Fairy Tile – Erzähl mir Was als Brettspiel

Fairy Tile – Erzähl mir Was als Brettspiel

Fairy Tile CoverEs war einmal ein Königreich, in dem allerlei kuriose Dinge geschahen und alle hatten mit einer Prinzessin, einem Ritter und einem Drachen zu tun: Die Falle für den Drachen Draxor ist bereit. Jetzt muss Ritter Ulrich nur noch warten, bis das Untier am großen Fluss landet. Doch im nächsten Moment wird Prinzessin Flora völlig unerwartet von Piraten entführt. Aber keine Angst! Ritter Ulrich wird furchtlos den Berg besteigen, um sie zu befreien, das hat er schließlich dem König versprochen. Das muss gleich gewesen sein nachdem er Flora geheiratet hatte. Ähm, moment. Da stimmt doch was nicht…

Fairy Tile nimmt euch mit ins Märchenland. In dem Legespiel von den Autoren Matthew Dunstan und Brett J. Gilbert aus dem Hause IELLO nicht mit- sondern gegeneinander eine Geschichte zu erzählen. Wer von den zwei bis vier Spielern zuerst sein Märchenbuch fertig erzählt hat, das aus verschiedenen Abschnitten einer Geschichte in Form von Aufgaben besteht, gewinnt. Und sie lebten glücklich bis an ihr Ende. Oder so ähnlich… Natürlich passiert noch etwas mehr, als dass ihr nur Text von Karten vorlest. Was euch aber zuerst auffallen wird, ist die tolle Aufmachung des Spiels. Und wenn IELLO eines kann, dann Spiele machen, die hübsch aussehen. Für die hervorragenden Illustrationen ist im vorliegenden Spiel Miguel Coimbra verantwortlich, der unter anderem auch 7 Wonders und Smallworld Leben eingehaucht hat.

In einem Königreich weit, weit entfernt… Geschichten erzählen leicht gemacht

Als Familienspiel ab 8 Jahren sind die Regeln für Fairy Tile sehr überschaubar und schnell zu lernen. Eure Hauptaufgabe ist es, die Geschichte der Prinzessin Flora, des Ritters Ulrich und des Drachens Draxor zu erzählen. Der Stapel an Geschichten-Karten wird hierfür gleichmäßig an alle Mitspieler verteilt. Jeder darf sich nun die oberste Karte seines verdeckten Stapels ansehen. Neben einer wunderschönen Illustration findet ihr auf den Karten eine Aufgabe, die Teil der Geschichte der drei Protagonisten ist und die ihr erfüllen sollt. Das kann zum Beispiel sein, dass sich die Prinzessin und der Drache im Wald treffen müssen.

Baue dein Königreich in Fairy TileDas Königreich, in dem die Geschichte spielt, besteht aus Teilen, die jeweils aus drei sechseckigen Gebieten bestehen. Das können Schlösser, Ebenen, Gebirge oder eben auch Wälder sein. Durch diese Gebiete kann auch noch ein Fluss fließen, der dann auf den Teilen abgebildet ist. Beim Spielaufbau legt ihr drei solcher Startteile zusammen. Auf ihnen ist auch der Startpunkt für die drei Protagonisten markiert.

Um deine Aufgabe zu erfüllen, kannst du in deinem Zug entweder eine der Figur auf den Gebieten des Königreichs bewegen oder aber ein neues Gebietsplättchen anlegen. Keiner hat bei Fairy Tile seine eigene Figur, sondern jeder spielt mit allen Figuren. Willst du ein Plättchen anlegen, musst du darauf achten, dass mindestens zwei Kanten die bereits liegenden Plättchen berühren. Außerdem dürfen Flüsse nicht abgeschnitten werden.

