Underwater Cities – ein Brettspiel taucht auf

Underwater Cities – ein Brettspiel taucht auf

Underwater Cities Brettspiel CoverEigentlich sollte man meinen, uns fehlt hier unten nichts. Es gibt genug zu Essen, das Freizeitangebot ist üppig und abwechslungsreich und auch die Arbeit ist gut bezahlt. Doch hier unten tief im Meer auf dem Meeresboden fehlt einem doch das ein oder andere. Es gibt keinen richtigen Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. Es herrscht immer das gleiche Wetter und einen plötzlichen Regenschauer gibt es auch nicht in den riesigen Kuppeln, die unsere Heimat sind. Doch manchmal, wenn man draußen an den Versorgungs-Tunneln arbeitet, wünscht man sich dann eben doch, mal wieder frische Luft zu atmen oder im Winter einfach nur den Schnee beim Fallen zuzusehen. Doch hier unten wird gutes Geld gezahlt und irgendwann wenn man genug davon angesammelt hat, kann man die riesigen Underwater Cities verlassen, um wieder zurück an die Oberfläche zu ziehen.

Vladimir Suchy bringt mit Underwater Cities ein weiteres komplexes Euro-Game heraus. Schon sein letztes Brettspiel ( Pulsar 2849 ) konnte mit ungewöhnlichen Mechanismen überzeugen und hat nicht nur deswegen einen unserer Brettspiel Awards gewonnen. Nun begebt ihr euch also vom All der fernen Zukunft in die Meere der nahen Zukunft. Ihr versucht eine blühende Unterwasserkolonie aufzubauen, um so den Menschen auf der überbevölkerten Erde Wohnraum und Nahrung zu bieten.

Auf Tauchfahrt zu den Underwater Cities

Underwater Cities BrettspielGrob gesagt ist das Brettspiel nichts anderes als ein Euro-Game. Zu Anfang besitzt ihr lediglich einen Assistenten, eine Unterwasserstadt und ein paar Ressourcen. Dazu habt ihr noch drei Karten auf der Hand und das war es schon. Daraus sollt ihr also im Zeitraum von 10 Runden mit jeweils 3 Aktionen euere Unterwasser-Infrastruktur aufbauen.

Dabei sind die eigentlichen Aktionen recht simpel: Wenn ihr dran seid, wählt ihr eine Aktion aus, die nun kein anderer mehr machen kann. Zu den Aktionen gehören natürlich die Klassiker wie Ressourcen einsammeln und Ressourcen in Gebäude umwandeln. Aber neben diesen gibt es eben noch die spezielleren Aktionen, wie zum Beispiel Ansehen bei der Föderation zu sammeln. Dies gibt euch nicht nur verschiedene Boni, es bestimmt auch die Startreihenfolge in der nächsten Runde. Oder ihr nutzt die Aktion, die euch Karten nutzen lässt, die ihr in früheren Runden in euren Spielebereich abgelegt habt.

Der Kniff an Underwater Cities liegt genau in diesen Karten. Sobald ihr eine Aktion spielt, müsst ihr auch eine Karte abwerfen, um die Aktion auszuführen. Das Besondere: Die Aktionen sind farbkodiert und auch die Karten sind farbkodiert. Spielt ihr nun eine Karte, die die gleiche Farbe hat wie die Aktion, dürft ihr zusätzlich zur Aktion auch noch den Effekt der Karte ausführen. So kann es Karten geben, die euch sofort mehrere Ressourcen zur Verfügung stellen oder z.B. Bau-Effekte haben. Andere Karten besitzen einen Dauer-Effekt, der zum Beispiel bei der Produktion greift.

Dieser Mechanismus ist sehr schnell verstanden und ihr müsst euch deswegen um den eigentlichen Spielablauf keine großen Gedanken mehr machen.

Es fühlt sich gut an

Underwater Cities TableauEines muss ich ganz klar über Underwater Cities sagen: Das Brettspiel spielt in der gleichen Liga wie ein Terraforming Mars oder eben ein Pulsar 2849. Doch im Gegensatz zu Terraforming Mars ist Underwater Cities überschaubarer. Klar, ich habe auch hier das Zufallselement enthalten, bei dem ich nicht weiß, welche Karten ich eigentlich bekomme. Aber dadurch, dass ihr immer genau 3 Handkarten habt, kommt ihr erst gar nicht in die Versuchung, die Karten zu horten. Denn ihr spielt ja immer eine Karte und bekommt genau eine Karte nach. In den seltenen Momenten, in denen ihr mal mehr als eine Karte auf der Hand hat, müsst ihr euch eben entscheiden und für eure Strategie unwichtige Karten abwerfen.

