Outback – Mit Jeep und Würfeln in Australien

Outback – Mit Jeep und Würfeln in Australien

Achja, ich erinnere mich noch an den Tag, an dem ich den kleinen Koala im Outback fand. Und nun ist er groß und stark und es ist Zeit für die Auswilderung. Zusammen mit den anderen Tieren geht es nun also zu ihrer neuen Heimat. Ob sie sich zurecht finden werden in ihrer neuen Heimat, dem australischen Outback? Das wird die Zeit zeigen. Auf alle Fälle werde ich den kleinen Koala-Wonne-Proppen vermissen.

Mit Würfeln in das Outback

Outback JeepNatürlich sind Würfel nicht das Erste, an was man denkt, wenn man an das australische Outback denkt. Wahrscheinlich denkt man eher an eine riesige, rote Wüste in deren Mitte irgendwo der Uluru oder Ayers Rock steht. Doch im Brettspiel Outback stehen eben die Würfel als zentraler Mechanismus im Vordergrund.

Dabei ist das Brettspiel/Würfelspiel schnell erklärt. Ihr würfelt in bekannter Kniffel-Manier bis zu dreimal, um möglichst viele gleiche Tier-Symbole mit euren sechs Würfeln zu bekommen. Auf den würfeln finden sich fünf verschiedene australische Tiere und eine Jocker-Seite. Auf eurem Tableau wiederum sind verschiedene Felder, die Zahlen von zwei bis sechs (auf der Einsteiger-Seite) zugeordnet sind. Würfelt ihr fünf gleiche Tiere, so könnt ihr dieses Tier in die Fünfer-Reihe auf eurem Tableau legen. Wenn die Würfel es her geben, könnt ihr auch zwei Plättchen nehmen und diese z.B. in die Zweier- und Dreier-Reihe legen, jeweils passend zu eurem Würfelergebnis und abhängig davon, welche Tiere in der allgemeinen Auslage sind. Für jedes Tier gibt es Punkte. Ein einzelnes Tier bringt einen Punkt, legt ihr ein zweites, passendes Tier direkt an, bekommt ihr zwei Punkte usw. Danach ist der nächste Mitspieler dran und auch er würfelt wieder und platziert ein oder mehrere Tiere aus der wieder aufgefüllten Auslage. Das geht so lange, bis ein Spieler sein Tableau voll hat. Wer dann am Ende die meisten Punkte hat gewinnt.

Punkten mit Köpfchen

Outback WürfelspielIn vielen Brettspielen gewinnt natürlich der mit den meisten Punkten, doch in Outback muss man vorher ein bisschen sein Köpfchen anstrengen. Denn das Punkten ist wirklich sehr interessant. Grob gesagt bekommt ihr für jedes platzierte Tier Punkte, die sofort auf einer extra Punkteleiste abgetragen werden. Diese Punkteleiste ist zweigeteilt in einen linken und einen oberen Teil. So punktet jedes Tier auf der oberen Leiste auf jeden Fall. Dumm ist nur die Tatsache, dass ihr bei der oberen Leiste wieder bei eins startet, sobald ihr das Ende der linken Leiste erreicht habt. Allerdings punkten auf der linken Leiste nur die drei Tiere, die die niedrigsten Punkte haben. Tiere, die ihr noch nicht auf eurem Tableau eingesetzt habt, zählen ebenfalls dazu und bringen jeweils drei Minuspunkte. Zwei Tiere mit acht und nein Punkten links bringen euch also nichts, wenn ihr noch drei Tiere bei weniger oder sogar im Minusbereich habt.

Dadurch müsst ihr im Laufe des Spieles schon ein bisschen planen, welches Tier ihr wie oft punkten lasst. Wollt ihr eher alles auf vielleicht nur ein oder zwei Tier setzen, um so auf der oberen Leiste möglichst hohe Punkte zu bekommen und mit der Gefahr auch negative Punkte einzustreichen? Oder ihr spielt auf Nummer sicher und punktet für alle fünf Tiere gleichmäßig.

