Lorenzo der Prächtige – ein Kurztrip nach Florenz

Lorenzo der Prächtige – ein Kurztrip nach Florenz

Lorenzo der PrächtigeDa sitze ich also nun und lasse die letzte Partie von Lorenzo der Prächtige Revue passieren. Voller Freude hatten wir uns das Spiel ausgeliehen. Gute Kritiken hatten dazu ihren Ausschlag gegeben. Doch der Funke wollte nicht überspringen. Wie kann das sein? Hatten wir vielleicht eine Regel übersehen, die den Spielspaß trüben sollte. Also krame ich noch einmal das Regelheft raus und lese schnell quer. Nichts gefunden!

Schnell Youtube angemacht und dort noch einem Regelvideo gesucht. 10 Minuten später weiß ich, wir haben nichts falsch gemacht. Lorenzo der Prächtige war einfach für uns nicht das, was wir uns darunter vorgestellt hatten. Da ich ja in erster Linie Spieler bin und die Bloggerei nur als Hobby mache, muss ein Spiel mich als Spieler überzeugen und nicht als Kritiker. Was mich an Lorenzo der Prächtige als Spieler störte, möchte ich nun im folgenden kurz aufgreifen und verarbeiten.

Wir blockieren Florenz

Lorenzo der PrächtigeLorenzo der Prächtige ist ein Worker-Placement-Spiel. – Ich setze also meine Figuren ein, um Aktionen durchzuführen. – Wer jetzt denkt, dabei geht es einigermaßen friedlich zu, der irrt. Zu oft höre ich von meinen Mitspielern: “Warum hast du deinen Arbeiter jetzt dahin gesetzt?” oder “Das ist nicht gut, dass du ständig  vor mir dran bist.” Denn im Gegensatz zu anderen Worker-Placement-Spielen, kann ich fast alle Aktionen nur einmal machen. So kann nur ein Spieler sich die Goldmine holen, denn diese gibt es nur einmal im Spiel. Alle anderen gehen leer aus.

Apropos Gold. Das Gold ist ein Zahlungsmittel und ich bekomme nicht automatisch ein Einkommen. Gut, dass es ein Aktionsfeld gibt, wo ich dies einfach so bekomme. Doof ist nur, dass diese Möglichkeit eben nur einem der Spieler zur Verfügung steht.

So stolpere ich also von einer Blockade zur anderen, entweder blockiere ich oder andere haben mich blockiert. Das hemmt den Spielspaß, denn erst wenn ich dran bin, kann ich schauen, welche Aktionen denn noch überhaupt verfügbar sind. Klar, das ist kein neuer Mechanismus, aber ich persönlich mag solche Mechanismen nicht.

Würfeln für den Frust

Lorenzo der PrächtigeNun gibt es noch eine weitere Krux in Lorenzo der Prächtige: Jedes Aktionsfeld hat einen Würfel-Wert. Dieser beginnt im Regelfall bei eins und geht bis zur sieben. Hier kommen auch die drei verschiedenfarbigen Würfel ins Spiel. Am Anfang der Runde hat der Startspieler diese neu geworfen. Das Ergebnis der einzelnen Würfel gibt dann eben auch an, wie viel Wert meine Figuren haben, denn zu jeder Würfelfarbe hat jeder Spieler auch eine entsprechende Spielfigur.

Würfele ich als Startspieler also auf dem schwarzen Würfel eine zwei, so darf meine schwarze Figur alle Aktionen tätigen, die den Wert zwei oder weniger besitzen. Achja, ich erwähne jetzt natürlich nicht, dass dieser Wert für die ganze Runde und für alle Mitspieler gilt.

Die Blockierung der Spieler wird also durch schlechte Würfelwürfe gefördert. Klar gibt es einen Mechanismus, mit dem ich die Würfelwerte aufwerten kann, aber das kostet Diener und die wachsen nicht auf Bäumen. Es gibt nur ein Feld auf dem ein Spieler sich pro Runde! fünf Diener schnappen kann, um Würfelergebnisse zu manipulieren. Aber eben nur ein Spieler.

Während ich mich ja vielleicht noch damit abfinden kann, dass ich durch schlechte Wahl der Aktionen blockiert werde, kann ich bei dem Würfelwurf nichts machen. Kommen dann noch Strafen dazu, die den Wert der Würfelaugen automatisch vermindern, wird das Spiel immer frustrierender.

Lernen was man nicht kann

Lorenzo der PrächtigeSehr viele Runden in Lorenzo der Prächtige sind gleich.

Das liegt nicht nur daran, dass die Karten, die ich zum Ausbau meiner Dynastie nutze, in jedem Spiel die Gleichen sind. Es liegt auch am Spielablauf selber.

Am Anfang schnappt sich der Startspieler als erstes die lohnendste Aktion. Wenn ich dann an der Reihe bin, schaue ich, was die Würfelwerte hergeben. Also gehe ich wirklich von Aktion zu Aktion und streiche alles weg, was ich sowieso nicht nutzen kann. Als nächstes schaue ich, welche der nutzbaren Ausbaukarten ich nun überhaupt bezahlen kann. Und so ist ein Standardsatz der während einer Partie Lorenzo der Prächtige sehr oft von mir gesagt wurde: “Kann ich nicht.” oder “Kann ich, aber mir fehlt …”. Und dann gibt es noch die Aktionen, die ich einfach nicht machen möchte, weil sie mir nichts bringen. Wenn ich nicht immer an Steine herankomme, dann brauch ich eben auch keine Ausbaukarte, die mir Steine in Goldmünzen umwandelt.

