Res Arcana – Mit 8 Karten zum Sieg

Res Arcana – Mit 8 Karten zum Sieg

Drachen erhebt euch und fliegt eurem Ziel entgegen. Vernichtet die Essenzen meiner Widersacher und druchkreuzt damit ihre finsteren Pläne. Denn nur ich bin der rechtmäßige Herrscher über dieses Land. Nicht umsonst habe ich Jahre meines Lebens damit verbracht, magische Artefakten zu suchen. Ich habe Bündnisse geschmiedet und sie gebrochen, habe weit entfernte Orte der Macht besucht, um noch mächtiger zu werden. Und ich besitze Res Arcana - die geheimnisvollen Dinge - voller magischer Energie.

Mit Res Arcana präsentiert uns Tom Lehmann sein neues Kartenspiel. Der Autor, der auch schon hinter Race for the Galaxy und Roll for the Galaxy stand, bringt uns wieder ein Kartenspiel, bei dem der Wettrenn-Charakter im Vordergrund steht. Ob das Spiel, welches auf Deutsch bei Asmodee Deutschland erschienen ist, uns genauso begeistern konnte, wie schon Roll for the Galaxy, könnt ihr in unserem Test zum Spiel nachlesen.

Res Arcana – die geheimnissvollen Dinge

Als ich das erste Mal die Regeln von Res Arcana las, konnte ich noch nicht glauben, dass dieses Spiel so funktionieren soll. Mit nur acht Karten im Deck sollte ich auskommen, um damit dann mehr Siegpunkte als meine Gegner zu sammeln. Gut, wenn ich meinen Magier noch dazu rechne, den ich am Anfang zufällig zugewiesen bekomme, dann sind es neun Karten. Aber auch das muss man sich noch einmal auf der Zunge zergehen lassen, mit acht Karten muss ich irgendwie eine Siegpunkt-Maschinerie aufbauen.

Natürlich bin damit nicht der einzige am Brettspiel-Tisch, der dieses Problem hat. Denn auch meine Mitspieler haben nur acht zufällig ausgewählte Karten, mit denen sie haushalten müssen. Doch so schrecklich wie es sich bis jetzt anhört, ist es dann doch nicht. Denn schon während der ersten Partie erkannte ich bestimmte Muster. Karten die einfach sehr gut zusammenpassen. Mit der einen Karte kommt ihr schnell an Ressourcen von denen es insgesamt fünf verschiedene Arten gibt. Und dann findet ihr heraus, dass eine Karte in eurem Deck perfekt zu der gerade gesammelten Ressource passt und ihr damit eine Kombo in eurem Spielbereich habt, die euch schnell Gold und damit verbunden Siegpunkte bringt.

Res Arcana Box

Aber und das ist das Erfreuliche an Res Arcana: Bei jeder neuen Partie werden die Karten im wahrsten Sinnes des Wortes neu gemischt. Und das macht das Kartenspiel mit seinem minimalistischen Ansatz zu etwas Besonderem. Erstaunlicherweise findet sich immer irgendein Weg, um mit seinen Karten an Siegpunkte zu kommen. Klar ist es nicht immer sofort ersichtlich und manchmal erkenne ich erst kurz vor Ende einer Partie, welche Kartenkombo ich da eigentlich auf der Hand habe. Das Problem hierbei ist der Wettrenn-Charakter.

Ein minimalsitisches Wettrennen

Denn Tom Lehmann als Entwickler des Spieles steht eben auch hinter Spielen wie Race to the Galaxy und Roll for the Galaxy, beides Spiele bei denen es ab dem ersten Zug darum, geht so schnell wie möglich Siegpunkte zu sammeln und auf das Ende der Partie zu spielen, bevor andere Kombos der Mitspieler ihre Wirkung entfalten können.

Und auch bei Res Arcana bleibt er diesem Grundprinzip treu: Wer als erstes 10 Punkte erreicht, läutet das Ende des Spieles ein. Geprüft wird dies nachdem ein Spieler gepasst hat und genau hier liegt die Krux. Denn wenn ich passe und genau meine 10 Punkte habe und vielleicht gerade den Sieg so halb in der Tasche habe, können meine Mitspieler noch fröhlich weiterspielen, bis sie eben auch passen. Allerdings können sie bis dahin eben auch noch weiter Punkte sammeln und nur weil ich mit 10 Punkten das Ende eingeläutet habe, heißt es nicht, dass ich den Sieg davon trage.

