brettspiel mit dem Thema der französischen Revolution, das verspricht Bastille von Christoph Behre, das bei Queen Games erschienen ist. Ob sich mit Bastille eine Revolution im Brettspiel-Bereich ankündigt oder der Revolution schnell die Luft ausgeht? Wir haben die Heugabeln gewetzt, die Guillotinen aufgestellt und uns für euch Bastille angeschaut.

Auf zur Bastille

Bastille Brettspiel PlanEin bisschen historisch muss es jetzt einfach werden. Mit dem Sturm auf die Bastille sollten nicht nur die Inhaftierten befreit werden, auch die Munitionsvorräte der Festung wollten sich die Revolutionäre sichern. Unterm Strich war die Bastille nicht das, was sie nach außen hin schien und der militärische Erfolg war auch nicht besonders groß. Nichtsdestotrotz hat sie allerdings für die französische Revolution einen tiefen Symbolcharakter, immerhin rollten hier die ersten adligen Köpfe.

Ganz so extrem ist es beim gleichnamigen Brettspiel allerdings nicht. Köpfe werden hier nicht rollen, maximal raucht der Kopf vielleicht ab und zu beim Spielen.

Im Gegensatz zum historischen Sturm auf die Bastille, der etwas länger gedauert hat, ist es beim Brettspiel etwas vollkommenen anderes. In flotten 8 Runden setzt ihr eure Schilde – oder vielleicht auch revolutionäre Arbeiter – an 7 verschiedene Ort in Paris und Umgebung. Jeder dieser Orte bringt euch dabei einen anderen Bonus. Geld, welches die einzige Ressource im Spiel ist, neue Aufträge oder Aufwertungen sind nur einige der Boni die ihr sammeln könnt. Wie gewohnt in einem Worker-Placement-Spiel, sind die Plätze natürlich beschränkt. Nicht jeder wird immer alles machen können, denn ihr habt nur 3 bzw. 4 Schilde (je nach Spieleranzahl), die ihr einsetzen könnt.

Mein Schild ist mehr wert

Jedes eurer Schilde einen Grundwert. Dieser Wert ist relativ wichtig im Spiel, denn die Schilde an den einzelnen Orten werden zwar von links nach rechts auf die entsprechenden Aktionen gelegt und sie werden auch von links nach rechts abgearbeitet, aber, es wird auch die Wertigkeit betrachtet. Denn zuerst darf der Spieler die Aktion durchführen, der den höchsten Wert auf das Feld gespielt hat. Sollte es hierbei zu einem Gleichstand kommen, wird wiederum geschaut, wer früher sein Schild auf die Aktion gelegt hat.

So etwas führt natürlich zu Grübeleien. Als Spieler muss ich abwägen, wo ich welches Plättchen überhaupt hinlege und mit welchem Wert. Manchmal reicht es dann schon, ein niedriges Plättchen hinzulegen, weil es mir egal ist ob ich erster bin oder nicht. Zum Beispiel ist das bei Aufträgen so, egal wann ich drankomme, ich bekomme einen Auftrag. Bei anderen Aktionen ist das aber nicht so einfach. Gerade bei den Gefolgsleuten, die ihr anwerben könnt, ist ein hoher Grundwert schon von Vorteil. Zum einen habt ihr einfach mehr Auswahl und zum anderen ist der Wert auch noch gleichzeitig Rabatt beim Kauf der Karten.

Bei einigen Aktionen bekommt der erste Spieler auch noch einen Bonus oder seine Aktion ist einfach mehr wert. Natürlich auch wieder ein Punkt der zum Grübeln einlädt. Wenn ich diese Aktion schon machen möchte, mache ich sie relativ früh, um den Bonus abzugreifen oder ist der Bonus doch nicht so wichtig?

Bastille Brettspiel Schilde

Die kleinen Brettspiel-Kniffe

Würde die Review zu Bastille hier enden, wäre es nur ein simples Worker-Placement-Brettspiel. Spoileralarm: Das ist es nicht. Die schon erwähnten Schildwerte können durch eine Aktion erhöht werden, um sie so wertvoller zu machen. Allerdings kostet dies eine Aktion, von den insgesamt 24 bzw. 32 Aktionen (4 bzw. 3 Spieler Partie), die euch im gesamten Spiel zur Verfügung stehen.