Und noch etwas spielt sich angenehmer als bei dem Brettspiel auf dem roten Planeten: Die Spielzeit ist um Einiges kürzer. Underwater Cities spielt ihr über 30 Runden nicht mehr und nicht weniger. Damit ist es überschaubar und jeder am Tisch kann seine Züge besser planen. Bei Terraforming Mars variiert die Spieldauer eben sehr stark von einer halben Stunde bis zu einer Marathon-Runde von vier Stunden ist alles enthalten. Bei Underwater Cities ist es einzig die Spielerzahl, die die Spieldauer nach oben treibt. Wobei das Spiel selbst mit zwei geübten Spielern schon gute anderthalb Stunden braucht. Pro Spieler könnt ihr somit mit ungefähr 45 Minuten für eine Partie rechnen.

Und obwohl die Spieldauer auf den ersten Blick für die heutige Zeit relativ hoch erscheint, spürt ihr dies während der Partie kaum, da die Downtime relativ kurz ist. Und das liegt einfach auch daran, wie ihr spielt. In den meisten Fällen such ihr euch die Aktionen aus, die zu euren Kartenfarben auf der Hand passen. Bei drei Karten müsst ihr also eigentlich nur 3 mögliche Aktionen im Auge behalten. Und selbst wenn euch eure Mitspieler genau die Aktion wegnehmen, die ihr ausführen wolltet, habt ihr ja eigentlich immer noch euren Plan B oder Plan C in der Rückhand. Das entschlackt den einzelnen Zug ungemein.

Klar funktioniert das nicht immer zu 100%, denn irgendwann kommt es eben dazu, dass genau die Aktionen weggenommen werden, die euch weitergebracht hätten und dann geht es darum, die verbliebenen Möglichkeiten abzuwägen. Aber das passiert eben relativ selten.

Das Ganze im Blick behalten

Underwater Cities TokenAm Ende geht es wie in jedem guten Eurogame natürlich darum, die meisten Punkte einzuheimsen. Und ähnlich wie in seinem Vorgänger-Brettspiel Pulsar 2849  wird alles am Ende der Partie berechnet. Ihr bekommt zwar auch schon während der Partie den ein oder anderen Siegpunkt, aber der Punktesalat wird nach Runde 30 erst richtig schmackhaft. So braucht ihr unbedingt den Blick fürs große Ganze. Denn auch wenn gefühlt euer Gegner die ganze Zeit nicht wirklich gut punktet und dies natürlich auch lautstark äußert, schnappt er euch vielleicht dennoch den Sieg vor der Nase weg. Das Rennen um die Siegpunkte ist knapp. Selbst mit Neulingen ist die Punktespanne am Ende recht knapp und so entscheidet schnell mal nur eine Handvoll Punkte über Sieg oder Niederlage.

Ich persönlich mag diesen Punktesalat am Ende, da ich dadurch nicht demotiviert werde während der Partie und das Abtragen der Punkte am Ende eben auch dazu führt, dass ich immer wieder mitfiebere. Und bei Underwater Cities seht ihr so auch, ob eure Strategie aufgegangen ist. Und Strategien gibt es einige. Neben den pro Spieler auf deren Tableaus ausliegenden Metropolen, gibt es auch noch Spezialkarten. Aus einem Pool an Karten werden diese zu Anfang des Spieles zufällig ausgewählt. So könnt ihr euch schon relativ früh auf eine Strategie einschießen, die euch am Ende genug Punkte bringen sollte. Und wenn ihr das Risiko mögt, könnt ihr natürlich auch darauf spekulieren, dass ihr zum Ende hin genau die Karten vom Kartendeck zieht, die euch auch noch einmal Punkte bescheren. Doch das müsst ihr für euch selbst entscheiden.

Underwater Cities kleines Leck

Underwater Cities KartenIch muss zugeben, Underwater Cities hat mich wirklich überrascht. Der elegante Farb-Karten-Aktionsfeld-Mechanismus kombiniert mit der schieren Anzahl an Karten und daraus resultierenden Möglichkeiten haben es mir positiv angetan. Doch leider ist nicht alles so rosig, wie es auf den ersten Blick wirkt. Und das liegt wie so oft bei Brettspielen aus Kleinstverlagen an der Qualität der Komponenten. Dabei wirkt es auf den ersten Blick durchaus positiv. Seien es die Plastikkuppeln, die eure Städte darstellen oder die Fabriken die ihr bauen könnt, die wir nur als Drops bezeichnen. Dazu kommt noch eine sehr gelungene Illustration und auch die Ikonographie, ist sehr gut gelungen, hat man einmal die Grundzüge des Spieles verstanden.

