Räuber der Nordsee

Räuber der Nordsee

Räuber der NordseeEin hartes Räuberleben

Die letzte Tonne mit geräuchertem Fisch wird auf das stolze Langschiff geladen, welches in dem kleinen Fjord vor Anker liegt. Stolz stimmen die mutigen Nordmänner ein Lied an, um Abschied zu nehmen. Vor ihnen liegen die Ländereien des Südens mit ihren Reichtümern. Die einfachen Fischereisiedlungen an der Küste werden keine große Gegenwehr leisten können. Die gut geschützten Klöster im Landesinneren werden von den Angriffen der Räuber überrascht werden.

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Räuber der Nordsee (Raiders of the Northsea) ist das zweite Spiel aus der North Sea Saga von Garphill Games. Unsere Schiffsbauer aus dem ersten Teil haben nun die Schiffe fertig gebaut. Es geht nun über die See zu anderen Ländern, in denen wir Rohstoffe sammeln, um unseren Jarl fröhlich zu stimmen. Doch bevor wir in See stechen können, heißt es erst einmal das Schiff auszustatten. Dies geschieht für alle Spieler im gleichen Heimatdorf. Hier setzen wir unseren einzigen Wikinger, den wir haben, auf einen der freien Orte und führen die Aktion aus. Soweit so bekannt, so unspektakulär. Nachdem die Aktion ausgeführt wurde, nehmen wir nun von einem anderen Ort, an dem sich schon ein Wikinger befindet, diesen Wikinger auf die Hand. Und führen die entsprechende Ortsaktion aus. Die Aktionen bestehen dabei darin, das man zum Beispiel Karten nachziehen kann, man produziert Silber, erhöht seine Stärke oder man schenkt seinem Jarl etwas, um in seiner Gunst zu steigen.

Auf zu neuen Ufern

Wenn man dann alle erforderlichen Ressourcen zusammengetragen hat, kann man endlich seine erste Kaperfahrt durchführen. Auch hier gilt wieder das gleiche Spielprinzip. Ich stelle einen Wikinger auf das frei Feld des Zieles, zum Beispiel Häfen, Klöster oder Festungen. Dann nimmt man sich die Ressourcen, die sich dort befinden. Danach nimmt man den Wikinger der sich oberhalb des Feldes befindet wieder auf die Hand. Dabei kann es sich auch um einen andersfarbigen Wikinger handeln. Denn neben schwarzen Wikingern gibt es auch noch graue und weiße Wikinger. Dadurch stehen einem im nächsten Zug zum Teil verbesserte Ortsaktionen zur Verfügung. Da man andere Spieler nicht vorsätzlich angreift, hat man nur die Möglichkeit über das clevere Setzen und wieder auf die Hand nehmen von Wikingern, andere Mitspieler zu blockieren.

Meine, deine unsere Spielfiguren

Manchmal bleibt einem keine andere Wahl, als den frisch ergatterten kostbaren weißen Wikinger wieder einzusetzen. Denn man kann nicht den gleichen Wikinger wieder auf die Hand nehmen, den man zuvor gesetzt hat. Nach einem Raubzug müssen die Ressourcen erst einmal wieder mühsam zusammen gesammelt werden, um sich dem nächsten Raubzug zu stellen. Was auf den ersten Blick bei neuen Spielern für verwirrende Blicke sorgt, spielt sich dennoch sehr flott. Dabei ist die eindeutige Bebilderung des Spielplanes sehr hilfreich. Und so kommen auch Neulinge schnell ins Spiel.

Siegpunkte ohne Ende

Was allerdings ein bisschen Eingewöhnung braucht, ist hier die Endwertung. Im Gegensatz zu anderen Eurogames kann man hier keine wirklich gut geölte Punktemaschinerie aufbauen, um Siegpunkte zu generieren. Dazu gibt es einfach zu viele Möglichkeiten, um an Siegpunkte zu kommen. Zum einen kann man Ressourcen in Siegpunkte umwandeln, in dem man diese seinem Stammeschef schenkt. Allerdings ist der Chef wählerisch und nicht jede Ressource stimmt ihn freudig, welche das genau sind, wird zufällig bestimmt. Desweiteren kann man natürlich Siegpunkte bekommen in dem man Siedlungen überfällt. Sterben dabei Wikinger beim Angriff auf eine Siedlung, ist dies nicht so schlimm, denn Walhalla ruft. Und je mehr Wikinger sich in Walhalla befinden, desto mehr Siegpunkte bekommt man am Ende des Spieles. Oder man nutzt die Spezialfähigkeiten einiger seiner Wikinger, die einem extra Siegpunkte geben, zum Beispiel durch einen Überfall auf einen Hafen. Durch diese Dynamik wird erst zum Schluß entschieden, wer der größte Wikinger aller Zeiten ist. So kann es durchaus passieren, dass der abgeschlagene Spieler durch seine militärische Stärke doch noch die Führungsposition übernimmt. Auch wenn einer der Hauptaspekte des Spieles der Überfall auf andere Siedlungen ist, wird dieses Thema doch sehr abstrakt gehandhabt. Daher kann man dieses Spiel auch mit jüngeren Brettspielern spielen.

