Underwater Cities – New Discoveries: Ein weiteres Mal abtauchen

Underwater Cities – New Discoveries: Ein weiteres Mal abtauchen

Wieder geht es hinab ins Unbekannte. Eigentlich sollte für heute schon Schluss sein. Der Unterwasser-Rover hat auch nicht mehr so viele Reserven. Es reicht noch, um ohne Probleme wieder zurückzukehren. Aber jede weitere Minute hier unten lässt das komfortable Polster schnell schmelzen. Doch was die ferngesteuerte Drohne entdeckt hat, ist atemberaubend. Eigentlich ist es Routine. Bevor ein neuer Unterwasser-Tunnel gebaut wird, wird die Baustelle gewissenhaft untersucht. Der Tunnel muss ja auf festem Grund stehen. Mehrere Tonnen Wasser werden ihn auf jedem Quadratzentimeter belasten. Doch im Sediment der Baustelle wurde eine verfallene Säule gefunden. Und diesem Fund muss nun nachgegangen werden. Die Museen der Underwater Cities sind ganz scharf auf neue Fundstücke und deswegen herrscht hier am Meeresgrund auch ein gewisses Goldgräber-Flair.

Undewater Cities hatte zur SPIEL’18 sein Debüt. Das Experten-Brettspiel von Vladimír Suchý, welches bei Delicious Games erschienen ist, avancierte schnell vom Geheimtipp zu einem Must-Have-Brettspiel des letzten Spiele-Jahrgangs. Mitte des Jahres kam dann die Ankündigung, dass es zu dem Brettspiel eine Erweiterung geben wird. Wir hatten uns die Erweiterung Underwater Cities – New Discoveries in Essen zur SPIEL’19 geschnappt und sie nun auf dem Brettspiel-Tisch. Wie sich die Erweiterung dabei geschlagen hat, könnt ihr in unserer Review zu Underwater Cities – New Discoveries lesen.

Viel Spaß beim Lesen!

Underwater Cities – New Discoveries
Der Name ist Programm

Die positivste Nachricht gleich am Anfang: Wer sich die Erweiterung zulegt, muss sich keine Gedanken machen, wie er diese lagern soll. Sämtliche neuen Spielkomponenten passen ohne Probleme in das Grundspiel. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Schachtel der Erweiterung nicht prall gefüllt ist. Achja und natürlich passt es nur, wenn ihr wie ich die Karten nicht gesleeved habt und keine extra Premium-Plastic-Ressourcen-Token oder ähnliches habt.

Als ich das erste Mal die Erweiterung in Händen hielt, fiel mir auf, wie schwer diese doch war. Das lag natürlich im Großen und Ganzen an den neuen Spielertableaus. Die dünnen Spielertableaus aus dem Underwater Cities Grundspiel haben mit der Erweiterung ausgedient. Acht Dual-Layer Boards befinden sich in der Erweiterung New Discoveries und diese acht Tableaus sind auch doppelseitig gestanzt. Wodurch dem geneigten Spieler insgesamt 16 Spieler-Tableaus zur Verfügung stehen.

Gut, unter uns: Die ersten 8 Tableaus entsprechen den Tableaus aus dem Grundspiel und bringen keinen spielerischen Mehrwert mit sich. Allerdings verrutschen nun unsere Kuppeln, Farmen und Tunnel nicht mehr, wenn wir unglücklich an den Tisch stoßen. So lange diese nicht aufgewertet sind. Die gestapelten Drops neigen trotz ausgestanzter Spieler-Tableaus immer noch dazu, über das Tableau zu schlittern.

Bleiben allerdings noch 8 Tableaus übrig und diese widmen sich voll und ganz der Erweiterung New Discoveries. Denn die eigentliche Erweiterung besteht im Grunde nur aus einzelnen Modulen, die miteinander kombiniert werden können. Irgendwie jedenfalls. Und für einige Module braucht es eben genau diese Tableaus.

Nehmen wir uns doch einmal einfach die Zeit, die einzelnen Komponenten genauer zu betrachten.

