Rajas of the Ganges – Würfeln für das Karma

Rajas of the Ganges – Würfeln für das Karma

Rajas of the GangesLangsam lichtet sich der Dschungel. Aus dem kleinem Waldweg wird eine Strasse und unsere kleine Gruppe kommt nun schneller voran. Der Wald geht über in große Tee-Plantagen. In der Ferne kann man das Glitzern des Ganges sehen, der große Fluss, der sich langsam durch Indien in Richtung Ozean bewegt. Gesäumt werden seine Ufer von mächtigen Festungen und wunderschönen Tempeln. Unser Weg führt uns weiter hinein in diese bunte und fremdartige Kultur, immer weiter in Richtung einer der großen Palastanlage. Denn dort treffen wir heute Abend bei einem großen Fest auf die Rajas of the Ganges – Die Herrscher des Ganges.

Bunt wie ein Bollywood-Streifen

Rajas of the GangesDie indische Kultur wird bei uns in Europa als bunt und farbenprächtig wahrgenommen. Nicht zuletzt auch durch die opulenten und langen Bollywood Filme aus Indien, die genau dieses Bild exportieren. Rajas of the Ganges macht hierbei keine Ausnahme. Die Packung mit ihrem großen und bunten Bild zeigt, wo die Reise hingeht. Ein doppelseitiger Spielplan setzt die farbenfrohe Illustration fort. Halb-Transparente Würfel mit ihren leuchtenden Farben machen euren Spieltisch noch bunter. Ganz aus der Rolle fallen dabei schon fast ein wenig die Spielfiguren. Diese kommen in den Standardfarben eines Euro-Games daher, haben aber wenigstens ein indischen Touch – Ich denke mal es sollen Arbeiter mit Turban sein.

Die sehr stark kolorierte Illustration sorgt aber auch dafür, dass Rajas of the Ganges erst einmal unübersichtlich erscheint. Hierbei trügt aber der Ersteindruck: Wenn ihr erst einmal eine Partie gespielt habt, wird euch klar, dass diese Sorge unbegründet ist.

Reduziert ihr das Spiel auf seine Grundzüge, gibt es eigentlich nur 4 Aktionen. Ihr baut entweder eure Provinz aus, handelt und verdient Geld, tauscht Würfel in andere Farben oder ihr benutzt Bonusaktionen, die euch bei den ersten drei genannten Aktionen helfend zur Seite stehen. Markus und Inka Brand schaffen es allerdings, diese Aktionen in ein spannendes Thema einzubetten, ohne dass das Spielerlebnis darunter leidet.

Ein indischer Marco Polo

Rajas of the GangesDas Erste was ich erwartete, als ich über die Rajas of the Ganges stolperte, war ein neues Marco Polo. Immerhin hat es unzählige Würfel und ihr braucht die Würfel für fast alle Aktionen. Dann ist auch die grafische Umsetzung sehr ähnlich. Das könnte natürlich daran liegen, dass es der gleiche Illustrator ist: Wie auch bei Marco Polo war Dennis Lohausen für die Illustrationen zuständig. Damit enden dann auch schon die Gemeinsamkeiten.

Werden die Würfel in Marco Polo für das Ausführen von Aktionen genutzt, sind sie in Rajas of the Ganges eher eine Währung. In Marco Polo habt ihr eine genau definierte Anzahl an Runden, in der ihr versuchen müsst, so viele Siegpunkte wie möglich zu genieren. Das entfällt in Rajas of the Ganges vollkommen. Dieses Konzept überrascht am meisten. Siegpunkte horten und am Ende noch zusammen zählen, wer denn wirklich gewonnen hat, entfällt hier komplett. Wer es zuerst schafft, dass sich der Ruhmesmarker und der Geldmarker treffen, hat gewonnen. Fertig! Eine einfache und schnelle Lösung die Familie Brand hier präsentiert.

Das wirkt beim ersten Spiel sehr verwirrend und ein nicht genauer benannter Blogger, hat dies beim ersten Mal nicht gerafft und war dann ganz perplex, als keine Siegpunkte gezählt wurden. – Ob sowas überhaupt legal ist in Deutschland? – Rajas of the Ganges ist ein Wettlauf um den Sieg. Wie ihr allerdings das Rennen gewinnt, bleibt euch überlassen. Konzentriert ihr euch auf das Geld verdienen oder auf das Bauen von Gebäuden und dem Erwerb von Ruhmespunkten, verschiedene Strategien führen zum Ziel.

Auf den Elefanten, fertig los

Rajas of the GangesDa es sich bei Rajas of the Ganges um ein Wettrennen handelt, dürft ihr euch auch keinen großen Fehler erlauben. Hat euer Gegenüber hier einmal einen Vorsprung erspielt, könnt ihr ihn nur sehr schwer einholen. Ihr startet das Spiel mit drei Arbeitern. Diese Arbeiter führen die eigentlichen Aktionen aus, die ihr dann mit den Würfeln bezahlt. Im Laufe des Spieles könnt ihr durch verschiedene Aktionen neue Arbeiter hinzubekommen. Genau hier liegt ein wichtiger Aspekt des Spieles. Neuen Spielern sollte dies unmissverständlich klar gemacht werden! Jede Runde, in der ihr einen Arbeiter weniger habt, macht es euch schwerer, nicht den Anschluss zu verlieren. Es hat sich bei uns gezeigt, dass schon zwei Runden ausreichen, einen vorteilhaften Vorsprung aufzubauen. Daher solltet ihr schauen, dass das Niveau der Spieler gleichauf ist und vielleicht solltet ihr euch bei der ersten Partie mit neuen Mitspielern eher etwas zurückhalten.

