Da bin ich nun, mein eigenes kleines Landgut, und ich kann damit machen, was ich möchte. Ein paar Hühner, vielleicht eine Kuh? Okay, nicht ganz, denn auf dem Markt scheint Gemüse gerade sehr begehrt zu sein. Dann lege ich am besten erst mal einen Gemüsegarten an und schaue, wo ich Zwiebeln oder Kürbisse herbekomme. Im Moment sind da aber irgendwie nur Baumsetzlinge und Getreide. Die Landarbeit ist wirklich verzwickt und knifflig. Ob das der Grund ist, wieso die Vorbesitzerin so günstig verkauft hat?
Unser Glücksrad hatte uns Landgut als erstes zu spielendes Brettspiel nach der SPIEL 2025 ausgespuckt. Also flux die Regeln gelernt und zusammen mit Tochter und Mann an den Tisch gesetzt. Bei einer Partie ist es dann auch nicht geblieben. Landgut kommt regelmäßig wieder auf den Tisch. Höchste Zeit, euch in einer Review zu erzählen, wie uns das Set-Collection-Spiel von Peter Prinz gefallen hat.
Viel Spaß beim Lesen!

Ländliche Idylle vs. Ressourcenwahn
Cozy Games sind ja bekanntlich gerade hoch im Kurs. Die Gestaltung und insbesondere das Cover der französischen Illustratorin Alizée Favier versprechen eine ländliche Idylle. Ein schönes kleines Wohlfühlspiel, in dem ich meine eigene Farm aufbaue, Gemüse und Obst anbaue und Tiere halte. Und Landgut ist keines dieser Spiele. Auch wenn die Optik das vielleicht andeutet, steckt hinter dem gemütlichen Äußeren ein knallhartes Wettrennen um Siegpunkte, bei dem ich meine Taktik in jeder Runde anpassen muss.
Auch Zeit muss man auf jeden Fall mitbringen. Wir haben festgestellt, dass ab einer Partie zu dritt es schon seine Zeit braucht, und da auch Kettenzüge möglich sind, in denen ich mehrere Aktionen durchführen kann, ergibt sich zwangsläufig eine gewisse Downtime, in der die anderen Personen am Tisch nichts zu tun haben. Es ist insofern dann doch ein gemütliches Spiel, als ihr euch mehr Zeit dafür nehmen müsst, als die Schachtelgröße vielleicht vermuten lässt.

All the Landarbeiter belong to me
Da das nun geklärt ist, kommen wir doch zu dem, was wir tun müssen, um unser Landgut mit Leben zu füllen? Wir nutzen unsere Arbeiter-Meeple, um mit ihnen Karten aus der allgemeinen Auslage zu ziehen, Karten von unserer Hand in unsere Sammlung zu spielen und hoffentlich Aufträge mit den erzeugten Waren zu erfüllen. Damit verdienen wir Punkte, die gleichzeitig der Countdown zum Spielende sind. Gespielt wird, bis jemand das Ende der Siegpunktleiste erreicht plus zwei weitere Züge.
Zu Beginn der Partie sind meine Möglichkeiten noch beschränkt, aber anders als in anderen Workerplacement-Spielen, kann mir niemand meine Einsatzfelder wegnehmen. Die befinden sich nämlich auf meinem eigenen Arbeitstableau, auf dem ich mit der Zeit weitere Felder freischalten kann. Sind meine vier Arbeiter zu Beginn noch absolut ausreichend, wünsche ich mir später eigentlich noch ein paar mehr.
Weitere Einsatzfelder schalte ich mir frei, indem ich Aufträge erfülle und dafür Marker von meinem Arbeitstableau entferne. Auch hier verbaut mir niemand was. In welche Richtung ich meinen Hof entwickle, liegt ganz bei mir. Sind meine Arbeiter alle eingesetzt, oder eventuell auch vorher, wenn ich eine bestimmte Aktion frei machen möchte, muss ich den Tag beenden und meine Arbeiter zurückholen. Je nachdem, wie viele Arbeiter ich zurückgeholt habe, kann ich nun Marktaktionen ausführen. Hier geht es vor allem darum, Ressourcen oder Karten zu verkaufen, um Münzen zu erhalten oder an neue Karten zu gelangen. Auch hier kann ich im Laufe der Partie weitere spannende Felder freischalten. Zum Beispiel auch die Möglichkeit, in dieser Phase noch einmal Aufträge zu werten, denn das kann ich auch nicht einfach so und muss ansonsten Arbeiter dafür einsetzen.

Der Hahn legt keine Eier, die Hühner schon
Die Aufträge, um die es geht, sind sowohl in der allgemeinen Auslage zu finden als auch auf meinen Gebietskarten, die Plätze für die Karten mit den eigentlichen Pflanzen, Tieren und Angestellten vorgeben. Davon gibt es fünf verschiedene und jede der Karten möchte auf ein oder zwei ganz bestimmte Gebietskarten gebaut werden. Weizen wächst nun mal auf dem Acker und nicht im Haus. Die Katze dagegen fühlt sich sowohl im Haus, als auch im Garten wohl.
Apropos Karten: Wenn ich welche aus der Auslage nehmen möchte, muss ich Karten nehmen, die nebeneinander liegen. Das ist manchmal recht ärgerlich, insbesondere, da ich versuche, mir auf meinem eigenen Hof eine Engine aufzubauen, um so effizient wie möglich an die benötigten Ressourcen zu gelangen. Ich möchte zum Beispiel erst viele Hühner ausliegen haben, die jeweils beim Ausspielen eine Eier-Ressource generieren. Wenn ich dann nämlich den Hahn ausspiele, legt jedes Huhn noch einmal ein Ei. Davon gibt es einige Kombinationen zu entdecken, es ist jedoch oft schwierig, gezielt an die passenden Karten für eine reibungslos laufende Engine zu gelangen. Der allgemeine Kartenstapel ist zwar dick, es ist aber nicht ungewöhnlich, dass man während einer Partie nachmischen muss.