 

Qualität zum kleinen Preis

Die Qualität der Komponenten ist ausgezeichnet. Alle Ressourcen kommen in Holz daher und andere Tokens sind aus dicker Pappe. Die Karten sind leinengeprägt und dadurch recht stabil. Auf alle Fälle sollte man sich die Metallmünzen noch nachkaufen, diese fühlen sich einfach gut an. Die Runen auf ihnen tragen ihre Beitrag dazu bei, sich noch mehr in die Welt der Wikinger versetzt zu fühlen. Wenn dann noch alles ohne Probleme in die kleine quadratische Box passt, spiegelt das die gute Qualität einfach konsequent weiter.
Für die Grafiken ist wieder der bekannte Künstler The Mico verantwortlich, dabei setzt er auf die gleichen Charaktere, die auch in den anderen North Sea Veröffentlichungen schon in Erscheinung getreten sind.

Das Spiel ist in englischer Sprache bei Garphill Games erschienen. In deutsch ist es erhältlich beim Schwerkraft Verlag. Für Nachschub ist auch schon gesorgt und wenn alles gut geht, sollte man dieses Jahr im November sein Wikingerdorf vergrößern können. Dabei kommen gleich 2 neue Erweiterungen in den Handel.

Was vielleicht nicht so toll im Deutschen gewählt ist, ist die wortwörtliche Übersetzung des Originaltitels. So hätte man die Räuber durchaus durch Wikinger oder Plünderer ersetzen können.

Fazit

Kurz gesagt ich mag dieses Spiel. Und dabei sind es die kleinen Dinge die Shem Philips einfließen ließ. Sei es der Setz und Zieh Mechanismus der Wikinger, das Ressourcenmanagement wo man abwägen muss, wann man welches Ziel angreift, die Zusammenstellung der Schiffsmannschaft durch Karten, wobei jede Karte zwei unterschiedliche Funktionen hat, eine permanente und eine sofortige. Und so geht es weiter und weiter.

Dann kommen die wirklich gut gestalteten Komponenten daher die einfach dazu führen, das man sich schnell in das Spiel hineingezogen fühlt. Man ringt mit sich selbst, welchen Wikinger man denn nun nach Walhalle schickt, wenn man dazu gezwungen ist. Man wirft seinem Mitspieler böse Blicke zu, wenn dieser einen Assassinen aus dem Hut zaubert und dieser einen seiner wichtigen Räuber umbringt, um sich bei ihm dann zwei Runden später auf die gleiche Art zu rächen.

Das einzige Manko ist, das man Neulinge immer wieder davon überzeugen muss, dass das Spiel nicht schwer ist. Denn auf den ersten Blick gibt es zu viele Möglichkeiten, um Punkte zu generieren. Es gibt zu viele Ziele die man angreifen kann, zu viele Karten die man spielen kann und zu viele Orte im Dorf, die je nach Farbe des Wikingers auch noch unterschiedliche Aktionen anbieten.

Doch fängt man erst einmal an zu spielen, reduzieren sich all diese Möglichkeiten auf einmal auf eine überschaubare Anzahl, die jeder Neuling ohne Probleme meistern kann.
Für mich ist dieses Spiel aus der kompletten North Sea Saga, das Beste und wurde vollkommen zurecht für das Kennerspiel 2017 norminiert. Trotzdem lohnt auch ein Blick auf die anderen beiden Spiele der Reihe Shipwrights of the North Sea und Explorers of the North Sea. Noch tiefer in die Spielwelt eintauchen könnt ihr in der Folge 5 unseres Comedy Podcasts “Brettspiele schön vertönt: Räuber der Nordsee”.


Zur deutschen Version des Spieles beim Schwerkraft Verlag

Zur englischen Version des Spieles bei Garphill Games

Raiders of the North Sea (2015)
Spieler:
2 - 4
Dauer:
60 - 120 Min
Alter:
12+
BGG Rating:
7.82
Verlag:
Schwerkraft Verlag, Garphill Games
BGG:

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