Solenia – Luftschiffe und fliegende Inseln

Solenia – Luftschiffe und fliegende Inseln

Solenia von Autor Sébastien Dujardin und Pearl Games beschreibt eine komische Welt. Der Planet dreht sich nicht mehr und nur durch den Einsatz von gigantischen Luftschiffen kommt es zu einem Warenaustausch zwischen der Tag und der Nachtseite. Es ist an euch die verschiedenen Wünsche zu erfüllen. Belohnt werdet ihr durch Siegpunkte und wer am Ende die meisten Siegpunkte hat, der gewinnt die Partie. Wie das Leben so als Brettspiel-Luftschiff-Kapitän ist, erklären wir in unserer Rezi zu dem Brettspiel, das in lokalisierter Form bei Asmodee Deutschland erschienen ist.

Solenia du physikalisch unkorrekte Welt

Eine der tollen Eigenschaften der Phantasie ist es, dass nicht alles Sinn ergeben muss. Ich kann mir zum Beispiel einen Planeten ausdenken, der nicht mehr rotiert und nur aus schwebenden Inseln besteht. Trotzdem ist dieser Planet lebensfähig und dient als Setting für das Brettspiel Solenia. Doch wir sind hier ja nicht auf einem physikalisch orientierten Blog unterwegs, sondern auf einem Brettspiel-Blog und scheren uns damit weniger um die Wissenschaft.

Wir sind zufrieden damit, unser Luftschiff über die Planetenoberfläche zu bewegen, um so die verschiedensten Güter einzusammeln, um sie dann in den Städten abzuliefern. Dazu hat jeder von uns einen Satz Karten, genauer gesagt 16 Karten. Die Kartensätze enthalten jeweils identische Karten und unterscheiden sich nur in der Farbe. An Spieler mit Farbschwäche wurde vorbildlich gedacht, denn verschiedene Symbole sind auf den Karten vorhanden, um diese unterscheidbar zu machen.

Gespielt wird Solenia über 16 Runden, also bis jeder seine Karten aufgebraucht hat. Dazu spielt ihr wenn ihr am Zug seid, eine eurer drei Handkarten auf den Planeten Solenia aus. Das Ausspielen dieser Karte gibt euch Ressourcen, lässt euch Aufträge erfüllen oder lässt das gemeinsame Luftschiff weiterfliegen. Dann zieht ihr wieder auf drei Karten auf und der nächste Spieler ist dran.

Was sich nach einem reltiv schnellen Brettspiel anhört, ist es dann auch. Wirklich lange dauerte bei uns bis jetzt keine Partie und da war es auch egal, ob am Tisch Spieler saßen, die Solenia schon einmal gespielt hatten oder Spieler die das erste Mal teilnahmen.

Solenia Brettspiel Luftschiff

Sammeln, sammeln und noch einmal sammeln

Die Hauptaufgabe für euch ist das Sammeln der verschiedenen Ressourcen. Das Hauptproblem dabei ist, dass nicht jede Ressource überall vorkommt. Auf der Nachtseite von Solenia gibt es genug Wasser und Stein, dafür möchten die Bewohner aber lieber Getreide und Holz, das es auf der Tagseite in Überfluss gibt. Und dreimal dürft ihr raten, was es auf der Tagseite gibt bzw. nicht gibt? So transportieren wir also den Überfluss zu den Städten, die auch Bedarf daran haben. Nun grenzen Tag und Nacht  nicht wirklich aneinander und ihr müsst erst einmal die Güter der einen Seite auf eurem Luftschiff zwischenlagern, was allerdings auch nur begrenzten Lagerplatz hat, um diese Güter auch abliefern zu können. Nach dem Erfüllen eines Auftrags habt ihr sowohl freien Lagerplatz, als auch ein paar Siegpunkte mehr.

Habt ihr irgendwann mal keinen Platz – und dies passiert schneller als gedacht, auch wenn die Ressourcen nicht im Überfluß vorhanden sind – müsst ihr überzählige Ressourcen abwerfen. Aber ihr könnt zu diesem Zeitpunkt entscheiden, welche ihr über Bord werft.

