Brettspiele in der Spieleschmiede: Die Verteidigung von Procyon III

Brettspiele in der Spieleschmiede: Die Verteidigung von Procyon III

Die Verteidigung von Procyon III Brettspiel Cover

Normalerweise widmen wir uns an dieser Stelle eher Spielen, die auf Kickstarter ihre Unterstützer suchen. Doch heute werfen wir den Blick gar nicht so weit in die Ferne und bleiben auf heimischem Boden. Völlig überraschend startete vor ein paar Wochen in der Spieleschmiede die Kampagne zu Die Verteidigung von Procyon III.

Ich hatte zwar schon von dem Spiel gehört, allerdings nur vom Autor Dávid Turczi persönlich, als er Jasmin und mir stolz im Jahr 2019 in Essen erklärte, dass er es ja liebe Euro-Games in allen möglichen thematischen Spielen zu verstecken.

Dieses Talent oder diese Lebensaufgabe konnte man schon in Anachrony oder auch in der Erweiterung zu Trickerion bewundern, bei dem sich hinter dem magischen Vorhang ein knallhartes Worker-Placement-Spiel versteckt. Oder im kommenden Perseverance werden ihr nicht nur auf einer Insel ums Überleben kämpfen, sondern euch gleichzeitig auch den dort lebenden Dinosauriern stellen dürfen. Aber auch hier gilt wieder: Es ist ein Euro-Worker-Placement-Brettspiel in einem anderen Gewand.

Nun soll also Die Verteidigung von Procyon III auf Deutsch erscheinen. Wie gut, dass man das Spiel schon einmal virtuell ausprobieren kann und noch besser, dass mir Florian von Taverna Ludica Games zu Seite stand und mir das Spiel näherbringen konnte.

Das macht man bei Die Verteidigung von Procyon III

Okay, eins muss ich gleich an den Anfang stellen: Die Verteidigung von Procyon III ist ein Brettspiel, bei dem die Konfrontation Programm ist. Auf dem Planeten Procyon III haben die Menschen Fuß gefasst. Doch bevor sie auf der Veranda die Füße hochlegen können und den Feierabend genießen können, werden sie von einer Alien-Sreitmacht angegriffen. Der Grund für den Angriff ist nicht, dass die Menschen sich hier breit gemacht haben. Der Grund sind die Überreste bzw. die Artefakte einer schon längst ausgestorbenen Alien-Zivilisation und auf diese Artefakte sind eben nicht nur wir Menschen scharf, sondern auch die Aliens.

Also heißt es kämpfen, denn die Diplomatie-Phase hat man einfach übersprungen. Dabei findet der Kampf nicht nur auf dem Boden statt. Auch im All treffen die unterschiedlichen Streitkräfte aufeinander. Und dieser Konflikt könnte nicht unterschiedlicher sein. Denn eigentlich besteht Die Verteidigung von Procyon III nicht aus einem Spiel, sondern es sind vier Spiele in einer Box. Mit jeweils zwei unterschiedlichen Spielplänen.

Dies geht sogar so weit, dass die Ziele für jede Fraktion anders sind. Die Aliens müssen versuchen, mit ihren Massen an Einheiten, die Stadt zu stürmen und die dortigen Wissenschaftler auszuschalten, was zu einem Moral-Verlust unter den Menschen führen würde. Die Menschen müssen einfach nur überleben, um dann die kostbaren Wissenschaftler zu evakuieren. Dazu muss es natürlich einen Fluchtkorridor im All geben, der vom Spieler der menschlichen Flotte freigehalten werden muss. Das Ziel für den Alien-Spieler ist hier natürlich auch klar: verhindern, dass die Menschen entkommen können und das erreicht er durch das Dezimieren der menschlichen Flotte.

Die Verteidigung von Procyon III Brettspiel Inhalt

Die Fraktionen der Menschen im Detail

Wie ich ja schon erwähnte, befinden sich eigentlich 4 Spiele in der Schachtel. Und jedes spielt sich komplett anders. Wer jetzt an asymmetrische Fraktionen wie in Root denkt, der liegt vollkommen richtig. Allerdings geht Die Verteidigung von Procyon III noch einen Schritt weiter, da selbst die Kämpfe der Einheiten untereinander anders ablaufen. Zumindest diese grundlegenden Regeln waren in ROOT für alle Fraktionen gleich.

Die Fraktion der menschlichen Bodeneinheiten wird die Expedition genannt und funktioniert über das Ausspielen von Karten und dem Aktivieren von Helden. Von diesen befinden sich gleich vier auf dem Planeten und auch diese sind natürlich vollkommen verschieden. Als Erstes spiele ich also eine Karte aus, was einem meiner Helden eine Sonderaktion durchführen lässt oder einfach nur den Schaden, den eine Einheit austeilen kann, erhöht. Dann sind eure normalen Einheiten dran und die Karten, die ihr dann ausspielt, geben durch ihre Symbole einfach nur an, wie viele Aktionen ihr in einer Runde durchführen kann.

