Brettspiel Review zu Corrosion

Corrosion – Brettspiel mit Zahnrädern

Corrosion Brettspiel Cover

Heiß ist es in der Fabrikhalle. Der Dampf, der sonst die schweren Maschinen antreibt, entweicht aus einem defekten Ventil. Trotzdem herrscht keine Panik. Es ist normal, dass die Korrosion sich langsam durch alles frisst und die Zahnräder und Ventile nach einer gewissen Zeit ihren Geist aufgeben. Entspannt tauscht eine der Ingenieurinnen das Ventil aus und so kann auch die folgende Schicht mit vollem Dampf starten. 

Konnte ich Corrosion links liegen lassen? Immerhin verspricht das Thema ja irgendwas mit Dampf und das hat ja auch immer wieder irgendwas mit Steam-Punk zu tun. Auch das Cover spricht eine deutliche Sprache, die in genau die eben genannte thematische Richtung deutet. Dazu kommt noch das Versprechen, dass es sich um ein Expertenspiel handeln soll und schlussendlich soll ja auch ein Rondell-Mechanismus an Bord sein, jedenfalls ließen das die Bilder erahnen. Ob sich meine Erwartungen mit der Realität deckten? Ihr werdet es erfahren in unserem Test zu Corrosion.

Viel Spaß beim Lesen!

Gang 13 – Eisenwaren

Das erste was mir bei Corrosion aufgefallen ist, ist die Vielzahl an virtuellen Eisenwaren bzw. Zahnrädern, die sich in der Box befinden. Spoiler vorweg: Wer sein Corrosion in eine Deluxe-Variante verwandeln möchte, muss einfach nur den nächsten Baumarkt aufsuchen und sich eine Handvoll Zahnräder besorgen. Doch hier geht es ja nicht darum, wie man sein Brettspiel aufwerten kann, sondern was das Brettspiel und in diesem besonderen Falle Corrosion ausmacht.

Corrosion Brettspiel Spieler Tableau

Neben ein paar Zahnrädern findet ihr noch ein paar Wassermarker und viele, viele Plättchen in der Box. Und das war es dann auch schon, denn der wahre Kern von Corrosion liegt eben nicht einer Unmenge an Material, die über spielerische Schwächen hinwegtäuschen soll. Der Kern von Corrosion ist ein mechanisches, sauberes Brettspiel. Der eigentliche Fokus und für mich auch größte Pluspunkt, ist das Beherrschen des eigenen Rostrades. Was auf den ersten Blick wie mein persönliches Rondell aussieht, entpuppt sich auf den zweiten Blick als mein Spiel-Taktgeber.

Das Rostrad muss sich drehen

Im Grunde ist Corrosion recht simpel: Ich spiele meine Ingenieurinnen aus, um dadurch bestimmte Aktionen ausführen zu können, neue Zahnräder zu besorgen, andere Ingenieurinnen anzustellen usw. Das Prinzip kennt ihr aus diversen anderen Brettspielen. Hab ich also die Karte gespielt, wird sie an eine bestimmte Position an mein Rostrad gelegt. Der Kartenwert bestimmt dabei, in welche Region des Rostrades die Karte gespielt wird. Je höher der Kartenwert, desto mächtiger die Karte, umso länger muss ich warten, bis ich die Karte wieder spielen kann. Ja, auch das ist nichts Neues.

Wofür ich aber zu sorgen habe, ist, das Rad am Laufen zu halten. Denn je schneller sich mein persönliches Rostrad durch Aktionen oder Maschinen dreht, desto mehr Aktionen kann ich wiederum ausführen. Oder ich bekomme einfach meine Ingenieurinnen wieder schneller zurück, damit ich sie erneut einsetzen kann.

Corrosion Brettspiel Dampf

Also heißt es für mich von Anfang an eine gut geschmierte Engine aufzubauen. Allerdings gibt es dabei einen kleinen Haken. Und das ist die namensgebende Korrosion. Denn scheinbar ist es in den Fabriken, in denen wir unsere Maschinen bauen, so brutal feucht, dass viele Maschinen uns unter der Hand wegrosten. Mehr als eine Saison schaffen die meistens einfach nicht und fliegen dann kaputt aus der Fabrik.

