Adventure Games: Die Monochrome AG & Das Verlies

Adventure Games: Die Monochrome AG & Das Verlies

Adventure Games RezensionWir haben mittlerweile ziemlich viele Spiele aus der Exit-Reihe von Kosmos gespielt. Ich liebe Rätsel und Deduktion, aber in einer Sache mussten die Exit-Spiele fast immer Kritik einstecken: Die Story dahinter war meist recht dünn. Das soll bei den Adventure Games von den beiden Autoren Matthew Dunstan und Phil Walker-Harding nun anders sein. Gleiche Schachtelgröße wie Exit, ähnliches Design, aber inhaltlich mit einem komplett anderen Fokus. Die ersten beiden Abenteuer Die Monochrome AG und Das Verlies kamen nun bei uns auf den Tisch und wir möchten euch berichten, wie wir diese erlebt haben.

Eine App steht euch zur Seite

Viel vorbereiten müsst ihr eigentlich nicht und wieso das so ist, hat mit einem unserer Meinung nach großen Pluspunkt der Reihe zu tun: Es gibt eine App. Ja, wir hören sie sofort wieder, die Kritiker, die ja keine Elektronik am Spieltisch haben wollen. Aber bei den Adventure Games hat die App gleich mehrere sinnvolle Funktionen. Zum einen wird euch in Bild und Ton Schritt für Schritt erklärt, wie ihr das Spiel aufbaut und wie es gespielt wird. Das Regelheft tut ohne Zweifel dasselbe, allerdings hat uns diese einfache und schnelle Möglichkeit ins Spiel einzusteigen, sehr gut gefallen. Ein großer Pluspunkt ist auf jeden Fall, dass alle am Spieltisch diese Erklärung mitverfolgen und nicht einer die Regeln lernen und erklären oder vorlesen muss.

Adventure Games: Erklär App

Vorlesen ist ein gutes Stichwort: Im Herzen sind die Adventure Games eine Art Abenteuerbuch gepaart mit ein paar Brettspiel-Elementen. Es gibt ausliegende Karten eines Ortes mit Nummern und Symbolen, die ihr mit euren Spielfiguren erkunden könnt. Jeder dieser Stellen ist ein Abschnitt im beiliegenden Abenteuerbuch zugeordnet. Ihr blättert also theoretisch viel im Buch hin und her und lest die entsprechenden Abschnitte vor. Bei Orten ist das noch nicht so schlimm. Allerdings könnt ihr auch Gegenstände finden, die mit Nummern versehen sind und dann aus dem Kartenstapel herausgesucht werden. Diese Gegenstände können miteinander verwendet werden, indem die Zahlen der Karten kombiniert werden. Und hier wird das Blättern im Abenteuerbuch heikel. Zwar soll man sich nichts anschauen, wonach man gerade nicht sucht, aber das Suchen an sich bringt es einfach mit sich, dass das Auge nun mal an der ein oder anderen Kombination hängen bleibt und man so bereits gespoilert wird, was da noch so kombiniert werden kann.

Zum Glück bietet euch hier die App ebenfalls eine Möglichkeit, das zu umgehen. Ihr könnt euch nämlich jeden Abschnitt des Abenteuerbuchs vorlesen lassen. Dazu könnt ihr ganz einfach die gesuchten Abschnitte eingeben. Der Sprecher liest dann sogar recht stimmungsvoll die Passage, ohne dass ihr lange suchen müsst oder über etwas stolpert, was ihr lieber nicht gelesen hättet. Ihr habt sogar einen Verlauf, mit dem ihr euch Abschnitte nochmal anhören könnt oder ihr könnt diese auch überspringen, falls ihr nur auf der Durchreise zu einem anderen Abschnitt seid.

Adventure Games: App

Obwohl Kosmos die Adventure Games ja eher als Point-and-Click Abenteuer vermarktet, haben wir die Spiele eher als eine Art interaktives Hörbuch erlebt. Dabei haben wir uns tief in die Geschichte reingezogen gefühlt. Unsere Erlebnisse mit den beiden ersten Teilen waren jedoch recht unterschiedlich, daher möchten wir hier nochmal gesondert auf jeden Titel eingehen.

Die Monochrome AG

Adventure Games: Die Monochrom AG - CoverDen Anfang machte bei uns Die Monochrome AG und es galt, in ein Firmengebäude einzudringen und dort Beweise zu sammeln. Spannendes Thema, mal einbrechen zu müssen und nicht irgendwo eingesperrt zu sein. Und wie sich im Verlauf des Spiels herausstellte, war die Altersangabe auf der Schachtel wegen des Themas auch durchaus gerechtfertigt. Es ist ein sehr erwachsendes Spiel mit für Kinder eher unpassenden und nicht so leicht verdaulichen Inhalten.
Jeder Mitspieler verkörpert ein Mitglied eurer kleinen Eingreif-Truppe und trägt seinen Teil zum Erfolg der Mission bei. Als Hacker, Einbrecher oder sonstiger Spezialist im Team macht es an einigen Orten mehr Sinn, etwas Bestimmtes zu untersuchen als für einen anderen. Wir möchten außerdem vermeiden, Alarm auszulösen. Da wir keine Aufmerksamkeit erregen möchten, mussten wir schon genau überlegen, was wir tun und es gab die ein oder andere unangenehme Überraschung beim Erkunden.