Wo geht’s hier bitte zum Drachenberg? – Jetzt kommt Bewegung in die Geschichte

Möchtest du eine Figur bewegen, so musst du dich an die Regeln für die jeweilige Figur halten. Der Drache fliegt immer nur geradeaus und zwar bis zum Rand des ausgelegten Spielfelds. Die Prinzessin darf immer nur ein Feld weiter gehen. Wenn du möchtest, kann sie entweder davor oder danach auch noch von einem Schloss zum anderen springen. Der Ritter wiederum kann zwei Felder weit laufen. Er darf dabei aber weder auf das Startfeld zurück, noch auf eines der daran angrenzenden Felder. Das klingt komplizierter als es ist und lässt sich schnell merken.

Wenn du eine dieser beiden Aktionen ausgeführt hast, überprüfst du, ob du deine Aufgabe erfüllt hast. Es gibt drei Arten von Aufgaben: Besuchen, Treffen oder Sehen. Wenn sich also die Prinzessin und der Drache im Wald treffen sollen, müssen sie gemeinsam auf dem selben Wald-Feld stehen. Außerdem musst du in deiner Aktion eine der beiden Figuren auch bewegt haben. Es gilt also nicht, wenn sie zuvor von jemand anderem dorthin gestellt wurden. Mit den Besuchen-Aufgaben ist es ähnlich. Hierfür musst du ebenfalls die Figur, die ein Gebiet besuchen soll, in deinem Zug bewegt haben. Die Sehen-Aufgaben sind eine Ausnahme. Hier musst du nicht unbedingt eine Figur bewegt haben. Du kannst in deiner Aktion also auch ein Plättchen angelegt haben.

Und das Anlegen von Plättchen kann sehr wichtig werden, da manchmal z.B. ein großer Wald (mindestens drei zusammenhängende Waldgebiete) oder auch ein großer Fluss (fließt durch mindestens fünf Gebiete) verlangt wird. Diese Aufgaben gehören dann zu den eher schwierigeren, die meistens nicht mit einem Zug zu lösen sind.

Schließlich könnt ihr Aufträge auch ablegen und einen neuen Auftrag ziehen, wenn ihr dafür auf eure Aktion verzichtet. Als Ausgleich bekommt ihr dann einen Doppelzug, den ihr einsetzen könnt, wann ihr möchtet.

Fairy Tile Märchen Karten

Fairy Tile: Märchenhaft schön und mechanisch verzwickt

Eines lässt sich nicht bestreiten: Fairy Tile ist mit so wunderschönen und hochwertigen Komponenten ausgestattet und hat so hübsche Illustrationen, wie kaum ein anderes Spiel. Bereits bei der ersten Meldung von IELLO zum Spiel, hatte ich mich sofort in die Optik verliebt. Jede der 36 Karten des Märchenbuchs hat eine eigene Illustration passend zur Geschichte. Und nach dem Auspöppeln der Geländeteile will man noch nicht mal die Stanzrahmen wegwerfen, denn sogar die sehen dann noch schön aus. Aber die Optik alleine macht ein Spiel noch lange nicht zu einem guten Spiel. Wie spielt sich also Fairy Tile?

Abzüge in der B-Note

Die Antwort lautet: Durchwachsen. Wir hatten durchaus unseren Spaß damit. Es hat aber auch seine Probleme. Zunächst einmal sind die Aufgaben sehr unterschiedlich in ihrem Schwierigkeitsgrad und wer wann welchen Aufgabe erfüllen muss, unterliegt schlicht und einfach dem Zufall. So sind die Sehen-Aufgaben einfacher am Anfang der Partie zu erfüllen, wenn das ausgelegte Königreich noch nicht so groß ist. Aufgaben mit dem Drachen werden ebenfalls zunehmend schwieriger, wenn sich das Königreich ausdehnt. Durch seine Bewegungsart, die nur am Rand der Spielfläche stoppt, wird es immer schwieriger, gezielt bestimmte Gebiete anzusteuern.