Auswildern mit Hindernissen

Outback gehört zu den Brettspielen, wo es scheinbar zu jedem positiven Aspekt immer auch einen Aspekt gibt, den ich mit “Ja aber…” kontern würde. Und unterm Strich sind es dann leider bei uns auch die negativen Aspekte, die im Gedächtnis bleiben. Aber der Reihe nach, schauen wir uns als erstes einmal die grafische Verpackung des Brettspieles an. Mit knuffigen Illustrationen auf dem Cover fühlen wir uns schon gleich wie in Australien. Zumindest in dem Australien, was wir uns als Europäer vorstellen. Und es gibt Schnabeltiere, was ein großer Pluspunkt ist. Die Spielertableaus sind alle unterschiedlich und liebevoll gestaltet. Auch die Zählleiste mit Einbuchtungen in der ihr eure Zählmarker für die einzelnen Tierarten platziert, hat qualitativ eine hohe Wertigkeit.

Ja, aber die Einbuchtungen sind zwar nett, kommt man aber nur einmal an das Tableau, verrutschen die Zählmarker und ihr wisst nicht mehr genau, wo die einzelnen Marker eigentlich gelegen haben. Weiterhin gibt es einen Papp-Jeep auf dem die 5 Plättchen der zur Verfügung stehenden Tiere ausliegen. Was am Anfang noch witzig ist, hat ab der zweiten Partie eigentlich keinen Sinn mehr. Bei uns kommt der Jeep mittlerweile gar nicht mehr auf den Tisch, wenn wir nicht gerade mit unseren Kindern spielen. Auch die Glanzlackbeschichtung der Tableaus ist nicht immer optimal. So hatten wir in der Erstpartie keine Probleme, da es keine direkte Lichtquelle gab. Bei einer weiteren Partie mit Lichteinfall direkt von oben, war aber nicht immer alles gut zu erkennen.

Wir regeln das schon

Outback BrettspielWas Michael Kiesling in Outback wirklich gut gelungen ist, ist der oben beschriebene Punktemechanismus. Dieser macht aus einem einfachen Würfelspiel schon eine kleine Denksportaufgabe. Das macht Spaß und spielt sich erfrischend neu. Ja, aber leider fällt genau dieses strategische Element bei Kindern durch. Da ist die strategische Hürde dann doch wieder einen Tick zu hoch.

Auch sind die Einbuchtungen der Zählleiste zwar gut gemeint, aber sie bieten immer nur Platz für genau eine Tierart. Und es gibt am Anfang für die 5 Tierarten auch jeweils genau eine Einbuchtung im Startbereich, wo jedes Tier -3 Punkte wert ist. Was passiert allerdings, wenn eine Einbuchtung schon mit einem Tier besetzt ist? Überspringt man diese Einbuchtung dann oder nicht? Leider sind die Regeln hier absolut nicht eindeutig, nicht einmal ein schnell erklärtes Beispiel gibt es zu sehen. Wir haben es am Anfang in beiden Versionen gespielt, sowohl mit Überspringen, als auch ohne Überspringen. Mittlerweile wissen wir, dass ihr nicht überspringt und einfach das Zahlplättchen mit in die gleiche Zeile legt.

Warum es dann aber die Einbuchtungen gibt, erschloss sich uns einfach überhaupt nicht. Sie schaden mehr als sie helfen. Hätte man diese einfach durch eine “normale” Zählleiste ersetzt, hätte es diese Verwirrung gar nicht  gegeben.

Dieser Regelfauxpas ist der bittere Beigeschmack in dem ansonsten guten Regelwerk. Denn die Regeln sind schnell erklärt und ihr könnt auch mit neuen Mitspielern ohne großes Regelstudium schnell mit dem Spiel starten.