Wenn Spieler gespielt werden und andere unangenehme Überraschungen

Eine Überraschung war sogar so unangenehm, dass sie für Jan das gesamte Abenteuer als Erlebnis überschattet. Er hat sich extrem darüber geärgert, dass das Spiel an einer Stelle für ihn entschieden hat, was bei der Untersuchung eines Gegenstandes im Raum passiert. Er selbst hätte in der Situation nie entschieden, so zu handeln und hat sich deshalb über die extrem negativen Folgen sehr geärgert. Es passiert beim Erkunden der Stellen also nicht immer das, was man erwarten würde. Meistens ist das eher positiv, da etwas passiert, was einen wirklich weiter bringt. In diesem Fall war es allerdings eine eher kontraproduktive Aktion, die wir nicht haben kommen sehen.

Natürlich ist das kein Weltuntergang gewesen, wir haben das Abenteuer trotzdem erfolgreich beendet. Aber sowas bleibt im Gedächtnis. Auch in Filmen regt man sich ja durchaus darüber auf, wenn der Protagonist etwas wirklich sau dämliches macht. Das ist unlogisch und ein ganz schlechter Stil. Daher gibt es bei uns für die Monochrom AG einen Abzug in der B-Note, denn das tut man einfach nicht. Gerade in einem Spiel, bei dem die Entscheidung, in welche Richtung man geht, was man tut und wie die Geschichte voranschreitet im Vordergrund steht, ist das sehr enttäuschend und lässt Spieler frustriert zurück.

Insgesamt erzählt die Monochrome AG jedoch eine spannende Story, die mit nicht allzu schweren Rätseln gespickt ist und auch eine Prise Humor aufweist. Der kleine Wermutstropfen ist aber leider immer mit dabei und wird uns auch im Gedächtnis bleiben. Trotzdem hat es uns natürlich nicht davon abgehalten, auch den zweiten Teil zu spielen.

Adventure Games Monochrom Figuren

Das Verlies

Adventure Games: Das Verlies - CoverBeim Verlies hatten wir dann unsere große Tochter mit dabei. Sie ist 12 und hatte gesehen, dass wir den vorherigen Tag intensiv mit der Monochrome AG verbracht hatten. Sie wollte also auch mal dabei sein und da beim Abenteuer Das Verlies die Altersangabe auch passte, haben wir natürlich nicht nein gesagt. Wir erwachten also zu dritt in einer Zelle und mussten uns erst einmal umsehen. Wir Eltern hatten diese Situation natürlich bereits mehr als einmal auf spielerische Art erlebt und wussten genau, was zu tun ist. Aber auch unsere Tochter war gleich vom Erkundungs-Fieber gepackt.

Neu ist, dass die Charaktere Lebenspunkte haben. Wie viele jeder einzelne erhält, hängt von der Anzahl der Mitspieler ab. Mit weniger Spielern kann man sich durch mehr Punkte pro Figur genauso viele Fehltritte erlauben, wie in der Maximal-Besetzung. Das hat uns ganz gut gefallen, denn man kommt schon ins Grübeln, wenn man andauernd falsche Entscheidungen trifft und dafür auf die Mütze bekommt. Seltsamerweise hat das immer nur mich getroffen.

Nicht verloren im Verlies dank Hilfesystem

Im Laufe der Partie mussten wir außerdem das ein oder andere Mal auf das hervorragende Hilfesystem zurückgreifen. Bei der Monochrom AG war das nicht nötig gewesen. Entweder der Schwierigkeitsgrad ist hier etwas höher angesetzt oder für uns war an einigen Stellen der rote Faden einfach nicht so erkennbar.