Dabei ist das Spiel überraschend schnell erklärt. Jeder sucht sich einen Magier aus, bekommt acht Karten und kann so lange Karten ausspielen und Aktionen auf den Karten nutzen bis man entweder freiwillig passt oder passen muss, weil man keine Aktion mehr durchführen kann. Natürlich braucht es auch Ressourcen oder Essenzen, wie sie in Res Arcana genannt werden, mit dem ich meine Karten bezahle oder die ich auch brauche, um bestimmte Aktionen auslösen zu können. Diese bekomme ich normalerweise am Anfang einer Runde aber auch während der Partie werden genug Essenzen ausgeschüttet. Die Frage ist eben nur, was ich aus diesen Essenzen mache und wie schnell ich diese Essenzen in mögliche Siegpunkte umwandeln kann.

Res Arcana Orte der Macht

Res Arcana – Keyforge in klein?

Mich hat Res Arcana nach der ersten Partie gleich an Keyforge erinnert. Für mich ist es das gleiche Grundprinzip: Ich habe ein unbekanntes Deck in der Hand und muss versuchen, das Deck so zu spielen, dass es seine volle Stärke entfalten kann. Doch Res Arcana ist aus meiner Sicht noch etwas einfacher gestrickt. Die Karten sind intuitiver und die Ikonographie ist auch verständlicher. Hier hilft auch die sehr übersichtliche Spielhilfe. Ich konnte schon oft genug beobachten, wie versierte Spieler sich damit kurz nach der Spielerklärung gleich zurecht finden konnten. Von Vorteil ist es natürlich, wenn ihr schon über Erfahrungen mit Kartenspiele wie Magic The Gathering oder Epic verfügt, denn so sind viele grundlegende Spielkonzepte sofort verständlich.

Allerdings gibt es bei Res Arcana auch einige Stolpersteine. Der größte ist eben die limitierte Anzahl von acht Karten, die ich von Anfang an habe. Es kommen eben keine dazu. Ausgehebelt wird dies nur minimal durch die Monumente oder die Orte der Macht, die ich mir im Spielverlauf zulegen kann. Diese geben nicht nur Siegpunkte, sondern können mir auch zusätzliche Aktions-Möglichkeiten verschaffen. Der nächste Stolperstein lauert in Form der Erfahrung. Je öfter ich das Spiel gespielt habe, desto schneller erkenne ich Karten, die gut miteinander harmonieren. Das ist natürlich ein großer Vorteil gegenüber meinen Mitspielern, die vielleicht zum ersten Mal ein Res Arcana spielen. Da kann das Spielerlebnis dann schon frustrierend sein.

Res Arcana Essenzen

Achja, da war ja noch was

Das Thema sucht ihr in Res Arcana vergebens. Es wird zwar grafisch durch die guten Illustrationen versucht, eine magische Atmosphäre zu schaffen, allerdings bleibt während der eigentlichen Partie davon nichts übrig. Aber das war auch schon in Race for the Galaxy so. Da fühle ich mich auch nicht unbedingt wie ein galaktischer Zivilisations-Führer. Hauptsache die Engine läuft gut an und verhilft mir zum Sieg. Es geht sogar soweit, dass die einzelnen Essenzen im Laufe des Spieles nur auf ihre Farben reduziert werden. Ich nehme mir also keine Elan-Essenz sondern eben die rote Essenz.

Wer großartige Spieler gegen Spieler Interaktion sucht, wird ebenfalls nicht fündig bei Res Arcana. Zwar gibt es die Möglichkeit, andere Spieler anzugreifen, aber diese Angriffe verpuffen meistens und behindern den Mitspieler nicht in dem Umfang wie ich es mir vielleicht vorstelle. Denn meistens haben die Spieler eben ein Schutzschild, um Angriffe zu blocken. Oder sie können durch eine Karte eine Essenz abgeben, die sie in Massen haben, um den Angriff zu schwächen. Manchmal aber nerven diese Angriffe dann doch, weil ich sie halt nicht abwehren kann. Und dann sind die gerade gesammelten Essenzen, die ich eigentlich brauche, auch schon wieder weg.