Eine weitere Einstiegshürde ist die schiere Anzahl an Aktionen, die euch zur Verfügung stehen. Das wirkt für Neulinge erst einmal abschreckend. Ihr wisst beim ersten Mal nicht, was denn eine gute Strategie wäre, sondern fischt so ein bisschen im Trüben rum. Baut ihr zuerst den Palast oder wertet ihr den Palast auf. Tauscht ihr den einen orangen Würfel, gegen zwei lila farbige Würfel, die euch vielleicht mehr bringen. Es fehlt der rote Faden, an dem sich neue Mitspieler entlanghangeln können.

Rajas of the GangesAls Vergleich soll hier ebenfalls Marco Polo dienen, das Muster passt aber auf viele Brettspiele. Möchte ich in Marco Polo von A nach B reisen brauche ich Kamele, habe ich keine Kamele, muss ich die auch erstmal besorgen. Um diese vom Khan zu bekommen, muss ich mir genau dieses Würfelpaar aufsparen und kann es nicht verwenden. Bei Rajas of the Ganges gibt es eine solche Verkettung nicht wirklich. Dazu gibt es zu viele alternative Möglichkeiten die ihr nutzen könnt. Das bremst neue Mitspieler erstmal aus.

Das Würfelkarma

Rajas of the GangesWas mir bei Rajas of the Ganges angenehm aufgefallen ist: Ihr könnt immer was machen und dadurch eigentlich auch immer etwas weiter vorwärts kommen beim Wettlauf. Ihr habt schlecht gewürfelt? Kein Problem! Natürlich gibt es den Wiederholungs-Wurf als Aktion. Diesmal bekommt ihr sogar etwas Geld, wenn ihr neu würfelt. Für mich sehr überraschend, muss ich doch bei vielen anderen Spielen etwas bezahlen, um noch einmal mein Glück beim Wurf zu versuchen.

Aber ihr seid eben auch den Würfeln ausgeliefert und eine Manipulation der Würfel, wie ihr sie aus anderen Würfelspielen vielleicht kennt, ist hier nur begrenzt möglich.

Ihr möchtet zum Beispiel den Ganges hinaufsegeln, habt aber keine eins, zwei oder drei gewürfelt. Nun könnt ihr Karma ausgeben, um den Würfel auf die gegenüberliegende Seite zu drehen. Wenn ihr nun aber kein Karma habt, gibt es für euch keine andere Möglichkeit den Wert zu ändern. Ihr müsstet eine kostbare Aktion investieren, um einen neuen Würfel zu bekommen. Habt ihr wieder Pech beim Würfel, braucht ihr wieder weitere Aktionen usw usw. Hier könnt ihr sehr schnell abgehangen werden, ein schlechter Wurf kann euch schon den Vorsprung kosten. Dies ist nicht jedermanns Sache.

Rajas of the Ganges ist nichts für Spieler, die erstmal ihren Grundstock aufbauen wollen und den Zufall minimiert sehen möchten.

Ein wildes Brettspiel-Curry

Rajas of the GangesIch muss zugeben, ich hatte meine Startschwierigkeiten mit dem Spiel. Das lag aber ganz klar an den falschen Erwartungen, die ich hatte. Erst als ich realisierte, dass  es sich eben um einen Wettlauf handelt, hatte es Klick gemacht und ich konnte Rajas of the Ganges richtig genießen.

Dazu kommt noch eine wirklich opulente Ausstattung, die mich persönlich anspricht. Würfel kann man nie genug haben! Und dazu noch das Ganze in BUNT!

Dazu kommen noch kleinere Modifikationen des Spieles. Diese könnt ihr benutzen, sobald ihr etwas fester im Sattel sitzt. Sie machen das Spiel herausfordernder oder auch chaotischer, je nach Lust und Laune.

Der gelungene Mix aus Würfelglück, Zockerei und das Überlegen, was ich wann zu machen habe, um schnell an Geld oder Ruhm zu kommen, macht für mich den Spielspaß aus.

Das alles spielt sich dann auch noch sehr schnell. Die gefühlte persönliche Downtime – Ob es hier auch noch ein Spezialwort braucht wie beim Wetter? – war sehr kurz. Gerade weil ich in der Wartezeit schauen muss, welche der möglichen Aktionen überhaupt noch verfügbar sind. Welche Alternativen habe ich, wenn einer meiner Mitspieler das Feld wegschnappt, das ich eigentlich nehmen wollte?

Auf alle Fälle gilt: Packt jemand Rajas of the Ganges auf den Tisch und ich bin in der Nähe, will ich auch mitspielen!

Rajas of the Ganges ist auf Deutsch im HUCH Verlag erschienen.

2 Antworten auf “Rajas of the Ganges – Würfeln für das Karma”

  1. Ein sehr gelungener Review über ein sehr gut gelungenes Brettspiel. Rajas of the Ganges ist auch für uns eines der Essen Highlights. Wir mögen es gerne, weil es sich flüssig spielt und recht ausgewogen ist. Unsere Partien gehen immer sehr knapp aus. Mein einziger, kleiner Kritikpunkt bisher ist, dass die “Gemischtwaren-Märkte” etwas zu stark sind. Wer hier nicht mitmischt, hat es schwer.
    Verspielte Grüßle
    Simone

  2. Hallo Simone,
    danke für das Lob.
    Bei unseren Partien werden die Märke meist erst gegen Ende genutzt. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass es entweder sehr knapp ist oder aber sehr weit auseinander. Auf jeden Fall hat es uns sehr viel Spaß gemacht, verschiedene Taktiken auszuprobieren.

    Liebe Grüße
    Jasmin

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