Okay, die Meinungen über die Qualität des Hilfesystems sind bei uns gespalten, aber ich möchte kurz erklären, wie es funktioniert und wieso ich persönlich es gut finde. Falls ihr einmal stecken bleibt, könnt ihr euch in der App über die Karten- oder die Ortsnummer Hilfe holen. Ihr bekommt dabei zunächst keine direkte Lösung angeboten, sondern die App gibt euch Hinweise, was benötigt wird, um mit der entsprechenden Karte weiter zu kommen. Habt ihr eine der benötigten Karten nicht, schaut ihr nach, was ihr hierfür braucht und so weiter. Irgendwann kommt ihr zu der Stelle, ab der ihr euch dann im Spiel wieder vorwärts hangeln könnt. Das ist insofern ein cleveres System, als es schwierig ist, für ein so offenes Spielkonzept Hilfe anzubieten, die den Spielern auch wirklich etwas bringt. Bei anderen Escape-Spielen steht man oft genug auf dem Schlauch und kommt oft selbst mit der Hilfe nicht weiter. Hat man das Prinzip bei den Adventure Games erst einmal verstanden, ist es wirklich sehr hilfreich, denn es gibt tatsächlich zu jeder einzelnen Situation die passende Hilfe. Dank der App muss hier auch kein umfangreiches Heft beigelegt werden und die Navigation zwischen den einzelnen Einträgen ist denkbar einfach.

Insgesamt hatten wir ein schönes Spielerlebnis im Verlies. Die zeitliche Einteilung der Kapitel ist hier besser gelungen, als bei der Monochrome AG. Unserer Tochter hat es ebenfalls Spaß gemacht und allein die Tatsache, dass sie bis zum Schluss dabei war, zeichnet das Spiel schon als besonders aus. Bei der Geschichte hat man sich Mühe gegeben, etwas abseits der Stereotype zu denken und Twists einzubauen. Bis auf die Längen, in denen wir durch Ahnungslosigkeit geglänzt haben, war das Verlies für uns ein gelungenes Erlebnis.

Adventure Games Verlies Figuren

Neue Abenteuer erwarten uns

Insgesamt hinterlassen beide Spiele bei uns einen sehr positiven Eindruck. Es tut gut, mal nicht unter Zeitdruck zu stehen und sich ganz auf die Geschichte konzentrieren zu können. Das hat uns tatsächlich bei den Exits manchmal gefehlt. Was nicht so gut gelungen ist, sind manche Regeln, die uns einfach unnötig erscheinen. So kann man Gegenstände bei der Monochrome AG laut Anleitung nur dann tauschen, wenn man sich auf der selben Ebene befindet. Allerdings ist das wiederum ja nur eine Zeitfrage, und da Zeit keine Rolle spielt, kann man auf die unnötigen Hin- und Her-Bewegungen auch gleich verzichten. In 99,9% aller Fälle gibt es nichts, was einen am Tauschen von Gegenständen hindern könnte. Mir erscheinen diese Regeln eher darauf abzuzielen, dass die Spieler mehr miteinander agieren, als dass sie etwas wirklich reguliert. Im Verlies ist diese Regel zum Glück rausgelassen worden. Die Nutzung des Fahrstuhls in der Monochrome AG ist ebenfalls so ein Beispiel, wo ein eigentlich einfacher Vorgang kompliziert ausgedrückt wird. Das sind für mich allerdings eher Nebensächlichkeiten, die ich auch einfach ignorieren kann, ohne dass sie mein Spielerlebnis verändern. Die Adventure Games Reihe ergänzt das bestehende Programm bei Kosmos sehr gut und wir werden die nächste angekündigte Box Die Vulkaninsel auf jeden Fall auch spielen. Für einen verregneten und schmuddeligen Herbst- oder Winterabend ist das genau das Richtige.

Wer noch ein paar weitere Infos zu den Adventure Games möchte, der kann auch noch in Folge 30 unseres Brettspiel-Podcasts RheinGespielt reinhören, wo wir ausführlich über unser Erlebnis berichten.


Die Adventure Games sind auf Deutsch bei Kosmos erschienen.

Adventure Games: The Dungeon (2019)
Spieler:
1 - 4
Dauer:
75 Min
Alter:
12+
BGG Rating:
7.53
Verlag:
Kosmos
BGG:
Adventure Games: Monochrome Inc. (2019)
Spieler:
1 - 4
Dauer:
75 Min
Alter:
16+
BGG Rating:
7.35
Verlag:
Kosmos
BGG:

Für die Rezension stand uns mit Adventure Games – Monochrome AG ein kostenloses Exemplar zur Verfügung.


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2 Replies to “Adventure Games: Die Monochrome AG & Das Verlies”

  1. Hallo, schöne Vorstellung der Spiele – vielen Dank!
    Ich selbst habe nur “Das Verlies”.
    Ein Anmerkung:
    In der Anleitung steht, dass man die Karten jederzeit miteinander tauschen kann, man muss nicht zusammen an einem Ort sein (Seite 6, Mitte). Aber vielleicht ist das bei der “Monochrome AG” anders, vielleicht muss man auf dem gleichen Stockwerk sein?

    1. Hallo Calwer,
      danke dir für dein Feedback! Ja genau, man muss bei der Monochrome AG laut Anleitung auf der selben Ebene sein. Das haben wir recht schnell ignoriert, da es genau wie im Verlies auch gehandhabt werden kann. Ich stelle das nochmal im Artikel klar.
      Liebe Grüße
      Jasmin

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