Ein weiteres Element ist der Gang in die Katakomben. Im Spiel wird das dadurch dargestellt, dass ihr Gefolgsleute (Würfel) in einen blickdichten Beutel werft. Ähnlich wie bei Clank! werden zu bestimmten Zeitpunkten diese Gefolgsleute aus dem Beutel gezogen. Allerdings gibt es bei Bastille keine Bestrafung dafür sondern eine Belohnung. Im besten Fall sind 5 von den gezogenen Gefolgsleuten eure. Natürlich ist es immer so, dass entgegen aller Wahrscheinlichkeiten, es immer die anderen Würfel der Mitspieler sind, die gezogen werden.

Tja und dann ist da noch die namensgebende Bastille auf dem Spielbrett. Der Sturm der Bastille war ja auch ein Sturm auf Waffen, die in der Revolution genutzt werden konnten. Und das findet sich bei diesem Spielelement voll wieder. Denn eure rekrutierten Revolutionäre wollen ja bewaffnet werden. Ganz ohne Waffen ist so eine Revolution ja auch keine wirklich Revolution und Mistgabeln und Fackeln wollen ja geschwungenen werden! Nun kann nicht jeder alle Waffen bekommen die er braucht, sondern nur der der das kleine Wettrennen in der Bastille gewinnt, kann sich aus dem gesamten Arsenal das heraussuchen, was er braucht. Denn der revolutionäre Pöbel ist wählerisch bei der Wahl der Waffen. Eure Bauern wollen Mistgabeln, eure Soldaten Musketen und eure Adligen wollen Stichwaffen. Allerdings ist jeder mit einer Fackel zufrieden!

Bauern, Soldaten und Adlige?

Bastille Brettspiel KartenDoch wozu braucht ihr diese Leute eigentlich? Am Ende der Partie bekommt ihr für all diese Charaktere Punkte. Aber nicht nur am Ende auch in der Zwischenwertung gibt es verschiedene Punkte für die auf den Charakter-Karten aufgedruckten Symbole und so bringen euch unterm Strich viele Charaktere, also ein großer Mob, auf Dauer auch mehr Siegpunkte. Dabei bekommt ihr die einzelnen Charaktere auch wieder durch eine Aktion in euren Spielbereich, kostet allerdings Geld und das bei besonders hochwertigen Charakteren mit recht vielen Symbolen auch nicht wenig. Klar, ein einfacher Bauer ist eben genügsamer als ein Kleriker, der als Joker fungieren kann und somit viel wertvoller für euch ist.

Am Ende kommt auch noch eine Prise Set-Collecting mit ins Spiel. Erst einmal sind die einzelnen Sets nichts wert, erst durch Aufträge die ihr im Laufe der Partie sammeln könnt, kommen auch Punkte für den Sieg zusammen. Allerdings müsst ihr auch wieder daran denken, dass euer Mob auch mit Waffen ausgerüstet ist. Habt ihr das nicht geschafft oder habt ihr die falschen Waffen gesammelt, hagelt es dicke Minuspunkte am Ende.

Die Brettspiel Bastille wird gestürmt

Bastille ist kein schweres Spiel. Einen meiner nach großen Pluspunkt besitzt es in seiner Einfachheit. Das Brettspiel zu Zeiten der französischen Revolution ist schnell erklärt und genauso schnell gespielt. So passierte es oft genug, dass ich schon wieder an der Reihe bin, bevor ich das richtig realisiert habe. Natürlich gibt es sie dann aber doch: Die Phasen in denen der Grübler in einem erwacht und ich mich frage, welche der verfügbaren Aktionen ich denn nun auswählen soll. Dabei ist es meistens die letzte Aktion, die bei mir dafür sorgt, dass ich doch ein bisschen nachdenken muss. Denn sobald ich die für mich ersten zwei wichtigen Aktionen gesichert habe, geht es jetzt nur noch darum, einen angenehmen Bonus zu bekommen.

Bremst das den Ablauf? Nicht wirklich, denn allzu viele Möglichkeiten gibt es ja nicht auf dem Spielbrett und viele davon sind schon besetzt oder ich kann sie einfach nicht bezahlen. Noch schneller geht es dann im eigentlichen Auflösen der einzelnen Aktionen. Hier arbeite ich mich einfach numerisch durch und bekomme das, was ich mir ausgesucht habe. Selbst bei Neulingen geht dieser Prozess verdammt schnell, da ich ja nicht auf meine Mitspieler warten muss. Einzig bei den Feldern bei denen ich Karten bekomme oder einen Bonus auswählen muss geht das mit dem Simultan-Spielen nicht wirklich.

