Adventure Games – Die Vulkaninsel

Adventure Games – Die Vulkaninsel

Adventure Games - Die VulkaninselDer Prof hatte uns versprochen, dass wir in diesem Kurs mal an die frische Luft kommen würden. Die Insel erkunden, ein paar ihrer Geheimnisse kennenlernen. Das klang alles sehr spannend und ich war wirklich froh, mal etwas Abwechslung zum trockenen Studi-Alltag zu bekommen. Außerdem hatte mir mein Kumpel gesteckt, dass die süße Cataysa ebenfalls teilnehmen würde. Aber dieses kleine Abenteuer war von der ersten Minute an nicht das, was uns versprochen wurde. Keiner hatte uns gesagt, dass es in so ein Gerenne ausarten würde und wir Angst um unser Leben haben müssten. Ich verlange eine Gefahrenzulage!

In dritten Teil der Adventure Games Reihe von Kosmos erkunden wir Die Vulkaninsel. In dem kooperativen Spiel steht das Erkunden und das Entdecken der Geschichte verstärkt im Vordergrund, während es Rätsel eher als schmückendes Beiwerk gibt, die der Story nicht im Weg stehen sollen. Die beiden Vorgänger Die Monochrome AG und Das Verlies haben uns gut gefallen und da war es klar, dass wir auch den dritten Teil spielen wollten. Das Spiel und die initiale Idee stammen wieder von Phil Walker-Harding und Matthew Dunstan, für die Story ist diesmal Chihiro Mori verantwortlich. Wir wollen euch in unserem Review von unserem Erlebnis auf der Insel erzählen.

Hinein ins Abenteuer

Über vier Kapitel hinweg, für die vom Verlag jeweils etwa 75 Minuten Spieldauer angegeben sind, erkunden wir in der Rolle von Studenten Die Vulkaninsel, deren Geheimnisse wir lüften sollen. Unser Professor hat sich bereits vor Beginn des Abenteuers krankgemeldet und so sind wir auf uns allein gestellt und haben nur eine vage Vorstellung davon, was uns hier erwartet. Es soll hier einen Schmugglerring geben und auch seltsame Naturereignisse häufen sich. Das alles sollen wir genauer Untersuchen und dabei auf alles Ungewöhnliche achten. Mit diesem Ziel vor Augen starten wir in der Schlucht, während ein Unwetter aufzieht.

Adventure Games: Die Vulkaninsel

Eine Hand voll Regeln

Jeder eurer Charaktere wird dabei durch ein Papp-Standee dargestellt. Die Orte sind schön illustriert auf größeren Karten abgebildet. Auf den Ortskarten sind wiederum interessante Stellen mit Zahlen markiert. Wenn ihr euch eine dieser Stellen mit eurem Charakter ansehen wollen, stellt ihr eure Figur auf die Stelle und lest entweder im Abenteuerbuch den Eintrag mit der Nummer nach oder ihr nutzt die Kosmos Erklär App, in der das Abenteuerbuch ebenfalls verfügbar ist und in der alle Einträge von professionellen Synchronsprechern stimmungsvoll vorgelesen werden. Ihr bekommt eine kleine Beschreibung der Szene und manchmal auch Gegenstände, die ihr aus dem Stapel der Abenteuerkarten heraussucht und eurem Inventar hinzufügt. Abenteuerkarten sind im Prinzip Gegenstände, die auch mit anderen Gegenständen oder Stellen auf Ortskarten kombiniert werden können. Das geschieht, indem ihr die beiden Zahlen beginnend mit der niedrigeren hintereinander setzt und den so Eintrag zur so neu gebildeten Zahl lest/lesen lasst. Neue Ortskarten kommen ebenfalls dazu, wenn euch das Abenteuerbuch das sagt. Das sind auch schon alle Grundmechaniken, die ihr kennen müsst.