Aufträge erfülle ich entweder, indem ich eine bestimmte Anzahl an Karten mit einem bestimmten Symbol besitze, oder indem ich Waren oder Münzen abgebe. Bei den öffentlichen Aufträgen kann ich außerdem wählen, wie gut ich diese erfüllen möchte. Ich kann meine Marker früh legen, weniger Punkte erhalten und dafür mein Tableau früher um neue Aktionen erweitern. Oder ich gebe mehr Ressourcen ab, habe mehr der geforderten Symbole und bekomme mehr Siegpunkte, was mich näher an das Ende der Siegpunktleiste bringt.
Double-Use-Token – Korb ist nicht gleich Korb
Gerade bei den Ressourcen besticht Landgut mit einer cleveren Komponente. Denn beides ist auf demselben Token. Auf der einen Seite habe ich Körbe, die in meinem Vorrat einfach leer sind. Befinden sie sich auf einer meiner Karten, stellen sie aber die zugehörige Ressource dar. Beispielsweise kann das ein Ei bei einem Huhn, oder Äpfel auf einer Apfelbaum-Karte sein. Ich muss daher aufpassen, dass ich meine Marker auf den Karten nicht versehentlich verschiebe, denn auf einer anderen Karte ist der Apfel dann vielleicht Honig. Ihr versteht das Problem.
Nun hat jede Person am Tisch die fixe Anzahl von 15 Markern und kann nicht nach Belieben neues Geld oder neue Körbe aus dem Vorrat holen. Das macht das Ressourcenmanagement nochmal zu einer herausfordernden Sache. Einige Aufträge brauchen bis zu 11 davon auf einer bestimmten Seite. Dafür braucht es gutes Planen und das ist einer der Kniffe bei Landgut, der mir besonders gut gefällt.

Kritik ist allerdings bei der Ikonografie angebracht. Es gibt einen Haufen an Symbolen. Jede Art von Ressource, z.B. Getreide oder Tiere, weist einen eigenen farbigen Symbol-Hintergrund auf, der bei allen Karten dieses Typs gleich ist. Dann gibt es aber verschiedene genaue Arten von Getreide, die alle ein eigenes Symbol auf dem Hintergrundsymbol haben. Das klingt kompliziert und ist verwirrend, da Hafer, Weizen und Roggen schon ziemlich ähnlich aussehen. Das ist immerhin alles Getreide. Deshalb erklären wir diesen Umstand immer ganz genau, wenn wir Landgut neuen Spielenden vorstellen. Das betrifft dann auch die öffentlichen Aufträge. Hier meint eine unförmige schwarze Form Tiere und das dunkelbraune Oval meint Gemüse. Checkt man nicht immer, insbesondere bei schummrigem Licht, und dies hätte man bestimmt auch anders lösen können.
Fazit
Peter Prinz hat in Landgut einige wirklich clevere Ideen verbaut. Allein das Ressourcenmanagement und die Tableau-Freischaltung im Laufe des Spiels machen jede Partie anders und man hat durch die vielen Möglichkeiten Lust, alles in der Tiefe zu erkunden.
Bisher hat Landgut fast jeder Person gefallen, mit denen wir es gespielt haben. Meist waren die Reaktionen regelrecht überrascht, wie viel Spiel in der doch recht kleinen Schachtel steckt. Die Kritikpunkte der Übersichtlichkeit sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Und auch die Menge der verschiedenen Karten macht es schwer, als unerfahrene Person mit erfahrenen Mitspielenden mitzuhalten, die bereits eine bessere Vorstellung davon haben, wie man die großen Aufträge erfüllt bekommt.
Auch zur ganzen Wahrheit dazu gehört außerdem, dass wir recht solitär nebeneinander her spielen. Der Vorteil ist dabei ganz klar, dass mir niemand meinen mühsam aufgebauten Bauernhof kaputt machen kann. Der Nachteil ist aber auch, dass ich einfach nichts zu tun habe, wenn jemand anderes am Zug ist und dafür etwas länger braucht. Beliebt ist zum Beispiel das Austauschen der Auslage, bei dem man dann nochmal eine der neuen Karten nehmen darf. Je weiter die Partie voranschreitet, desto genauer müssen die Züge geplant werden, denn hier wird knallhart optimiert.
Die hübsche Grafik ist also leider irreführend. In unserem Fall ist das nicht schlimm, denn wir mögen solche Hirnzwirbler und auch Engine-Building ist hier auf jeden Fall beliebter als einige andere Mechaniken. Und das macht Landgut dann auch wirklich gut. So freue ich mich auf eine weitere Partie, vielleicht mit ein oder zwei neuen Opfe… ähm Mitspielenden, denen wir Landgut zeigen können.
Euer Rating zu Landgut
Landgut ist auf Deutsch bei dlp Spiele erschienen.
Stellst du Vieh auf saftigen Weiden, pflanzt du Obstbäume im Garten oder setzt du auf den Anbau kräftiger Feldfrüchte?
Finde die perfekte Balance und verwalte deinen Hof geschickt, um den Titel des besten Landwirts weit und breit zu erringen.
Also: Ärmel hochkrempeln, Land planen und dein Landgut zum Leben erwecken!
Für die Review stand uns ein selbst gekauftes Exemplar zur Verfügung.






