Brettspiel Review: Die Rote Kathedrale

Die Rote Kathedrale – Kleines Brettspiel Großer Spielspaß?

Die rote Kathedrale Brettspiel Cover

Das Gerüst ist verdammt wackelig. Aber trotzdem muss die Verzierung angebracht werden. Unser Bautrupp hätte ja auch noch einen Tag warten können, dann wäre der Abschnitt unter uns vielleicht schon fertiggestellt worden und das Gerüst wäre nicht mehr so gefährlich und wir hätten nicht Kopf und Kragen riskieren müssen. Aber nein, der Vorarbeiter bestand darauf und köderte uns mit einer extra Ration Essen und noch einmal ein paar Rubel mehr. Allerdings hatte er nicht gesagt, wie schnell wir sein müssen. Und da gilt dann einfach Schritt für Schritt und wenn sie noch so klein sind. Hauptsache wir kommen sicher an unser Ziel und können die Verzierung anbringen an der Roten Kathedrale

Schon zur SPIEL 2021 hieß es, man müsse sich Die Rote Kathedrale von Shei S. und Isra C. aus dem KOSMOS Verlag unbedingt mal anschauen und auf alle Fälle auch anspielen. Tja, bei der SPIEL hat es dann leider nicht zu einer Partie gereicht, aber in der Zwischenzeit sind dann doch die ein oder andere Partie zusammengekommen, sodass wir in gewohnte professioneller Art und Weise natürlich unser ganz persönliches subjektives Urteil über das Brettspiel fällen können. Wie das ausfällt, könnt ihr natürlich nur erfahren, wenn ihr unsere Review zu Die Rote Kathedrale lest.

Viel Spaß beim Lesen!

Die Rote Kathedrale muss erst noch gebaut werden

Eines vorweg, es gibt keine Rote Kathedrale. Es gibt eine Basilius-Kathedrale, die am Roten Platz gelegen ist und verdächtig aussieht, wie die Kathedrale auf dem Cover. Vielleicht deswegen hat man sich bei DEVIR Games, dem ursprünglichen Verlag, gedacht bevor wir Lizenzgebühren oder ähnliches bezahlen müssen, nennen wir unser Brettspiel einfach Die Rote Kathedrale.

Die Rote Kathedrale Brettspiel Plan

Allerdings wird im Regelheft auf den geschichtlichen Hintergrund der Basilius-Kathedrale hingewiesen. Und wie sollte es anders sein, ist diese natürlich zu Anfang einer Partie noch nicht fertig und wir als Baumeister des Zaren, sollen diese fertigstellen. Dabei wäre es natürlich besser wir arbeiten zusammen, aber wer arbeitet schon zusammen, wenn er oder sie den Erfolg in Form von Siegpunkten ganz für sich einheimsen möchte?

Also krempeln wir unsere Ärmel hoch und bauen mal schnell unseren Teil der Kathedrale. Der Aufbau der Kathedrale ist erfreulicherweise bei jeder Partie anders. Abhängig von der Anzahl der Spielenden kommen zufällig gewählte Bauabschnitte ins Spiel. Und klar, diese Bauabschnitte sind recht simpel. Erdgeschoss, mehrere Zwischengeschosse und damit es nicht reinregnet natürlich auch noch ein Dach.

Allerdings sind das eben nur die Blaupausen, wie die Kathedrale aussehen sollte. Jeder Bauabschnitt hat natürlich andere Anforderungen an Ressourcen. Und klar, ihr ahnt es schon, diese haben wir natürlich noch nicht, sondern müssen sie uns erst besorgen.

Die Rote Kathedrale Brettspiel Ressourcen

Stein für Stein

Und diese Ressourcen sind natürlich fast schon klassisch: Steine, Holz, Lehm und, um ein wenig Pracht reinzubekommen, natürlich auch noch Gold und Edelsteine. Haben wir genug zusammen, können dann unsere vorher reservierten Bauabschnitte damit fertigstellen. Denn sammeln und einfach losbauen ist nicht. Vorher muss ich erst einmal einen Marker meiner Farbe auf einen noch nicht fertigen Bauabschnitt legen, um mein Revier abzustecken.

Und ja, so weit gesehen ist das Brettspiel auch unspektakulär. Ich habe Aktionen, um Ressourcen zu sammeln und ich habe Aktionen, um mit Hilfe von Ressourcen Bauabschnitte zu vervollständigen. Wie gesagt, hat man alles schon einmal gesehen. Der Kniff in Die Rote Kathedrale ist der Würfel-Sammel-Einsetz-Mechanismus.

Die Rote Kathedrale Brettspiel Punkte

Ressourcen bekomme ich nämlich durch cleveres Ziehen bzw. Bewegen von Würfeln. Auf einem Rondell mit insgesamt acht Feldern gibt es die begehrten Ressourcen. Die Anzahl der Ressourcen, die ich bekomme, richtet sich nach der Anzahl der Würfel, die sich in einem Feld befinden. Genau diese Anzahl und die damit verbundene Ausbeute kann ich mit ein wenig Glück bestimmen. Denn die Würfelaugen entscheiden darüber, wie weit ein Würfel ziehen kann. So schaue ich, wenn ich am Zug bin, welche Würfel denn günstig für mich liegen und an welche Ressourcen ich dadurch gerade hervorragend herankomme.