Underwater Cities New Discoveries Spielplan

Wir tauchen weiter ab

Legen wir die Tableaus erst einmal beiseite und schauen uns an, was wir noch in der Schachtel finden.

52 neue Karten werden uns angeboten. Diese neuen Karten geben uns neue Möglichkeiten und werden von uns natürlich sofort ins alte Deck eingemischt. Immerhin 18 neue Karten für die erste Epoche, 15 Karten für die zweite Epoche und 11 für die dritte Epoche finden so nun ein neues Heim und fügen sich ohne Probleme in den Spielfluss ein. Sie verbessern sogar den Spielfluss. Mit den neuen Karten werden sinnvolle Ergänzungen vorgenommen, die sich besser in eine bestimmte Strategie oder in eine bestimmte Engine einbauen lassen. Auch die Spezialkarten bekommen durch die Erweiterung neue Karten.

Allerdings haben die neuen Karten der Erweiterung einen kleinen Schönheitsfehler. Ich erkenne ganz klar am Kartenrücken, ob die Karte aus dem Grundspiel Underwater Cities stammt oder aus der Erweiterung New Discoveries. Schuld daran ist der Farbton, dieser stimmt nicht ganz überein. Spielerisch macht das nichts aus, da die Karten ja sowieso zufallsbedingt verteilt werden.

Underwater Cities New Discoveries Städte

Schnell, schnell wir haben doch keine Zeit

Underwater Cities ist ja bekanntlich ein Brettspiel, das schon einiges an Spielzeit beansprucht. Damit die Spielzeit nicht ganz so ausufernd ist, liegen der Erweiterung nun sogenannte Quickstart-Plättchen bei, mit denen ich dann statt 10 Runden eben nur 9 Runden spiele. Durch die am Anfang der Partie zufällig ausgewählten Plättchen bekomme ich genug Ressourcen oder auch Gebäude, um gleich in Runde zwei starten zu können.

Doch wie sinnvoll sind diese Plättchen für mich? Als Vielspieler und Underwater Cities Kenner verringern diese Plättchen die Gesamtspielzeit nur um eine Kleinigkeit, fast schon nicht der Rede wert. Außerdem nehmen sie mir als Vielspieler eindeutig die Freiheit, eine bestimmte Strategie fahren zu können. Das erhöht zwar die Asymmetrie beim Spielaufbau, diese habe ich in Underwater Cities aber im Grunde auch schon drin, weil die Kartenzuteilung eben zufällig ist.

Bei Neueinsteigern lasse ich den Schnellstart gerne weg, da diese die erste Runde einfach brauchen, um sich im Spiel zurechtzufinden. Somit bleiben diese Plättchen doch eigentlich öfter in der Schachtel, als dass sie zum Einsatz kommen.

Eine helfende Hand in New Discoveries

Was nicht in der Schachtel bleibt sind die neuen Assistenten. Diese haben bei uns die ursprünglichen Assistenten vollkommen ersetzt. Der Vorteil: Neben der einmaligen Karten-Aktion gibt fast jeder einen dauerhaften Effekt für die Partie. Einige Assistenten geben mir einen Bonus, wenn ich ein bestimmtes Feld nutze, andere wiederum werden auch in der Produktionsphase aktiv. Dadurch bleibt eine Assistenten-Karte vielleicht auch mal bis zum Ende der Partie im Spiel und wird nicht so schnell ausgetauscht, weil ihr Mehrwert nicht so hoch ist.

Auch der Aufwand, diese ins Spiel zu bringen, ist recht gering: Am Anfang der Partie einfach jedem Spieler zufällig zwei Karten geben, eine Karte aussuchen und den Rest abwerfen.

Underwater Cities New Discoveries Museum

Wir gehen bei New Discoveries ins Museum

Während die schon genannten Teile sich einfach ins Grundspiel einfügen lassen. Kommt mit dem Museums-Tableau nun das erste Modul aus der Erweiterung hinzu, was das Spiel verändert. Um dieses Modul spielen zu können, braucht es auch zwingend eines der neuen Spielertableaus.

