Psychiatrie des Schreckens Teil 1 & 2

Psychiatrie des Schreckens Teil 1 & 2

Psychiatrie des Schreckens - Teil 1 und 2Ich muss hier raus... ich muss hier raus...Ich muss HIER raus... ICH muss hier RAUS... iCH MuSS Hier RAus!!! Raus aus dieser Psychiatrie des Schreckens!

Wir versuchen mal wieder zu entkommen und zwar aus der Psychiatrie des Schreckens. Wir, das sind in diesem Fall fünf verschiedene Charaktere, die eines gemeinsam haben: Sie wollen ihren Aufenthalt in der Heilanstalt nicht mehr verlängern. Verantwortlich für dieses epische Escape-Spiel mit fünf Geschichten in zwei Teilen sind die Autoren Martin N. Andersen, Alexander Peshkov und Ekaterina Pluzhnikova und es ist auf Deutsch bei HUCH! erschienen. Nachdem wir bereits auf der SPIEL 2019 reinschnuppern konnten, haben wir nun alle 10 Episoden gespielt und wollen euch berichten, wie es uns ergangen ist.

Eine Serie in zwei Teilen

Das Setting der Psychiatrie des Schreckens ist schnell erklärt: Ihr seid in einer psychiatrischen Anstalt und das (natürlich) völlig zu Unrecht. Daher möchtet ihr ausbrechen. Ihr seid dabei nicht alleine, denn genau so ergeht es in dieser Nacht insgesamt fünf Patienten der Einrichtung. Jedem Insassen ist dabei eine eigene Episode in jeder Box gewidmet, die ihr nacheinander spielt. Die erste Box mit Teil 1 enthält dabei die erste Hälfte dieser Geschichten, in der zweiten Box könnt ihr dann den Ausbruch der fünf Protagonisten zu Ende führen. Insgesamt spielt ihr also 10 Episoden und habt damit eine ziemliche Menge Rätsel vor euch, die mit mehr Spielzeit als eine Unlock! Box oder auch der Escape Tales locken.

Es sind zwei schöne Boxen, die man da mit der Psychiatrie des Schreckens bekommt. Wenn ihr beide Teile kauft, dann erhaltet ihr noch einen schicken Schuber dazu, in dem diese dann gemeinsam gelagert werden können. Drinnen sind ein Haufen Karten sowie ein paar Umschläge. Der Kartenstapel ist durchnummeriert in aufsteigender aber nicht unbedingt aufeinanderfolgender Reihenfolge. Das ist wichtig für den Mechanismus, mit dem ihr euch durch die Abenteuer bewegt.

Psychiatrie des Schreckens - Anleitung

Ihr beginnt mit einer Karte, die zur jeweiligen Geschichte gehört, die ihr gerade spielt. Für die erste Geschichte ist das die Karte mit der Nummer 0001. Auf den Karten steht dann ein Stückchen der Story und eine Anweisung. Meist ist das erst einmal, eine bestimmte weitere Karte aufzudecken und die Geschichte weiter zu lesen. Aber früher oder später steht dort keine Anweisung mehr, eine neue Karte aufzudecken. Dann ist es so weit: Ihr sollt ein Rätsel lösen. Jede Geschichte hat außerdem ein Symbol, mit dem ihr überprüfen könnt, ob ihr tatsächlich eine Karte für das aktuelle Abenteuer vor euch habt.

Rätsel und mathematische Spielereien

Die meisten Rätsel haben mit den Räumen in der Psychiatrie zu tun, durch die ihr euch auf der Suche nach einem Ausweg bewegt. Die Stelle, an der ihr ein Rätsel lösen müsst, ist meistens der Augenblick, in dem ihr vor einer verschlossenen Tür steht. Dann nehmt ihr den Umschlag mit der passenden Zimmernummer zur Hand und es kann losgehen. Den Umschlag öffnet ihr in der Regel erst mal nicht, sondern widmet euch meist zuerst der Außenseite, auf der Suche nach Hinweisen, was der vierstellige Zahlencode sein könnte, der euch weiter bringt.

Psychiatrie des Schreckens - Umschläge

Die meisten der Rätsel sind daher auch sehr mathematisch. Erschwerend kommt hinzu, dass ihr als Insasse einer Psychiatrie laut Regelheft keine Hilfsmittel außer Stift und Papier nutzen dürft. Also heißt es, das gute alte Schulwissen rausgekramt und gerechnet. Okay, der Fairness halber wird von euch keine Integralrechnung verlangt, aber ganz so trivial sind einige der Rätsel dann doch nicht. Schlimmer noch: Für einige Rätsel ist Vorwissen nötig, das man sich in Nullkommanichts ergoogeln könnte. Wenn man nach den Regeln spielt und das nicht tut, bleibt einem nur raten.

Es gibt aber auch kreative Rätsel, die aus dieser mathematischen Schiene ausbrechen. Besonders in Teil 2 sind diese häufiger vertreten. Das macht Spaß und zeigt, dass es eben auch anders geht, als eine Zahlenfolge zu vervollständigen oder Textaufgaben ausrechnen zu müssen. Und natürlich gibt es auch Rätsel, die einfach nur Zeit kosten, auch wenn man den Lösungsweg bereits kennt. Der Schwierigkeitsgrad aller Rätsel ist weit gestreut. Von simpel bis fast unlösbar ist alles dabei. Gerade die fast unlösbaren sind aber so verkompliziert und mehrfach um die Ecke gedacht, dass hier schnell Frust aufkommt. Bei einem Rätsel z.B. gibt es mehrere Möglichkeiten, die vorgegebene Situation zu interpretieren. Richtig ist natürlich nur eine, aber wieso wird nicht erklärt.