Eine kleine Anmerkung noch, was das Tauschen von Abenteuerkarten angeht: Ihr könnt eigentlich nur zwischen Charakteren tauschen, die sich auf der gleichen Ortskarte befinden. Das Regelheft macht hier aber auch den Vorschlag, dass ihr das etwas lockerer handhaben könnt und jederzeit tauscht, also quasi ein gemeinsames Inventar bildet. Das geht zwar auf Kosten des Realismus, verkürzt aber die Spieldauer. Da es sowieso nicht auf die Zeit ankommt und ihr ja nur Figuren hin und her bewegen müsstet, sehen wir dieses freiere Tauschen als angenehmer an. Schließlich wollen wir ja die Geschichte erleben, nicht wahr?

Adventure Games Vulkaninsel Spielzug

Erkundung mit Hindernissen

Das Erkunden der Stellen auf den Ortskarten geht leicht von der Hand und schnell seid ihr im Entdeckungs-Modus und habt die ersten Gegenstände im Inventar. Anders als in den beiden vorangegangenen Abenteuern können bestimmte Entscheidungen oder Ereignisse im Verlauf des Spiels aber auch dazu führen, dass einige Stellen oder Orte nicht mehr erkundet werden können. Das macht einige Entscheidungen noch wichtiger und bringt Spannung ins Spiel. Oder es benötigt bestimmte Voraussetzungen, unter denen ihr einen Ort oder eine Stelle überhaupt erst betreten könnt. Andere Ereignisse führen dazu, dass ihr zu den Zahlen immer noch einen bestimmten Wert hinzuaddieren müsst und so zwar dieselben Stellen an denselben Orten erneut erkundet, diesmal aber andere Dinge zu lesen/hören bekommt. Mit dem wenigen Material in der kleinen Schachtel wird hier viel geboten.

Wie auch schon in der Monochrome AG und im Verlies haben eure Charaktere bestimmte Eigenschaften, die sie von den anderen unterscheiden. Sie haben ein Studienfach, in dem sie sich besonders gut auskennen und eines der vier Elemente, zu dem sie eine besondere Verbindung verspüren. Beim Erkunden wird daher ab und zu gefragt, wer eine bestimmte Aktion ausführen möchte, was dann zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Das hat zwar keine allzu großen Auswirkungen, lässt die Geschichte aber einen leicht anderen Verlauf nehmen. Wenn ihr mit weniger als vier Spielern spielt, sollt ihr laut Anleitung die übrigen Charaktere in der Spielschachtel lassen. Während der Geschichte werden diese aber immer wieder namentlich mit erwähnt. Wir würden daher auch kein Problem darin sehen, wenn ihr einfach mit mehreren Charakteren pro Mitspieler spielt, um eben alle Studenten bei euch zu haben. Wenn ihr wie ich seid und genau wisst, dass einer der anderen Studenten die Lösung des Problems wäre, gibt euch diese Variante mit Sicherheit ein besseres Gefühl. Und wir wollen ja schließlich die Geschichte erleben, nicht wahr?

Kleiner Exkurs über Fehler in der ersten Auflage

Adventure Games: Die Vulkaninsel - Missions UpdateBevor ich zu unserem Spielerlebnis komme, muss ich noch eine Erklärung zu den Umständen voraus schicken. Zum einen war es ein ziemliches Glück, dass wir Die Vulkaninsel nicht sofort auf den Spieltisch packen konnten. Es passte zeitlich einfach nicht. Das war aber im Rückblick ganz gut, denn es gab wohl einige gravierende Fehler im Abenteuerbuch und in der App, die dazu geführt haben, dass andere Gruppen in Kapitel drei gar nicht voran kamen und teilweise über drei Stunden auf diesem unlösbaren Rätsel herumkauten. Auch war der Text in der App wohl bei einigen Einträgen nicht vorhanden, so dass man nicht mitlesen konnte, was blöd ist, wenn schließlich die Einträge genannt werden, wo es weiter geht. Da die App regelmäßige Updates bekommt, hatten sich diese Probleme für uns schonmal erledigt. Auch Besitzer der zweiten Auflage müssen sich keine Sorgen mehr machen, denn hier sind die Fehler auch im gedruckten Heft bereits behoben. Falls ihr die Erstauflage des Spiels besitzt und mit dem Abenteuerbuch spielen möchtet, dann solltet ihr unbedingt das Missions-Update von Kosmos beachten, die Fehler im gedruckten Buch behebt.