Denn auf diesen gibt es nun die Möglichkeit, beim Bau von Strukturen verdeckte Museumsplättchen freizuschalten. Diese Plättchen geben mir einen einmal Bonus und sollen Schätze darstellen, die wir unter Wasser gefunden haben. Im zweiten Schritt allerdings kann ich diese im Museum platzieren und bekomme dort auch noch einen weiteren Bonus.

Hier reicht die Spannweite vom Karten ziehen, über eine weitere Produktionsmöglichkeit, bis hin zu lapidaren Siegpunkten. Entscheidend ist, wann ihr die Plättchen freischalten und platzieren könnt, denn es gilt: Wer sein Plättchen zuerst platziert, hat einfach mehr Auswahlmöglichkeiten und stärkere Boni.

Underwater Cities New Discoveries Assistenten

Ein bisschen mehr Spannung

Technisch gesehen ist das Museums-Modul nichts Spektakuläres. Denn statt dem aufgedrucktem Bonus auf dem Spielertableau bekomme ich einen zufälligen Bonus und wähle mir vom Museums-Tableau einen weiteren Bonus aus. Unterm Strich also einfach nur mehr Boni für mich.

Aber das ist ja nur die mechanische Seite. Beim Spielen wird aber aus der Mechanik ein Spielgefühl. Natürlich habe ich damit nun einen Wettlauf, wenn auch einen langsamen. Doch dies sorgt dafür, dass ich schon einmal plane. Setze ich die Farm jetzt doch schon dort ein, wo noch keine Stadt ist und gehe dann in der Produktion leer aus oder warte ich noch ab und gehe das Risiko ein, dass ein Mitspieler vor mir sein Plättchen im Museum hinlegt?

Klar, das ist jetzt kein Adrenalin-Rausch, wir bewegen uns ja noch im Euro-Game-Umfeld. Aber es bringt ein zusätzliches Grübel-Element ins Spiel und auf einmal muss ich auch schauen, was meine Mitspieler da so machen auf ihren Tableaus. Eine aus meiner Sicht kleine und feine Änderung, die mich schon das ein oder andere Mal grummeln ließ, wenn mir der Museums-Bonus vor der Nase weggeschnappt wurde.

Underwater Cities New Discoveries

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Die letzten beiden Module sind unterm Strich betrachtet recht unspektakulär. Zusätzlich zu den schon bekannten Metropolen gibt es nun auch grüne Metropolen. Diese werden für das sogenannte Metropolis-Choice genutzt. Hierfür braucht es dann auch die letzten verbliebenen Spielertableaus. Diese sind nicht nur speziell für den neuen Modus enthalten, sie sind auch hochgradig asymmetrisch und sorgen dafür, dass ich als Spieler auch mal neue Strategien ausprobieren muss. Damit ich dem Zufall nicht ganz so ausgeliefert bin, kann ich mir aus einer Auswahl an Metropolen meine Metropolen aussuchen, die ich dann auf meinem Tableau anbinden kann.

Die gewollte Asymmetrie kann ich in diesem Modul zwar nachvollziehen, allerdings ändert sich nichts am eigentlichen Underwater Cities Spielgefühl. Klar, ich passe meine Strategie an, aber den großen Bruch mit den ursprünglichen Strategien stelle ich persönlich einfach nicht fest.

Auf ins U-Boot und schnell ans Ziel

Das andere Modul nennt sich Metropolis-Race. Hierbei bekommen die Mitspieler zu Spielbeginn nur eine Metropole für ihr Tableau. Die anderen Metropolen bleiben erst einmal leer. Erst wenn ich es schaffe, eine der leeren Metropolen anzubinden, darf ich mir eine der ausliegenden Metropolen schnappen und auf mein Tableau legen.