Ich brauche Hilfe

Wenn man gar nicht mehr weiterweiß, gibt es drei kleine Heftchen, die einem helfen sollen. Zwei davon enthalten Tipps und das dritte die Lösungen für die Rätsel, manchmal sogar mit Erklärung und komplettem Lösungsweg. Die benötigten Tipps werden in Minuten auf die benötigte Zeit aufgeschlagen. Für jede Episode sind ca. 60 Minuten Spielzeit angegeben, allerdings sind da die Tipps bereits mit eingerechnet. In der Anleitung wird explizit darauf hingewiesen, dass man sich nicht scheuen soll, diese zu nutzen. Wir greifen wirklich nicht leichtfertig zu diesem Hilfsmittel, aber hier hatten wir Hilfe durchaus öfter bitter nötig.

Psychiatrie des Schreckens - Hilfe

Gestört hat uns an den Rätseln nicht nur der Hang zur Mathematik. Es scheint auch, dass das Personal in dieser Psychiatrie ein Gedächtnis wie ein Sieb hat und auf jede Sicherheit verzichtet, in dem es fröhlich Hinweise neben Türen und Schlössern platziert. Das muss natürlich im Sinne des Spiels so sein, ergibt aber thematisch keinen Sinn. Überhaupt sind die Rätsel wenig thematisch und so gut wie gar nicht in die Story eingebunden. Sie sind nur da, weil an dieser Stelle eben ein Rätsel vorhanden sein muss. Ob es nun eine verschrobene Art ist, seinen Aktenschrank zu beschriften oder ob man komplizierte Gehirnakrobatik nutzen muss, um einen Fahrstuhl in Gang zu bekommen, den das Personal Tag für Tag nutzt.

Erzähl mir was – Die Story

Auf der positiven Seite ist bei der Psychiatrie des Schreckens die Story zu nennen. Davon gibt es wesentlich mehr als in einem Standard-Escape-Spiel. Zusätzlich gibt es noch einige Abzweigungen in der Geschichte, bei denen man sich für einen von zwei Wegen entscheiden muss. Dann werden auch Karten aus dem Originalstapel gegen andere Karten ausgetauscht. Das vermittelt schon sehr das Gefühl etwas Eigenes zu erleben und kommt in Escape-Spielen eher selten vor.

Nicht so gelungen ist die Tatsache, dass sich diese Story ausschließlich auf den Karten befindet. Ich kann natürlich nachvollziehen, dass hiermit die Anzahl der Karten und damit auch die verfügbaren Zahlen auf deren Rückseite erhöht werden sollte. So kommt man dann nicht beim Durchschauen einfach auf eine Lösung, wenn man bereits eine Ahnung hat, was bei einem der Rätsel ungefähr herauskommen müsste. Es ist aber auch keine schöne und flüssige Erfahrung, während einer Partie ständig den Stapel nach der nächsten und der nächsten und der nächsten Karte durchsuchen zu müssen, bis der Storyteil beendet und man endlich bei einem Rätsel angekommen ist. Es ist durchaus üblich, dass hier fünf, sechs oder mehr Storykarten herausgesucht werden, bevor es mit dem Spiel weitergeht.

Psychiatrie des Schreckens - Karten

Wirklich überraschende Wendungen gibt es in der Geschichte allerdings trotz der vielversprechenden Ansätze auch nicht. Es wird ohne große Überraschungen solide erzählt und ebenso solide im zweiten Teil zu Ende geführt, was im ersten begonnen wird. Die Illusion der großen Freiheit ist eben auch nur das: Eine große Augenwischerei. In Wirklichkeit gibt es nur eine Handvoll Möglichkeiten, wie ihr aus der Psychiatrie fliehen könnt. Die einzige Wahl ist die, mit welchen Charakter ihr welchen Ausgang nehmt. Der erste erfolgreiche Ausbruch stellt damit bereits die Weichen für die folgenden Charaktere. Das spürt man allerdings während des Spiels nicht ganz so stark und stört wahrscheinlich nur die ganz Neugierigen, die nach den 10 Episoden noch wissen möchten, was sie denn verpasst haben. Die Antwort ist: Nichts. Die Änderungen, die durch Entscheidungen herbeigeführt wurden sind so marginal, dass sie dem Fortgang der Geschichte nicht im Weg stehen können.

Unsere Zeit ist jetzt um – Fazit

Wir würden uns durchaus als erfahrene Rätsellösern bezeichnen. Trotzdem hat uns die Psychiatrie des Schreckens an unsere Grenzen gebracht. Da möchte ich nicht wissen, wie es jemanden ergeht, für den das die erste Escapespiel-Erfahrung ist. Gerade nicht nachvollziehbare Rätsel erzeugen schnell Frust und wir waren mehr als einmal an dem Punkt, wo wir das Spiel eigentlich bereits in eine Ecke stellen und nicht mehr hervorholen wollten. Aber da ich hier nicht meine Meinung über ein halb gespieltes Escape-Spiel kundtun wollte, habe ich trotzdem weiter gespielt, viele Episoden sogar alleine, weil Jan schon lange keine Lust mehr hatte. Der zweite Teil wurde dann durchaus besser, aber das Gesamterlebnis bleibt doch hinter den Erwartungen zurück. Da müssen wir leider sagen, dass es nach nun bereits mehr als drei Jahren Escape-Spiele durchaus bessere Vertreter des Genres gibt.


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Psychiatrie des Schreckens ist auf Deutsch bei HUCH! erschienen.

Escape from the Asylum (2019)
Spieler:
1 - 6
Dauer:
60 Min
Alter:
12+
BGG Rating:
6.6
Verlag:
HUCH!
BGG:

Für die Review wurde uns ein Rezensionsexemplar von HUCH! zur Verfügung gestellt.



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