Die Menschen im All nutzen auch Karten für ihre Bewegungen und Aktionen, allerdings wiederum ein wenig anders. Denn insgesamt hat die Armada drei verschiedene Schiffstypen und die Karten, die ich ausspiele, entscheiden darüber, welche dieser Einheiten ich überhaupt bewegen darf. Somit ist es für den Armada-Spieler nicht immer möglich, wirklich alle seine Einheiten zu nutzen. Die Schiffe mit den dicken Wummen können vielleicht einfach nicht bewegt werden, weil die Karten fehlen. Der Bonus der Armada ist eine Technik, die sie in jeder Runde ausspielen und diese schwächt wiederum den Alien-Spieler im All. Gleichzeitig muss der Armada Spieler auch noch Marines auf den Planeten bringen und die besagten Wissenschaftler beschützen.

Die Verteidigung von Procyon III Brettspiel Menschen

Die Fraktionen der Aliens im Detail

Auch der Alienspieler, bekannt als Kriegsherren, nutzt Karten für seine Aktionen. Aber natürlich macht er dies auf eine andere Art und Weise. Er spielt die Karten aus, um damit einzelne Bezirke zu aktivieren. Und Aktivieren bedeutet in diesem Falle angreifen oder bewegen. Möchte er nicht die Karte aktivieren, hat der Spieler auch noch die Möglichkeit, ein Tableau mit vordefinierten und starken Aktionen zu nutzen. Allerdings ist eine Aktion, die ich vom Tableau nutze, erst einmal weg. Also muss ich etwas mehr haushalten und auf den richtigen Zeitpunkt warten. Besonders fies bzw. cool: Als Alienspieler könnt ihr neue Truppen aus den Gefallenen der Menschen rekrutieren. Denn während bei den Menschen alles begrenzt ist und was gefallen ist, ist weg, scheinen die Aliens unendlich viel Nachschub zu haben.

Was jetzt noch fehlt sind Würfel! Und auch diese finden sich wieder. Als Former, das sind die Alienschiffe im All, nutzt ihr nämlich Würfel um zu bestimmen, welche Aktionen ihr überhaupt nutzen könnt. Diese würfelt ihr einmalig und dann müsst ihr damit leben. Und auch hier heißt es wieder Unmengen an Schiffen zu generieren, um so den Feind zu überrollen. Allerdings könnt ihr die Menschen nicht direkt angreifen, da die Schilde ihrer Schiffe einfach unüberwindbar sind. Diese müsst ihr erst einmal schwächen, in dem ihr Sporen erschafft.

Die Verteidigung von Procyon III Brettspiel Alien

Das bekommt ihr in der Spieleschmiede

Eigentlich ist die Kampagne recht überschaubar. Für 99 EUR inkl. Versand in Deutschland bekommt ihr einmal das Grundspiel Die Verteidigung von Procyon III. Später soll das Spiel dann bei 110 EUR liegen, wenn ihr nicht bei der Kampagne einsteigen wollt. Wer sein Spiel noch einmal etwas verschönern möchte, der kann sich auch noch ein Miniaturen-Pack dazu holen, was aber auch wirklich nur optische Änderungen bietet und keinerlei spieltechnische Auswirkungen hat. Und das war es auch schon. Also im Grunde einmal ein Spiel und das reicht ja auch. Kein unnötiges Beiwerk, was ihr am Ende eh niemals auf den Tisch bekommt.

Die Lieferung ist für Oktober 2021 geplant.

Die Verteidigung von Procyon III Brettspiel Fraktionen

Fazit

Als mich Florian von Taverna Ludica Games zu einer Partie Die Verteidigung von Procyon III eingeladen hat, brauchte ich erst einmal ein paar Augenblicke. Denn ich mag zwar Dávid Turczi, aber irgendwie reizte mich das Spiel überhaupt nicht. Also musste ich weiter recherchieren und das was ich fand, machte es auch nicht einfacher für mich: ein asymmetrisches Spiel mit vier Fraktionen, sollte es ja sein. Ich dachte daran, dass es vielleicht eher wie ein Star Wars Rebellion ist, wo der 4 Spieler Modus nicht taugt. Dazu noch der Hinweis, dass man sich für seine erste Partie nur eine Fraktion anschauen sollte, weil es ansonsten zu komplex sein könnte. Als ich dann Florian zusagte, waren die Erwartungen also nicht besonders hoch, vielleicht schwang auch ein wenig Angst mit.