Spielerlebnis mit Hindernissen

Ich muss außerdem gestehen, dass wir zwischen dem ersten und den anderen beiden Kapiteln eine längere Pause hatten. Der Einstieg hatte uns nicht gleich so mitgerissen, dass wir das Gefühl hatten, unbedingt weitermachen zu müssen. Das hat aber wiederum dem weiteren Spielerlebnis nicht gut getan, denn uns waren einige Details aus dem ersten Kapitel einfach nicht mehr so präsent, wie sie hätten sein können. Die restlichen drei Kapitel haben wir aber kurz hintereinander gespielt, so dass mangelndes Erinnerungsvermögen hier keine Rolle mehr gespielt hat. Die Story kam uns aber auch hier eher zusammengeflickt vor und nicht wie aus einem Guss. Es gab einige Rätselelemente, die wirklich gut funktionierten und auch logisch waren, auf andere wiederum wäre man nie gekommen und wenn man bereits dreimal von einem Charakter im Spiel eine Abfuhr für eine Idee bekommen hat, dann doktert man nicht unbedingt mit weiteren Ideen herum, die dann vielleicht doch zu irgendwas führen.

Zum Glück gibt es mehrere Wege, die zielführend sind. So erkundeten wir uns durch die beiden nächsten Kapitel, ohne dass wir wirklich drin waren. Besser wurde es für uns erst im letzten Kapitel, das zwar ebenfalls nicht linear ist, aber durchaus handfester in der Art des Ablaufs. Hier konnte man sich endlich besser reindenken und nachvollziehen, was da gerade eigentlich passiert und welche konkreten Handlungsideen wir dabei für uns ableiten konnten. Die beiden vorherigen Kapitel waren eher ein Fischen im Trüben mit gelegentlichen Lichtblicken.

Adventure Games Vulkaninsel Material

Spannende Entscheidungen und Rätselfrust

Gut gefallen haben mir die Entscheidungen, die man an bestimmten Punkten treffen muss und die dann auch Auswirkungen auf die Story haben. Das gibt einen gewissen Reiz, das Abenteuer noch einmal zu spielen, und so auszuprobieren, welchen Lauf das Ganze dann nimmt. Was mir aber nicht gefallen hat, waren die Rätsel vor meiner Nase, die ich sozusagen angefangen hatte und bei denen ich das ganze Spiel über noch auf weitere Hinweise gewartet habe, um diese zu lösen. So hatten wir eine Karte im Inventar, die wir bis zum Ende nicht nutzen konnten, da uns noch eine Komponente gefehlt hätte. Wo diese zu finden ist, habe ich nicht herausfinden können und das hat mich schon sehr gestört, denn ich mag unerledigte Angelegenheiten nicht.

Verwirrung statt Aha-Erlebnis

Die Auflösung unserer Story fand ich ein wenig lieblos. Nach einem nicht packenden ersten Kapitel, zwei sich hinziehenden weiteren und einem ganz guten Abschluss hat uns der abschließende Eintrag doch ein wenig unbefriedigt zurückgelassen. Der mystische Touch, den das Abenteuer in den späteren Kapiteln erhält, war wohl ein Kniff zu viel. Auch die vielen Möglichkeiten und die recht offene Gestaltung der Wege, die man durch die Geschichte nehmen kann, führten bei uns oft zu Verwirrung und Frust. Da fehlte doch gelegentlich die klare Linie. Ich habe bei der Vulkansinsel das Gefühl, dass hier zu viel auf einmal gewollt wurde und dabei der Blick fürs Wesentliche verloren gegangen ist. Als kleine Hilfestellung gibt es von Kosmos mittlerweile eine Komplettlösung, die einen möglichen Weg darstellt, das Abenteuer zu spielen.