Solenia Brettspiel Siegpunkte

Flieg mein Luftschiff, flieg

Der Kniff an Solenia ist das dynamische Spielbrett. Wie schon beschrieben, gibt es ein Luftschiff, das sich über den Planeten bewegt. Auf dem Spieltisch bewegt sich allerdings der Spielplan unter dem Luftschiff. Jedesmal wenn ihr eine Karte ausspielt, die das Luftschiff vorwärts bewegt, wird auch das letzte Spielplanteil entfernt, gewendet und dann vor dem Luftschiff wieder angelegt. So “bewegen” wir uns um den Planeten herum. Wie schon ein Politiker sagte: “Vorwärts immer, rückwärts nimmer”.

Dass sich das Luftschiff dabei stetig weiterbewegt, ist nicht nur ein wunderbares taktisches Element, es ist sogar spieltechnisch sehr wichtig. Eure Karten könnt ihr nur an einen Ort spielen, der angrenzend an das Luftschiff, an eine eurer bereits ausliegenden Karten oder gegen Bezahlung auch weiter entfernt ist. Letzteres ist aber sehr teuer. Nun kann an einem Ort allerdings auch nur eine Karte liegen, egal ob von euch oder euren Mitspielern. Und so gäbe es irgendwann keinen Platz mehr zum Ausspielen, wenn das Luftschiff sich nicht weiter um Solenia bewegen würde und das Spielbrett dadurch aufräumt.

Das Ablegen das alten Spielplanteils hat noch einen weiteren Kniff. Denn jede Karte gibt euch nicht nur etwas, wenn ihr sie auf das Spielfeld spielt. Sie gibt euch auch noch einmal einen Bonus, wenn sie das Spielbrett im Zuge der Bewegung des Luftschiffs, verlässt. Und das finde ich richtig klasse, denn hier muss ich taktisch überlegen, wohin ich eine Karte spiele. Nutze ich sie weiter vor dem Luftschiff, um meinen Mitspielern etwas vorraus zu sein, bekomme aber zu einem späteren Zeitpunkt die Boni? Oder spiele ich sie hinter dem Luftschiff, um vielleicht schneller an die Boni zu kommen, blockiere mich damit aber vielleicht selbst mit der möglichen Auswahl an Orten? Und passen die Boni überhaupt zu den Ressourcen, die ich brauche, um die Aufträge zu erfüllen?

Solenia Brettspiel Spieler Tableau

Solenia klappt

Klar, Solenia ist nicht der Brettspiel-Kracher, der euch stundenlang an den Tisch fesselt. Aber Solenia klappt in allen Besetzungen, ob ich es alleine spiele oder in der vollen Besetzung. Es hat eine angenehme Spieldauer und auch die Downtime der einzelnen Mitspieler ist recht gering. Durch das Belegen von Orten und das Wegschnappen der offen ausliegenden Aufträge ist auch genug Grummel- und Fluch-Interaktion vorhanden. Und es werden euch genau die Aufträge vor der Nase weggeschnappt, in dem Moment wo ihr alle Güter zusammen habt! Oder nach einem erneuten Drehen des Spielplanteiles kommt endlich die Stadt zum Vorschein, die ihr braucht um den Auftrag abschließen zu können. Keine Frage euer Mitspieler wird sie vor euch angesteuert und seine Karte drauf gelegt haben.

Das erste Mal als ich von Solenia gehört hatte, dachte ich, dass dies ein Brettspiel ist, das erst ab einer bestimmten Spielerzahl funktionieren kann. Und so war ich umso überraschter, dass es beim ersten Probespiel zu zweit wunderbar funktionierte.

Vielleicht ist es auch die Einfachheit, die mir an Solenia gefällt. Die Regeln sind ja schnell gelernt und auch an neue Mitspieler schnell vermittelt. Und was am Anfang vielleicht noch für ein Stirnrunzeln bei der Erklärung gesorgt hat, wird nach den ersten beiden Runden recht schnell beseitigt.