Doch eine Partie später sind meine Zweifel und das klein wenig Angst verflogen. Denn obwohl es unheimlich viel Spiel ist, ist es nicht sperrig. Meine Aktionen kann ich sehr gut nachvollziehen, auch dank der beiliegenden Kurzübersicht und es spielt sich erstaunlich schnell und flüssig, wenn ich erst einmal mit den Aktionen vertraut bin. Allerdings brauche ich auch einen Überblick über die anderen Fraktionen, da komm ich nicht drumherum. Ich muss zwar nicht den gesamten Ablauf meiner Gegner kennen, aber was ihre Ziele sind, ist dann schon wichtig. Und das schafft natürlich erst einmal eine große Einstiegshürde, die es zu bewältigen gibt. Das ist dann recht ähnlich zu einem Tsukuyumi, was auch erst einmal einen gewissen Erklärungsbedarf braucht. Aber dieser ist im direkten Vergleich viel geringer. Bei Die Verteidigung von Procyon III komme ich viel schneller ins Spiel. Theoretisch kann ich dank der Kurzübersicht auch einfach loslegen. Das wird zwar die erste Partie recht chaotisch gestalten und ich bin weit weg von gut gespielter Taktik, aber ich komme halt auch einfach schnell ins Spiel.

Also unterm Strich ein Klasse Spiel oder? Nicht ganz. Ich hatte eine zwei Personen Partie gespielt und das hat mir auch richtig Spaß gemacht. Und meine Befürchtungen, dass es wie bei Star Wars Rebellion nur noch aufgesetzte Spielmodi für mehr Spieler gibt, sind auch zerstreut worden. Egal ob im 2er Spiel, wo ich zwei Fraktionen spiele oder im 3er Spiel, wo einer von euch dann einfach auch 2 Fraktionen spielt und die anderen jeweils eine. Und dass das dann auch zu viert funktioniert ist ja klar. Ihr braucht für dieses Spiel die richtige Gruppe, die sich darauf einlässt. Einfach mal rausholen und mal so ne Partie spielen, wird dem Spiel nicht gerecht.

Die Verteidigung von Procyon III Brettspiel Plan

Auch die Downtime könnte zu einem Problem werden, schon im 2er Spiel muss ich mal ne längere Durststrecke hinnehmen, während mein Gegenüber seine Züge macht. Diese Zeit kann ich zwar nutzen, um mir meine nächsten Züge zu überlegen. Aber in vielen Situationen kann ich meinen Zug erst dann wirklich durchführen, wenn ich weiß, was mein Gegner gemacht hat. Stehen meine Einheiten dann überhaupt noch? Da kann ich die Downtime noch so sehr vorausplanen, entschieden und wirklich gedacht, wird eben erst, wenn ich dran bin. Das solltet ihr natürlich im Hinterkopf behalten, wenn ihr euch für das Spiel interessiert.

Unterm Strich hat mir Die Verteidigung von Procyon III sehr gut gefallen. Die wirklich gut ausgearbeiteten Fraktionen, die unterschiedlichen Mechanismen, das Einstellen auf neue Situationen, sei es durch das Spielgeschehen auf den Spielplänen oder durch die Aktionen, die mir durch die Würfel bzw. Karten vorgegeben werden, hat mir einfach Spaß gemacht. Und über allem schwebt dieses Gefühl, als ob man eigentlich nicht gewinnen kann. Aber dieses Gefühl herrscht eben auf beiden Seiten des Tisches. Und oft genug flucht der eine über die Aktionen des Anderen. Und da bin ich wieder bei Dávid – ich kann überall ein Euro-Game reinpacken – Turczi, er hat es wirklich geschafft. Ja, in Die Verteidigung von Procyon III finden sich klassische Elemente mehrerer Euro-Games. Aber wie er diese miteinander verstrickt hat, dass daraus ein Emotionen-Geladenes-Konfliktspiel geworden ist, finde ich einfach nur bemerkenswert. Hut ab Dávid!

Link zur Kampagne von Die Verteidigung von Procyon III

Die Kampagne läuft noch bis zum 11.05.2021.


Wenn ihr immer auf dem Laufenden sein wollt, könnt ihr auf unserem Blog wöchentlich Previews zu aktuellen Kickstarter Kampagnen lesen, sowie euch auf unserer laufend aktualisierten Seite über aktuelle Crowdfunding-Projekte informieren.

One Reply to “Brettspiele in der Spieleschmiede: Die Verteidigung von Procyon III”

  1. Schöner Artikel, sehe ich ganz ähnlich! Wir haben es ja auch gespielt und finden es ziemlich gut. Die Downtime fand ich allerdings nicht so schlimm. Bei mir als Aliensspieler im All war es so, dass ich beim Zug der Aliens am Boden mitgefiebert habe und auch überlegt habe, wie ich in meinem Zug unterstützen kann. Im Zug des Alienspielers im All muss ich aufpassen, weil es mein direkter Gegenspieler war. Bleibt der Zug der Menschen am Boden, wo ich meinen Zug geplant habe. Danach war ich dann auch schon dran. Die ersten drei Runden ist die Spielzeit beim ersten mal halt schon extrem,. danach ging es aber recht flott von der Hand.

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