Die meiste Spieler-Interaktion geschieht eher durch Karteneffekte. So gibt es eine Karte, die euch soviele blaue (Ruhe) Essenzen nehmen lässt, wie ein Gegner rote (Elan) Essenzen hat. Ein glücklicher Zufall, wenn ihr diese Karte habt und euer Gegenüber gerade an sehr viel rote Essenzen gelangt ist. Auch das Ausspieleneiner Karte im richtigen Moment ist ein wichtiges Element in Res Arcana, was aber auch wieder Spiel-Erfahrung braucht.

Res Arcana Magier

Res Arcana: einfach nur Wow

Was ich an dieser Stelle aber als sehr löblich hervorheben möchte, ist die Spielbarkeit auch für Leute mit Farbschwäche. Denn die hölzernen Essenzen sind genauso geformt, wie sie eben auch auf den Karten abgebildet sind. Hier hat Sandcastle Games, der Original Verlag, ganze Arbeit geleistet. Auch die Gestaltung des Inlays und die gesamte Ausstattung des Spiels ist auf einem – finde ich – sehr hohen Niveau.

Res Arcana hat mich von der ersten Partie an begeistert und ich freue mich jedes Mal darüber, wenn das Spiel auf den Tisch kommt. Der klare minimalistische Spiel-Stil spricht mich voll an und das Entdecken von neuen Kombinationen macht mir einfach nur Spaß. Und auch wenn eine als am Anfang gute aussehende Strategie einfach nicht zünden will, obwohl es ja beim Draften danach aussah, frustriert mich das nicht, sondern sorgt im Gegenteil dafür, es noch einmal auszuprobieren. Wobei das Draften bei geübten Spielern der Stand der Dinge sein sollte, um die Karten zu verteilen. Die ursprüngliche Variante das jeder Spieler zufällig acht Karten bekommt, ist einfach zu glückslastig und birgt Frust-Potential.

Dazu kommt: In allen bis jetzt gespielten Partien ist jedes Mal ein großer Spannungsbogen vorhanden. Denn je länger das Spiel dauert, desto mehr gewinnt es an Fahrt. Und so ist es nicht selten der Fall, dass der sicher geglaubte Sieg dann doch nicht verbucht werden kann, weil einer meiner Mitspieler auf einmal 4 Siegpunkte aus dem Hut zaubert und das Spiel mit der richtigen Karte auch noch vorzeitig beendet.

Res Arcana Kartenspiel

Mich hat Res Arcana wirklich so sehr überrascht, dass ich mittlerweile schon am Überlegen bin, ob ich das Kartenspiel vielleicht sogar dieses Jahr mit einem Brettspiel-Award auszeichnen möchte. Aber diese Entscheidung treffe ich ja nicht alleine.

Ich freue mich schon auf die Erweiterung Res Arcana: Lux et Tenebrae, die für den englischen Sprachraum angekündigt wurde. Diese bringt nicht nur neue Karten ins Spiel, sondern es kommen auch noch neue Orte der Macht und neue Monumente dazu. Gerade diese sind nach einigen Partien recht schnell ausgeluscht, hier fehlt es dann irgendwann an Abwechslung. Zudem sollen die Regeln für  weniger Spieler etwas angepasst werden.  Und schließlich soll auch die Spieler-Interaktion durch die Erweiterung weiter ausgebaut werden. Ob diese Erweiterung auch auf Deutsch herauskommen soll, ist noch nicht bekannt.

 


Bei Kartenspielen...

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Res Arcana ist auf Deutsch bei Asmodee erschienen.

Res Arcana (2019)
Spieler:
2 - 4
Dauer:
20 - 60 Min
Alter:
12+
BGG Rating:
7.81
Verlag:
Sand Castle Games, Asmodee
BGG:

Für die Rezension stand uns ein kostenloses Exemplar zur Verfügung.


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