Oriflamme – Intrigen und Mord im Kampf um die Krone

Oriflamme – Intrigen und Mord im Kampf um die Krone

Oriflamme - Brettspiel CoverWir wissen schon lange, dass es eine Spionin aus den Reihen der Handlanger des Hauses Pegasus geschafft hat, ganz nahe an unseren auserkorenen Thronfolger heran zu kommen. Sie erwarten geradezu, dass wir sie mit einem Attentat aus dem Weg räumen. Doch so einfach ist das nicht, denn unser Haus Drache besitzt keine Assassinin und der Soldat befindet sich nicht in ihrer Nähe. Doch natürlich weiß Haus Pegasus das nicht. Ein Hinterhalt könnte genau die richtige Möglichkeit sein, um ihren Assassinen auf die falsche Fährte zu locken und uns gleichzeitig selbst mehr Einfluss zu sichern. Es wird unser Haus sein, dass den Thron besteigt und die Oriflamme, das rote Sonnenbanner, wird über ihm strahlen.

Intrigen am königlichen Hof ganz im Stile von Game of Thrones stehen bei Oriflamme – Komplott um die Krone von Adrien und Axel Hesling aus dem Hause Pegasus auf dem Programm. Der König ist tot und hat keinen Erben hinterlassen. Verschiedene Familien im Reich buhlen nun darum, wer den neuen König stellen darf. Da wird mit jeder Runde der eigene Vorteil gesucht und auch vor Mord nicht zurückgeschreckt.

Spielregeln: Aller Anfang ist … leicht

Alle Spieler starten mit ziemlich gleichen Voraussetzungen, denn jeder Mitspieler bekommt den Kartenstapel mit seinem Hauswappen auf die Hand, die grundsätzlich für alle dieselben 10 Karten enthalten. Aus diesen Karten werden drei vor der Partie zufällig entfernt und von den verbleibenden sieben Karten werden sechs in einer Partie auch tatsächlich ausgespielt. Ein wenig Varianz und Unberechenbarkeit sind also vorhanden. 

Das Spielprinzip ist sehr einfach gehalten: Jeder Spieler darf pro Runde eine Karte ausspielen. Diese wird dann verdeckt entweder an den Anfang oder ans Ende der Reihe bereits ausliegender Karten gespielt. Wenn das alle Mitspieler getan haben, geht es in die zweite Phase. Hier werden die einzelnen Karten der Reihe von vorne nach hinten durchgegangen. Bei verdeckten Karten darf der Besitzer entscheiden, ob diese aufgedeckt werden soll und damit der Effekt ausgelöst wird, oder ob die Karte noch eine weitere Runde verdeckt liegen bleiben soll. In diesem Fall wird ein Einflussmarker darauf gelegt. Davon wollt ihr möglichst viele sammeln, denn wer am Ende der Partie am meisten Einfluss besitzt, stellt den neuen König.

Oriflamme Kartenreihe

 

Jedes Mittel ist recht, wenn es um den Thron geht

Die Effekte der Karten können ganz unterschiedlich sein. So gibt es einmalige Effekte, wie den Assassinen, der eine andere Karte aus der Reihe entfernt… also er bringt denjenigen dezent um die Ecke. Danach verschwindet die Karte des Assassinen ebenfalls aus der Reihe. Das Ziel dieses Attentats kann sowohl eine offen liegende, als auch eine verdeckte Karte sein.

Andere Karten bleiben nach dem Aufdecken dauerhaft liegen und wiederholen ihren Effekt jede Runde erneut. Das kann zum Beispiel eine Spionin sein, die in jeder Runde einen Einflussmarker von einer Familie nimmt, die eine Karte benachbart zur Spionin liegen hat. Das lästige kleine Ding spioniert eben die schmutzigsten Geheimnisse aus und nutzt sie zum Vorteil. Kein Wunder, dass die betroffenen Mitspieler die Karte nicht lange in ihrer Nähe dulden wollen.