Zwei sind einer zu wenig

Fairy Tile nicht zu zweitAm besten funktioniert Fairy Tile unserer Erfahrung nach mit 4 Spielern. Je weniger Spieler dabei sind, desto schlechter funktioniert die Mechanik. Bei zwei Spielern kommt es sehr häufig vor, dass beide die selbe Figur bewegen müssen, aber eben in entgegengesetzte Richtungen. So rückt einer die Figur von A nach B und der anderen wieder von B nach A. Das wiederholt sich, da keiner von beiden nachgeben möchte. Wir haben festgestellt, dass im Zweispieler-Spiel meistens derjenige gewinnt, der sich durchsetzen konnte.

Nun ist ja der Doppelzug dazu gedacht, den Spielern einen Ausgleich für ungünstig gezogene Aufgaben und bieten, die sie austauschen. Allerdings ist die vorherige Aufgabe dann erst mal weg. Die werden nämlich unter den Stapel geschoben und kommen so erst am Ende der Partie wieder hervor. Eine Garantie, ob die nächste Aufgabe einfacher zu lösen ist, gibt es aber nicht. Ein Doppelzug kann allerdings solche Pattsituationen auflösen, wo man sich nur hin und her bewegt. Wenn man allerdings mehr als zwei Bewegungen braucht, um eine der Figuren an den benötigten Ort zu bringen, wird es schon schwierig. Und das ist gegen Ende einer Partie bei entsprechend großer Spielfläche gar nicht mehr so unwahrscheinlich. Da kann man schon mal fünf oder mehr Züge benötigen, um den Drachen irgendwo hin zu bekommen. Wenn der zwischendurch von einem anderen Spieler woanders hin gezogen wird, kann man mit der ausgeklügelten Flugstrecke oft wieder von vorne anfangen. Das sind die Momente, die bei Fairy Tile frustrierend sind.

Komische Situationen und das richtige Alter

Aber natürlich ist nicht alles schlecht. Der Aufforderungscharakter ist durch die niedlichen Figuren sehr groß. Nicht nur unsere Kinder hatten Spaß mit Fairy Tile. Auch unter den erwachsenen Mitspielern konnten einige gar nicht genug bekommen. Zwar wird die Geschichte der Karten während des Spiels nicht in der richtigen Reihenfolge erzählt, aber genau das sorgte immer wieder für spaßige Momente. Hier wurde versucht, eine Geschichte um die Teile der eigentlichen Geschichte herum zu erzählen. Manchmal klappt das ganz gut, manchmal auch nicht. Allerdings ist Fairy Tile kein echtes Erzählspiel. Dafür sind die aus dem Kontext gerissenen Einzelteile dann doch zu konfus.

Fairy Tile StanzteileDie Alterskennzeichnung ab 8 Jahren rückt das Spiel in die Reihe der Familienspiele. Kinder sollten jedoch bereits gut genug lesen können, um die etwas schnörkelige Schrift entziffern zu können. Die fettgedruckten Stichwörter in den Aufgaben helfen hier aber auf jeden Fall weiter. Auf kleinere Kinder üben die Spielkomponenten einen großen Reiz aus und unsere 5-jährige Tochter hat auch gerne so mit den Figuren und den Planteilen gespielt. Für etwas ältere Kinder verliert es jedoch unserer Erfahrung nach schnell an Reiz. Alle Kinder haben sich jedoch sehr über die Geschichte gefreut, die man mit den Karten in der richtigen Reihenfolge erzählen kann. Das musste nach einer Partie auf jeden Fall noch sein. Als Absacker oder einfaches Spiel für zwischendurch mit Familie oder Freunden eignet sich Fairy Tile auf jeden Fall gut. Und so wird es auch in unserer Spielesammlung einen festen Platz bekommen und ab und zu mit der richtigen Gruppe auf den Spieltisch kommen. Zu zweit werden wir aber lieber verzichten.


Fairy Tile ist auf Deutsch bei Huch! erschienen.

Fairy Tile (2018)
Spieler:
2 - 4
Dauer:
30 Min
Alter:
8+
BGG Rating:
6.75
Verlag:
IELLO
BGG:

Vielen Dank an Hutter Trade für das Rezensionsexemplar.

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