Das brauchte man in den vorherigen Adventure Games nicht, da hier die Hilfe in der App meiner Meinung nach besser funktioniert hat und man seinen Weg gut zu dem Punkt zurückverfolgen konnte, an dem man selbst im Abenteuer gerade war. Mit komplexeren Handlungssträngen blieb hier wohl die praktikable Hilfe ein wenig auf der Strecke. Hier muss ich leider auch die App kritisieren, denn diese hat in einem weiteren Punkt einen Rückschritt gemacht. In den ersten beiden Teilen hatte man jederzeit sowohl die Nummer des aktuellen Eintrags vor Augen, als auch die vorherigen gelesenen Einträge als Verlauf. Das hat uns unheimlich bei der Orientierung geholfen. Alleine im Fall, dass man das Spiel unterbrechen möchte, muss man sich die Nummer des aktuellen Eintrags notieren können und auch den Wiedereinstieg erleichtert es, wenn man die letzten paar Einträge noch einmal Revue passieren lassen kann.

Adventure Games: Die Vulkaninsel - App

Von Easter Eggs und gelegten Eiern

Auch erwähnen möchte ich die humoristischen Ansätze in der Vulkaninsel, die teilweise wirklich ein Schmunzeln in unsere Gesichter zaubern konnten. Allerdings ist ein bayerischer Akzent nur für begrenzte Zeit wirklich lustig. Easter Eggs und Anspielungen an die Popkultur haben mir persönlich da besser gefallen. An einigen Stellen wird auch Bezug auf die vorherigen Titel der Reihe genommen und man kann sogar Karten aus diesen nutzen. Das mag zwar nett gemeint sein, ist aber definitiv kein Muss. Der ein oder andere Spieler mag sich an den Stellen, wo diese Karten erwähnt werden ärgern, dass er sie aus diversen Gründen gerade nicht zur Hand hat. Sei es, weil er das Spiel nicht selbst besitzt, es gerade verliehen hat, gerade nicht bei sich zu Hause spielt oder aus anderen möglichen Gründen. Dieses ungute Gefühl bei einigen Spielern wird kaum durch das gute Gefühl derjenigen aufgewogen, die diese Karten gerade da haben. Diese hätten nichts vermisst, wenn diese Art der Verknüpfung mehrerer Stand-Alone-Titel nicht vorhanden gewesen wäre. Eine Anspielung auf andere Art und Weise, wie sie in Videospielen durchaus üblich ist, hätte bei mehr Spielern zu einem wehmütigen Lächeln durch die Erinnerung an die schöne Zeit mit den vorherigen Adventure Games geführt.

Nicht der beste Teil der Reihe

Und so muss mein Fazit diesmal auch leider so ausfallen, dass diese Wehmut durchaus berechtigt ist. Die Vulkaninsel kommt nicht an seine Vorgänger heran. Hier wurde zu viel versucht und manchmal ist weniger einfach mehr. Die etwas geradlinigen Abenteuer der Monochrome AG und Das Verlies wussten hier einfach mehr zu begeistern. Man hatte vielleicht nicht so viele Entscheidungsmöglichkeiten innerhalb der Story, aber man hat die Geschichte erlebt, ohne dabei ziel- und ratlos von Ort zu Ort zu laufen und etwas zu suchen, dass man übersehen hat und das einen dann doch weiter bringt. Wer bisher noch keines der Adventure Games gespielt hat, dem rate ich, zunächst Das Verlies zu spielen und bei Gefallen mit der Monochrome AG weiterzumachen. Vielleicht ist bis dahin auch der vierte Teil der Reihe Grand Hotel Abaddon erschienen und ihr könnt Die Vulkaninsel dann einfach überspringen.


Welches ist eurer liebster Teil der Adventure Games Reihe

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Das Spiel Adventure Games – Die Vulkaninsel ist bei Kosmos erschienen.

Adventure Games: The Volcanic Island (2019)
Spieler:
1 - 4
Dauer:
75 Min
Alter:
12+
BGG Rating:
6.3
Verlag:
Kosmos
BGG:

Für die Review wurde uns ein Rezensionsexemplar von Kosmos zur Verfügung gestellt.



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