Neben dem Assassinen gibt es auch noch eine Bogenschützin, die gerne an die Enden der Reihe schießt und dort einen unliebsamen Helfer entfernt und den Soldaten, der mit seinem Schwert in der Hand direkt neben sich Luft in der Reihe macht. Allerdings sind beide Karten dauerhaft und müssen ihren Effekt jede Runde abhandeln. Das kann dumm laufen, wenn die eigenen Helfer die einzigen validen Ziele für das mörderische Handwerk sind. Jedes Mal, wenn erfolgreich gemordet wurde, gibt es als Belohnung einen Einflussmarker.

Oriflamme Karten-Effekte

Subtil und mit Stil an die Macht

Neben diesen sehr direkten Arten, an Einfluss zu gelangen, gibt es natürlich noch ein paar subtilere Mittel. So lässt man seine Komplott-Karte gerne mal verdeckt liegen, denn nach dem Aufdecken bekommt man hier das Doppelte des darauf angesammelten Einflusses in seinen Vorrat. Deckt man andere eigene Karten auf, auf denen bereits Einflussmarker gesammelt wurden, bekommt man diesen Doppeleffekt nicht. Das ist aber natürlich nur der Fall, wenn die Karten nicht von einem Konkurrenten entfernt wird.

Wobei nicht jede Karte, die lange verdeckt liegt, unbedingt beseitigt werden muss. Der Hinterhalt nutzt ebenfalls nur etwas, wenn er verdeckt liegen bleibt und bringt seinem Besitzer mehr Einfluss, wenn ein Mitspieler darauf hereinfällt und die Karte beseitigen möchte.

Spieltiefe: Denn sie wissen nicht, was sie tun

Mit diesen Karten und noch einigen mehr kann man schöne taktische Machtspielchen spielen. Durch die gelungene Aufmachung weckt es bei Mitspielern direkt Neugier auf das Spiel und die wenigen Regeln sorgen dafür, dass es sehr schnell erklärt ist und man direkt losspielen kann. In den ersten Runden geschieht auch genau das: Man spielt einfach drauf los. Die vollen taktischen Möglichkeiten von Oriflamme, das hier deutlich mehr Tiefe bietet, als es beispielsweise ein Love Letter tut, wird dabei noch nicht ausgereizt. Mit weiteren Partien beginnen die Machtspiele und das Bluffen. Neid, Misstrauen und Rachegelüste machen sich am Tisch breit und erzeugen genau die Stimmung, in der kein Mitspieler einem anderen über den Weg traut, die das Spiel so spannend und atmosphärisch macht.

Es wird genau beobachtet, ob die Mitspieler ihre Karte nach vorne oder hinten spielen. Welche Karten wurden bereits gespielt? Was könnten die anderen vorhaben? Wird die eben gespielte Karte die eigenen Pläne durchkreuzen? Und dann in der zweiten Phase hofft man darauf, dass die eigene Karte und damit der eigene Plan nicht vorzeitig von den Mitspielern zu Nichte gemacht wird. Oder vielleicht geht mein Plan auch auf und der Assassine beseitigt genau die Karte, die mir bisher nicht erlaubt hat, meinen Nachfahren, von dem es immer nur einen geben darf, endlich gefahrlos aufzudecken. Gegenseitiges Belauern und Spannung sind hier in ein kleines Spiel gesteckt worden, das mit einer sehr hübschen und thematischen Aufmachung daher kommt.

Das Drumherum: Eine besondere Verpackung

Einzig die Spielschachtel selbst gibt Anlass zur Kritik. Hier hat man sich zwar Mühe gegeben und eine originelle Schuber-Schachtel gewählt. In der Praxis erweist sich die allerdings als nicht so glücklich. Beim ersten Zusammenpacken hatte ein Mitspieler die Schublade glatt falsch herum in die Packung geschoben. Ohne Öffnung zum Herausziehen ging diese dann natürlich nur schwer wieder auf. Bei einer anderen Gelegenheit hatte ein Mitspieler die Schachtel sehr schwungvoll, aber falsch herum herausgezogen und die Tokens flogen im hohen Bogen umher. In einem Brettspiel-Haushalt fand sich natürlich ein Tütchen, in das man sie einräumen konnte, um weitere Missgeschicke dieser Art zu verhindern. Die ungewohnte Schachtel hat hier also eher geschadet als genutzt.