Aber einfaches stupides Sammeln und dann mit einmal losbauen ist nicht. Denn ich kann gar nicht so viele Ressourcen in meinem Lager aufbewahren, wie ich möchte. Und einfach überflüssige Ressourcen abwerfen geht auch nicht. Und hier wird Die Rote Kathedrale interessant für mich. Denn der richtige Takt des Brettspieles muss getroffen werden. Wann sammle ich günstig ein? Und wann liefere ich die Ressourcen aus meinem Lager zur Baustelle, bevor mein Lager im wahrsten Sinne des Wortes zugemüllt ist?

Die Rote Kathedrale ist fast ein schönes, feines Brettspiel

Und dieser Takt macht mir einfach Spaß. Natürlich schauen auch meinen Mitspielenden, dass sie den richtigen Takt erwischen. So zeigt sich auch nach den ersten Partien das wahre Gesicht der Roten Kathedrale. Es ist eben kein einfaches Standard-Euro-Sammel-Umwandel-Brettspiel. Nein, es ist ein Wettrennen. Je schneller und geschickter ich durch das Einsetzen der Würfel an Ressourcen komme, desto schneller vollende ich meine Bauabschnitte. Je schneller ich diese vollende, desto schneller kommt es zum Spielende. Und ihr ahnt es schon, je mehr Abschnitte ich bis dahin vollendet habe, desto mehr Siegpunkte regnet es für mich.

Am Ende gibt es dann auch noch eine Mehrheiten-Wertung, wo ich mich durch geschickt platzierte Verzierungen vielleicht doch noch in einen lukrativen Turm mit einpocken kann, den bisher eigentlich meine Mitspielenden dominieren. Mir zu überlegen, welche Turmabschnitte ich eigentlich bauen will, braucht noch mehr Kriterien, als nur meine zur Verfügung stehenden Ressourcen.

Allerdings hat Die Rote Kathedrale auch ein paar Risse in ihrer schönen Fassade. Denn gerade der coole Würfelmechanismus sorgt eben auch für eine erhebliche Downtime. Er bremst das sonst flotte Spiel merklich aus. Besonders wenn wir es in der vollen Besetzung von vier Personen spielten.

Die Rote Kathedrale Brettspiel Baupläne

Will ich nämlich an die Ressourcen kommen, braucht es ja die Würfel. Und diese sind eben dynamisch. Habe ich mir nämlich die Ressourcen eines Feldes gesichert, werfe ich alle Würfel, die sich in diesem Feld befunden haben, neu. Dadurch ändern sich natürlich die Würfelaugen und der nächste Spielende kann sich dann erst richtig Gedanken machen, was er mit seinem Zug macht. Wollte er oder sie vielleicht zuvor Holz sammeln, kann es jetzt sein, dass die Smaragde gerade ertragreich zu haben sind.

Oder schlimmer noch: Alle Würfel, die auf dem Spielplan liegen, passen überhaupt nicht in meine Strategie und mir wird eben beim Wettlauf um die Siegpunkte vom Spiel ein Knüppel zwischen die Beine geworfen. Das kann dann nicht nur frustrieren, sondern auch erheblich Zeit kosten, bis ich wieder am Zug bin.

Die Rote Kathedrale ist unterhaltsam

Auch wenn das Ausbremsen durch die Würfel, den Spielspaß etwas mindert, bleibt Die Rote Kathedrale für mich ein interessantes Brettspiel. So kann ich natürlich schon etwas unternehmen, um die Würfel vielleicht ein wenig zu beeinflussen, in dem ich sie einmal in meinem Zug neu werfen kann. Aber hey, seien wir mal ehrlich, jeder kennt ihn doch, den Fluch des Neuwürfeln, der gefühlt die Würfel noch schlechter aussehen lässt. Und auch sorgt das natürlich wieder dafür, dass ich meinen Zug neu überdenken muss.

Aber das ist für mich vertretbar, denn das Wettrenn-Element in die Rote Kathedrale macht einen noch höheren Spielreiz aus. Und gerade wenn ich dadurch vielleicht sogar noch den ein oder anderen Spielenden am Tisch eins auswischen kann, ist es die Warterei während der Würfelei wert.

Die Rote Kathedrale Brettspiel

Beinahe hätte es die Rote Kathedrale auch geschafft, mein Lieblingswürfel-Wettrenn-Brettspiel Rajas of the Ganges abzulösen. Aber die Würfel-Denk-Downtime war mir dann doch zu hoch, da geht Rajas of the Ganges einfach flotter.

Auch nicht zu verachten ist, in den von Platznöten geplagten Brettspiel-Haushalten, dass Die Rote Kathedrale in einem sehr handlichen Format daherkommt. Denn so ist die Spielschachtel schön gefüllt und ich stelle mir nicht nur Luft in den Schrank bzw. Kallax. Dies hat natürlich auch durchaus ökologische Auswirkungen. Weniger Schachtelgröße bei gleichem Spielspaß bedeutet eben nicht nur mehr Platz für andere Brettspiele im eigenen Haushalt. Es bedeutet auch weniger Energie, die zum Verschicken und Verschiffen, des Spieles verbraucht wurde.

Ich hoffe, dass dies auch bei weiteren Brettspielen kommen wird. Ich habe eh schon genug Luft in meinen Regalen stehen.


Euer Rating zu Die Rote Kathedrale


Muss die Brettspiel-Schachtel zum Preis passen?

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Die Rote Kathedrale ist bei KOSMOS erschienen.

The Red Cathedral (2020)
Spieler:
1 - 4
Dauer:
80 Min
Alter:
10+
BGG Rating:
7.82
Verlag:
KOSMOS
BGG:

Für die Review stand uns ein kostenfreies Review-Exemplar zur Verfügung.

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