Eine Fahrt durch das Outback dauert

Euer Zug in Outback ist schnell: Ihr würfelt bis zu dreimal und versucht genug zusammen zu bekommen, um entsprechend viele Tierarten auszuwildern. Ja, aber leider kann das in voller Besetzung mit 4 Spielern schon ganz schön lange dauern, denn sobald ihr fertig seid mit eurem Zug, habt ihr erst einmal nichts mehr zu tun. Die Downtime ist erschreckend hoch für ein einfaches Würfelspiel. Zwar sinkt diese mit der Spieleranzahl, aber dadurch wird ein anderes Problem verstärkt.

In der Auslage befinden sich immer 5 Tiere. Nehmt ihr in eurem Zug eins auf und packt es auf euer Tableau wird eins zufällig nachgezogen. Dadurch kann es passieren, dass sich in der Auslage 4 gleiche Plättchen einer Tierart befindet und immer nur eine Tierart durchrotiert wird. So werden wir vom Spiel blockiert und es gibt auch laut Regeln keine Möglichkeit einen Austausch zu machen. Ein simples, wenn 3 gleiche Tiere ausliegen werft ihr die Auslage ab und zieht neu nach, würde schon helfen.

Und leider kommt es sehr schnell auch zu Frust, weil ja die Tiere zufällig nachgezogen werden. Denn oft genug braucht ihr genau dieses eine Tier, was euch noch einmal ordentlich Punkte gibt und dieses liegt nicht in der Auslage. Ihr würfelt und nehmt ein anderes Tier als Ausgleich. Dann kommt zwar das Tier was ihr braucht, aber das schnappt sich euer Mitspieler. Und ihr habt es schon wieder nicht. Das frustriert auf lange Sicht.

Ein Brettspiel, zwei Möglichkeiten

Outback SpielplanOutback kommt gleich mit zwei Varianten zu euch nach Hause. Zum einen gibt es die Basis-Variante und eine Profi-Variante. Bei der Profi-Variante gibt es dann einen anderen Punktemechanismus und auch einen Würfel mehr, womit ihr dann nicht mehr 14 Felder füllen müsst, sondern ganze 21. Doch eine wirkliche Verbesserung ist dies leider nicht, denn dadurch dauert das Spiel noch länger und wenn ihr einmal den Punkte-Anschluss verloren habt, bekommt ihr den nicht mehr so schnell aufgeholt. Denn die Boni, die einem jedem Spieler in der Basis-Variante zur Verfügung stehen, entfallen in der Profi-Variante. Sie werden ersetzt durch einmalige Boni, die sich nur der Spieler schnappt, der sie eben als erster erreicht. Dadurch kann euch wieder durch Würfelpech oder Nachziehpech ein Boni vor der Nase weggeschnappt werden.

Leider hat es Outback nicht geschafft, uns zu überzeugen. Zu viele kleine Macken vermiesen einem den Spielspaß. Auch unsere Tochter hat sich mehr gelangweilt, als wirklich aktiv mitzuspielen. Dabei hat das Brettspiel mit dem Thema und der cleveren Art zu zählen eigentlich viel Potential, was es aber leider nicht ausgeschöpft hat.

Unterm Strich bleibt Outback ein vollkommenes Glücksspiel. Egal wie ihr euch anstellt, es sind die Würfel und die ausliegenden Tierplättchen, die entscheiden. Und diese Entscheidung könnt ihr in keinster Weise beeinflussen. Als Experiment haben wir es mit unserer 5-jährigen Tochter gespielt, die einfach die Tiere so hübsch fand. Ohne Plan und mit purem Würfelglück konnte sie mit 16 Punkten abschließen, während der Erwachsene mit 8 Punkten verloren hat. Das zeigt zum einen, dass das Spiel einen hohen Aufforderungs-Charakter hat, aber auch, dass es ein reines Glücksspiel ist, dessen Endergebnis man nicht planen kann. Dessen muss man sich klar sein, wenn man sich Outback kauft.


Outback ist erschienen bei Huch!

Outback (2018)
Spieler:
2 - 4
Dauer:
30 - 45 Min
Alter:
8+
BGG Rating:
6.29
Verlag:
Huch!
BGG:

Vielen Dank an Huch! für das Rezensionsexemplar.

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