Oriflamme hat ein besonderes Schachtel-Design

Illustrationen: Das Auge spiel mit

Was aber wirklich gut gelungen ist, sind die Illustrationen von Tomasz Jedruszek. Er hat unter anderem auch bereits für Magic the Gathering Karten illustriert hat und bei Fantasy Flight Games Bilder für die Herr der Ringe, Star Wars und Game of Thrones Lizenzen beigesteuert. Mit dem mittelalterlich angehauchten Setting ist er also auf jeden Fall bereits zuvor in Berührung gekommen und auch die thematische Nähe zu Game of Thrones hat ihn zur richtigen Wahl für Oriflamme gemacht. Die einzelnen Charaktere sind gut getroffen und bringen gleich die richtige Stimmung auf den Tisch. Die Mechaniken und das Thema passen gut zusammen und man kommt zusammen mit den etwas düsteren Bildern auf den Karten schnell in die richtige Stimmung, um Intrigen zu spinnen.

Oriflamme – Ein Gewinner unter den kleinen Spielen

Oriflamme CharakterkartenIn Frankreich ist Oriflamme so gut angekommen, dass es dort in Cannes den As d’Or – Jeu de l’Année 2020 (die französische Variante unseres Spiel des Jahres mit dem roten Pöppel) gewonnen hat. Bei uns war es doch recht still um das kleine Spiel. Vielleicht ändert sich das ja nun ein wenig, denn ich würde mir durchaus mehr Aufmerksamkeit für Oriflamme wünschen. Wir haben einige intensive Partien damit verbracht. Ich habe mich sehr geärgert, wenn mein Soldat mit großer Zielgenauigkeit einen Hinterhalt nach dem anderen aufgedeckt hat. Und ich habe mich diebisch gefreut, wenn ich durch das scheinbar harmlose Verschieben einer Karte meinen Mitspieler dazu gezwungen habe, seine eigene Karte attackieren zu müssen. Hochs und Tiefs liegen hier nahe beieinander.

In die überschaubare Spielzeit von 20 bis 30 Minuten wurde viel Spiel gepackt, ohne kompliziert zu werden. Wenn alle die Karten kennen, die dabei sein könnten, entfaltet sich erst die wahre Stärke des Spiels. Und sollte ein Mitspieler einmal vergessen haben, welche Fähigkeiten die einzelnen Karten haben, hilft ein Blick auf die sehr gute Übersichtskarte. Statt kryptischer Symbole werden hier im Klartext noch einmal kurz die Fähigkeiten zusammengefasst.

Eine Kleinigkeit gibt es allerdings noch zu bedenken: Weil es sich um ein klassisches Bluff-Spiel handelt, funktioniert Oriflamme erst ab drei Spielern. Und mehr als fünf dürfen es dann auch wieder nicht sein. Mit mehr Spielern kommt zum taktischen Bluffen immer mehr Zufall ins Spiel und bei fünf Spielern kann man eigentlich nichts mehr planen.

Ich würde euch denn noch jederzeit empfehlen, auch mal in den Komplott um die Krone bei Oriflamme hineinzuschnuppern.


Schaut ihr euch die As d'Or Preisträger genauer an?

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Das Spiel Oriflamme ist bei Pegasus Spiele erschienen.

Oriflamme (2019)
Spieler:
3 - 5
Dauer:
15 - 30 Min
Alter:
10+
BGG Rating:
7.27
Verlag:
Pegasus
BGG:

Für die Review wurde uns ein Rezensionsexemplar von Pegasus Spiele zur Verfügung gestellt.



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