Solenia Brettspiel Handkarten

Achtung Luftlöcher

Was uns allerdings nicht so sehr gefallen hat, sind die Lochkarten. Jede Karte hat in der Mitte ein Loch, um so zu bestimmen welche Ressource ich bekomme. Was spielerisch durchaus Sinn ergibt, ist für das Mischen nicht so optimal. Hier könnte ich mit Sleeves dem ganzen vielleicht Herr werden, aber nach einer intensiven Sleeve-Phase am Anfang meines Brettspiel-Lebens, mache ich dies nur noch ganz ganz selten.

In einigen Partien stellte sich bei mir auch das Gefühl des ausgeliefert seins ein. Die Aufträge, die ich erfüllen wollte, waren weg bevor ich die nötigen Ressourcen dafür hatte und die nachfolgenden Aufträge konnte ich erst einmal nicht erfüllen. Zum Beispiel hatte ich in meinem Luftschiff nur Wasser und Holz, an Steine bin ich leider nicht gekommen. Mein Mitspieler erfüllt den einzigen ausliegenden Auftrag mit Wasser und Holz und zieht einen neuen Auftrag nach. Dumm nur, dass dann nur noch Aufträge auslagen, wo ich Steine gebraucht hätte.

Andererseits hatte ich aber auch schon Partien, wo es einfach nur lief. Dadurch, dass ich durch das Erfüllen der Aufträge nicht nur Siegpunkte bekommen habe, sondern auch noch Bonusgüter, konnte ich schon den nächsten Auftrag erfüllen und flog so meinen Mitspielern punktetechnisch davon.

Solenia Brettspiel Ressourcen

Landung auf Solenia

Kurzum ich mag Solenia, ich spiele es richtig gerne. Aber das Sammeln der Ressourcen und das Bewegen des Luftschiffes über den Planeten machen Solenia für mich zu einem guten Spiel. Und da kann ich auch über die kleinen beschriebenen Mängel hinweg sehen. Auch die Spielzeit empfinde ich als sehr angenehm. Ich muss ja nicht jedes Mal stundenlang an einem Brettspiel sitzen, um Regeln zu lernen und dann auch noch lange Zeit damit verbringen, es zu spielen.

Was ich auch noch positiv finde ist, dass das Spiel auch wieder mit einer “schweren” Variante ausgeliefert wird. Dabei bleibt die Grundmechanik bestehen, allerdings verändert sich euer Luftschiff. Ihr habt nun weniger Platz für die Rohstoffe, die finale Wertung der erfüllten Aufträge ändert sich und (das ist in meinen Augen das Beste) eure Luftschiffe lassen sich mit unterschiedlichen Verbesserungsplättchen ausrüsten. Hier kommt eine gewisse Asymmetrie ins Spiel, denn die Verbesserungsplättchen geben mir schon einmal eine gewisse Strategie-Richtung vor, auf die ich meine Spielweise ausrichte.

Dies ist aber auch eine Schwäche der Verbesserungsplättchen: Sie machen eben nur Sinn, wenn eure Mitspieler auch schon Solenia gespielt haben, denn nur so sind die Zusammenhänge ersichtlich.

Und wer gerade keine Mitspieler zur Hand hat, kann mit Solenia auch im Solo-Modus unterwegs sein. Aber ganz ehrlich, den Solomodus hab ich nur ein zweimal gespielt. Einmal in der Grundvariante, um das Spiel kennen zu lernen und das zweite Mal, um es wegen der Verbesserungsplättchen zu erlernen. Wirklich aufregend ist dieser Modus nicht wirklich. Da der Gegner eben kein menschlicher Gegner ist, sondern nur ein dummer Automat, der über einen sechsseitigen Würfel gesteuert wird, der bestimmt, welche Orte durch den Gegner blockiert werden.


Solenia ist auf deutsch bei Asmodee erschienen.

Solenia (2018)
Spieler:
1 - 4
Dauer:
30 - 45 Min
Alter:
10+
BGG Rating:
7.3
Verlag:
Pearl Games, Asmodee
BGG:

Für die Rezension stand uns ein kostenloses Exemplar zur Verfügung.


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