Und ein Sparen der Ressourcen, um die Karte im nächsten Zug kaufen zu können, bringt auch nicht viel, da die Karten am Ende der Runde durch neue ausgetauscht werden. So steigt der Glücksfaktor, die passende Karte zu bekommen, immens an.

Sind die Würfel richtig gefallen? Hab ich in den Runden zuvor genug Ressourcen gesammelt? Und ist dann noch diese Karte verfügbar, auf die ich es abgesehen habe? Das wirkt einfach nur frustrierend. Das Spiel schafft es, dass ich mich hilflos und vollkommen ausgeliefert fühle! Die Kontrolle über das Spiel wird mir nur vorgegaukelt, wirklich besitzen tue ich sie nie.

Produktionsketten was sind das

Lorenzo der PrächtigeAls ich die Anleitung zum ersten Mal gelesen habe, habe ich mich wirklich auf das alte Florenz gefreut. Die Beispiele versprachen ein schönes Worker-Placement-Spiel. Langsam würde ich mir eine Produktionskette aufbauen, die mich dann im richtigen Augenblick reich und berühmt macht. Was sich in der Phantasie gut anfühlte, war in der Realität nicht vorhanden. Eine solche Kette zu erschaffen, ist schon fast ein Ding der Unmöglichkeit. Ich muss einfach unheimlich viel Glück haben, die richtigen Karten bekommen zu haben.

Dass dies nicht so einfach ist, hab ich ja schon ausgiebig erklärt. Aber auch die Produktionskette an sich fühlt sich für mich nicht stimmig an.

Dagegen finde ich den Mechnismus, wie eine Produktion gestartet wird, richtig originell und klasse. Ihr setzt einen Arbeiter ein, der ja einen genau definierten Wert besitzt und dann geht ihr der Reihe nach durch eure Ländereien und schaut, ob etwas produziert wird oder nicht. Angegeben wird dies durch den Wert auf der Karte. Nur wenn euer Arbeiter wertvoll genug ist, wird die Produktion auch gestartet.

Allerdings beißt sich hier auch wieder die Katze selber in den Schwanz. Nur hohe Würfel bringen gute Werte und viele Ressourcen. Habe ich die nicht oder nicht genug Diener, bin ich wieder dem Spiel ausgeliefert. Ich hätte mir hier Abstufungen gewünscht. Klar die Goldmine produziert fünf Gold bei einem Würfelwert von sechs. Aber warum kann sie mir dann nicht bei einem Würfelwert von nur drei wenigstens zwei Gold geben?

Und schnappt sich mein Gegenspieler nun das eine Aktionsfeld weg, was ich brauche, um eben zu produzieren, stehe ich wieder blockiert da und muss meine Produktion in die nächste Runde schieben. Damit fehlen mir dann aber auch wieder die Ressourcen. Und schon bin ich wieder im Aktions-Eliminierungs-Wahn.

Im Spiel zu dritt oder viert gibt es wenigstens noch ein weiteres Produktions-Aktion-Feld. Allerdings wird mein Würfelwert mit einem dicken Maluswert von minus drei belegt, wenn ich das Feld nutzen möchte. Blockade und fehlende Ressourcen seid mir gegrüßt.

Ciao Lorenzo

Lorenzo der Prächtige und ich werden keine Freunde mehr werden. Dazu ist für mich der Glücks- und Frustfaktor zu hoch. Egal in welcher Zusammensetzung ich es gespielt habe, es fühlte sich für mich einfach nicht rund an. Vielleicht ist es aber auch noch immerwährendes Würfelpech und ich habe einfach nicht den Weitblick, den es für ein solches Spiel braucht.

Dabei hat Lorenzo durchaus sehr interessante Mechanismen: Die Wertigkeit der Arbeiter abhängig von den Würfeln – Die verschiedenen Möglichkeiten Siegpunkte zu generieren…

Doch das südländische Fieber will sich dadurch nicht entfachen lassen. Dabei bin ich nicht der Einzige. Entweder fiel das Spiel bei meinen Mitspielern komplett durch oder es schaffte es gerade so zu einem: “Naja, wenn es dann sein muß, würde ich es auch noch einmal spielen.”

Lorenzo schafft es sogar, dass ich mich nach einem Sieg nicht wirklich gefreut habe. Denn da schlägt die Empathie voll zu. Ich weiß, dass ich nur gewonnen habe, weil meine anderen Mitspieler einfach nur Pech hatten und blockiert wurden.

Ich wollte, dass mir Lorenzo der Prächtige gefällt. Allerdings ist es jetzt an der Zeit “Arrivederci, Lorenzo il Magnifico!” zu sagen.


Lorenzo der Prächtige ist erschienen bei Asmodee.

Lorenzo il Magnifico (2016)
Spieler:
2 - 4
Dauer:
60 - 120 Min
Alter:
12+
BGG Rating:
7.86
Verlag:
Asmodee
BGG:

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