Der zweite Blick offenbart allerdings einige Schwächen. So sind die beidseitig bedruckten Spielertableaus sehr dünn und ihr habt unter Umständen das gleiche Problem wie bei Terraforming Mars. Einmal an den Tisch gekommen oder mit dem Ärmel über das Tableau gehuscht, schon verrutscht alles. Bei Underwater Cities ist es aber nicht ganz so schlimm, da die Komponenten auf euren Spielbrettern nicht gleichzeitig mehrere Bedeutungen haben können. Auch die Handkarten die ihr habt, sind etwas dünner als man es gewohnt ist. Und so ist es bei uns bereits der Fall, dass sich einige Karten mittlerweile leicht abgegriffen anfühlen. Dazu kommt noch, dass die Anzahl der Tokens für die Ressourcen recht beschränkt ist und es bei einer vier Spieler Partie schon einmal knapp werden kann.

Jetzt kommt aber das große ABER. Dies bezieht sich nur auf den ersten Print der englischen Version. Der zweite Print wird aufgewertete Komponenten enthalten. So werden die Spieler-Tableaus dicker sein und es wird auch mehr Tokens geben. Auch wird es eine komplette deutsche Version geben, die gleich mit den Verbesserungen daher kommt. Und solltet ihr zu dem kleinen Kreis an Spielern gehören, die wie wir die erste Version haben, könnt ihr euch trotzdem freuen, denn es wird ein Upgrade-Pack geben.

Zeit zum Auftauchen

Underwater Cities BoardgameUnderwater Cities war im Vorfeld der Spiel ein Auf und Ab. Ich hatte es auf meiner Liste und wollte es mir anschauen. Während einer der vielen Überarbeitungen im Vorfeld flog es wieder runter von meiner Liste. Doch wie das Schicksal es wollte, landete es dann wieder auf der Liste. Nachdem ich realisierte hatte, dass das Brettspiel ja von Vladimir Suchy war und ich ein Jahr später nicht den gleichen Fehler machen wollte wie bei Pulsar 2849.

Ich wurde nicht enttäuscht. Underwater Cities ist genau mein Spiel. Der langsame aber stetige Aufbau der Unterwasser Städte. Der simple Mechanismus, der einem dennoch verdammt viel Köpfchen abverlangt, um nicht unterzugehen. Und eigentlich recht untypisch für ein Eurogame, dass das Thema recht gut vermittelt wird. So fühlte ich mich das ein oder andere Mal eben wirklich in eine feuchte Welt versetzt. Es ist sogar so, dass mein geliebtes Terraforming Mars durch Underwater Cities abgelöst wurde.

Der für mich etwas bitter Beigeschmack ist die Spielzeit. Gerade im Spiel zu viert kommt es für meinen Geschmack zu einem kleinen Motivationsloch im letzten Drittel des Spieles. Runde 7-9 fühlen sich da ein klein wenig zäh an. Einen Eindruck den ich allerdings im 2er und 3er nicht wirklich fesstellen konnte. Vielleicht lag dies auch einfach nur daran, dass wir die Partien zu viert erst spielten, nachdem wir die 2er und 3er schon ein paar Mal absolviert hatten und wir gegenüber den anderen einfach einen Wissensvorsprung hatten.

Unterm Strich ist für mich Underwater Cities eines der besten Spiele des Spielejahrgangs 2019/ 2020. Da schaue ich auch gerne über die kleinen Mängel der Komponenten hinweg. Alle Achtung an Delicious Games die mit diesem Brettspiel einen super Start im hart umkämpften Brettspielmarkt hingelegt haben.


Underwater Cities ist bei Delicious Games erschienen.

Underwater Cities (2018)
Spieler:
1 - 4
Dauer:
80 - 150 Min
Alter:
12+
BGG Rating:
8.03
Verlag:
Delicious Games
BGG:

Für die Review von
Underwater Cities wurde uns ein preisreduziertes Rezensionsexemplar von Delicious Games zur Verfügung gestellt.



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4 Replies to “Underwater Cities – ein Brettspiel taucht auf”

  1. Danke für die Rezension. Eine Detailfrage zum Inhalt. Einmal nennt ihr die Rundenanzahl 10, ein anderes Mal 30. Welche Zahl ist richtig? Wenn 10, wie schafft man es damit 80+ Minuten zu füllen, wenn die Mechanik vergleichsweise “simpel” erscheint?

    1. Hi Tobias,

      also das Spiel hat insgesamt 10 Runden. Pro Runde hast du drei Aktionen, macht also insgesamt 30 Aktionen die du während des Spieles maximal zur Verfügung hast.
      Ich hoffe jetzt ist es klarer.
      Liebe Grüße Jan

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