Und auch das ist ein Punkt, der mir an Corrosion Spaß macht. Keine Maschinerie, die ich hier aufbaue, bleibt für die Ewigkeit. Ich muss immer wieder meine Engine überdenken, muss schauen, welche Maschinen sich nun auf dem freien Markt befinden. Welche davon kann ich mir leisten und wie kann ich diese in meinen Ablauf integrieren? Eine Engine, die mir die Runden zuvor ordentlich Punkte eingebracht hat, kann mir wortwörtlich um die Ohren fliegen und meine Strategie an Punkte zu kommen, ordentlich ins Stottern bringen.

Corrosion ist nicht nur ich gegen die anderen am Tisch, sondern eben auch ich gegen den Zerfall.

Corrosion Brettspiel Auslage

Corrosion gefällt mir einfach

Natürlich geht es letztlich nur um Siegpunkte. Die werden, je nach Spieleranzahl, zu Anfang des Spieles bereitgelegt und sobald diese aufgebraucht sind, endet dann eben auch die Partie. Und wie bei allen Brettspielen, in denen am Anfang Siegpunkte beiseitegelegt werden, schrillen bei mir gleich die Alarmglocken. Denn dann handelt es sich ja meistens um ein Wettrennen und ich muss schauen, wie ich am schnellsten an die Punkte komme.

Also drücke ich von Anfang an auf die Tube. Ich schaue, mit welchen einfachen Mitteln komme ich schnell an Zahnräder, neue Maschinen und Karten und noch wichtiger, an die heiß begehrten Chrom-Zahnräder. Denn die Maschinen, die damit gekauft werden, rosten mir nicht unter den Fingern weg und geben mir nicht nur Siegpunkte am Ende, sondern eben auch noch Boni während der Partie.

Corrosion Brettspiel Ressourcen

Und da sich Corrosion für mich sehr nach Wettrennen anfühlt, muss ich natürlich auch schauen, wie ich mehr Aktionen machen kann, als meine Mitspielenden. Aber auch hier hat der Autor Stefan Bauer eine Möglichkeit geschaffen. Ich kann nämlich an den Aktionen der anderen teilnehmen. Natürlich geht das nicht einfach so. Ich muss mich schon ein wenig ins Zeug bzw. in die Karte legen. Spielt einer am Tisch, sagen wir mal eine Ingenieurin mit dem Kartenwert 2 aus, dürfen andere am Tisch auch diese Aktion nutzen. Dazu muss ich nur eine Karte mit mindestens einer Drei und der gleiche Kartenfarbe spielen.

Aber ihr ahnt es schon, natürlich liegt hier auch die Crux. Denn allzu oft, ist die Karte, die ich ausspielen könnte, aber eben auch die Karte, die ich eigentlich für meine kommende Aktion geplant habe. Und so muss ich eben entscheiden: Gehe ich mit oder lasse ich es doch sein und spiele meine geplante Aktion.

Corrosion Brettspiel Sieg

Wer jetzt glaubt, dass sich dadurch eine gewisse Downtime einschleicht, der sei ein wenig entwarnt. Bei unseren Partien spielte sich Corrosion sehr flüssig und auch dadurch kam der Wettlauf-Charakter schön zur Geltung.

Dazu noch eine wunderschön gestaltete Anleitung, die die eindeutige Handschrift von Redakteur Viktor Kobilke trägt. Diese lässt einen das Spiel nicht nur schnell erlernen, sondern auch  bei Nachfragen, schnell die richtige Regelpassage finden. Wobei ich das Regelheft nicht sehr häufig gebraucht habe, da das Spiel eigentlich recht selbsterklärend ist, sobald die Ikonografie einmal verstanden ist.

Corrosion ist für mich eines der kleinen Highlights des Spielejahrganges 2021/2022.


Euer Rating zu Corrosion


Wie passend muss die Illustration zum Brettspiel passen?

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Corrosion ist bei Deep Print Games erschienen.

Corrosion (2021)
Spieler:
1 - 4
Dauer:
60 - 120 Min
Alter:
12+
BGG Rating:
7.1
BGG:

Für die Review stand uns ein kostenfreies Review-Exemplar zur Verfügung.

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