Bastille Brettspiel Beutel

Thema wo bist du?

Dadurch gleicht Bastille dem schnellen Sturm und nach einer Stunde und ein bisschen – inklusive Erklärung – ist es auch schon gespielt. Und das ist auch gut so, denn so bekommt ihr von dem Thema nicht soviel mit. Denn obwohl Queen Games sich Mühe gegeben hat, dem Brettspiel ein Thema zu verpassen, trägt das Thema nicht wirklich viel. Wir hätten genauso gut Händler auf einem Mittelaltermarkt sein können, die um die Gunst der Kunden ringen. Auch verstehe ich bis heute nicht, warum ich in meine Revolutionsarmee Adlige und Kleriker packe, waren diese doch das Feindbild. So bleibt das Thema der französischen Revolution nur schmückendes Beiwerk.

Bastille Brettspiel CharaktereWas ich allerdings sehr witzig finde, ist der Einsatz des Beutels in dem ihr eure Gefolgsleute verstaut. Da dies über die Katakomben-Aktion geschieht. Ist der Abstieg in die dunklen Gänge mit dem dunklen Beutel durchaus humorvoll. Den Einsatz des Beutels an sich finde ich sehr positiv, denn er gibt dem Brettspiel ein schönes Zocker- und Glücksspielelement.

Nicht so gelungen aus meiner Sicht sind die Aufträgen, denn diese stellen für mich eine Schwäche dar. Da ihr nur die Aufträge am Ende wertet, die ihr auch erfüllen könnt, kommt es aus meiner Sicht zu einem Run auf eben diese. Getreu nach dem Motto „Viel hilft Viel“ einfach nur Aufträge zu sammeln, im Laufe der Partie, werde ich den ein der anderen Auftrag schon irgendwie erfüllen. Hier fände ich es besser, wenn es für nicht erfüllte Aufträge eben auch Minuspunkte gibt. So würden Mitspieler die nur Aufträge ziehen ein wenig ausgebremst werden.

Für mich persönlich gibt es auch zu wenig Variabilität beim Spielaufbau. Eines von zwei möglichen Endbonus-Plättchen und von insgesamt 8 Bonusplättchen wird auch nur eines außen vorgelassen. Das ist für mich als Vielspieler zu wenig. Allerdings glaube ich auch, dass ich nicht die richtige Zielgruppe für das Brettspiel bin. Für meinen Geschmack ist es einfach einen Tick zu seicht. Auch die Ikonographie der Aufträge ist nicht bei allen Aufträgen immer sofort verständlich.

Schwierig war bei Bastille auch die richtige Gruppe zu finden, denn wir spielen in der Regel alle Spiele erst einmal zu zweit, um Regeln zu lernen. Bei Bastille braucht es aber mindestens 3 Spieler. Das kann für einige Spieler durchaus schon ein Ausschlusskriterium sein.

Paris für Gelegenheitsspieler

Trotzdem wird Bastille noch ein Weilchen in meiner Sammlung bleiben, weil ich es als gutes Spiel sehe, um gerade Brettspiel-Einsteigern, die noch kein Worker-Placement kennen, diese Mechanik näherzubringen. Denn im Bereich der gehobeneren Familienspiele, finde ich, macht Bastille alles richtig. Kein überladener Spielplan, der auch den Spielfluss unterstützt, dazu verschiedene aber nicht zu viele Möglichkeiten, um zu punkten, eine angenehme schnelle Spielzeit und durch den Beutel-Mechanismus auch ein Element, was zwischendurch für eine gewisse Auflockerung sorgt. Schade, dass das Thema nicht wirklich trägt.


Euer Rating zu Bastille


Bastille ist bei Queen Games erschienen.

Bastille (2018)
Spieler:
3 - 4
Dauer:
60 Min
Alter:
12+
BGG Rating:
7.12
Verlag:
Queen Games
BGG:

Für die Review stand uns ein kostenloses Rezensions-Exemplar zur Verfügung.


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