Hier habe ich genau das Gleiche wie bei dem Museums-Modul: Ich spiele mit meinen Mitspielern um die Wette. Was auf den ersten Blick spannend aussieht, ist es leider auf den zweiten doch nicht. Denn in dem Modul werden nur die blauen und neuen grünen Metropolen in den Auswahl-Pool gelegt. Die braunen Metropolen, die mir am Ende des Spieles noch einmal ordentlich Punkte geben, habe ich schon von Anfang an auf meinem Tableau, so dass das Rennen um die Metropolen etwas handzahmer ausfällt, als es sein könnte.

Hier hätte ich es persönlich besser gefunden, wenn auch die braunen Metropolen zur Verfügung gestanden hätten. Denn so wäre der Nervenkitzel viel höher gewesen, als er es jetzt eben ist. Wenn beide Spieler zum Beispiel auf die Tunnelwertung spielen und nur einer sich das Plättchen schnappen kann, ist das eben einfach spannender. So ist es eher ein: “Na gut, wenn ich den Bonus nicht haben kann, bekomme ich eben den anderen.”

Underwater Cities New Discoveries Kuppeln

Auf- oder Abtauchen mit  Underwater Cities – New Discoveries?

Die Erweiterung New Discoveries hat die gleichen Probleme wie jede Erweiterung, die über Module verfügt. Einige Module sind besser, andere hingegen nicht ganz so gut. Was natürlich richtig gut ist, sind die neuen und verbesserten Spielertableaus. Diese haben aber eben nur indirekt mit dem eigentlichen Spiel zu tun.

Richtig gut gefallen haben mir die neuen Karten, weil sie sich so wunderbar ins Spiel einfügen. Die neuen Assistenten mit mehr Funktionalität – Aus meiner Sicht Top! Das Museums-Modul und auch Metropolis-Choice spielen sich sauber und geben dem Spiel neue Impulse. Dadurch werde ich auch mal gezwungen, aus meiner gewohnten Underwater Cities Strategie auszubrechen.

Was mir einfach nicht gefällt, ist das Metropolis-Race. Ich werde mit diesem Modul einfach nicht warm, weil es mir zu wenig bietet. Ob ich den einen oder den anderen Bonus bekomme, bleibt unterm Strich gleich, denn auch beim Standardspiel kann ich ja nicht beeinflussen, welche Metropolen sich auf meinem Tableau befinden.

Auch hätte ich es sehr gut gefunden, wenn in der Erweiterung New Discoveries einfach noch einmal ein Satz an Standard-Ressourcen-Token drin gewesen wäre. Zumindest ist noch einmal ein weiterer Satz an Gebäuden vorhanden.

Underwater Cities New Discoveries Karten

Unterm Strich ist für mich die Erweiterung gelungen und es macht Spaß, die einzelnen Module zu nutzen. Dadurch, dass das eigentliche Spiel schon sehr gut spielbar ist, braucht es keine Erweiterung, die irgendwelche Fehler ausbügelt. Und somit gibt mir die Erweiterung einfach nur mehr Möglichkeiten, das Grundspiel leicht zu modifizieren. Und selbst Neulinge können gleich auf die Erweiterung losgelassen werden, weil die Erweiterung eben nicht die Grundmechanik beeinflusst.

Laut Delicious Games wird es auch bei der Erweiterung New Discoveries bleiben, man hat im Moment keine weiteren Pläne für neue Erweiterungen.


Underwater Cities - New Discoveries hat mit der Erweiterung auch Dual-Layer Boards. Sollten solche Boards zum Standard werden, um dem versehentlichen Verrutschen vorzubeugen?

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Die Erweiterung Underwater Cities – New Discoveries ist bei Delicious Games erschienen. Auf Deutsch soll die Erweiterung im März 2020 in den Handel kommen. Das ausverkaufte deutsche Underwater Cities soll auch ab Anfang Februar 2020 wieder verfügbar sein.

Underwater Cities: New Discoveries (2019)
Spieler:
1 - 4
Dauer:
100 - 180 Min
Alter:
14+
BGG Rating:
8.46
Verlag:
Delicious Games
BGG:

Für die Review wurde uns ein preisreduziertes Rezensionsexemplar von Delicious Games zur Verfügung gestellt.



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