Merlin – Brettspielen für den König

Merlin – Brettspielen für den König

Merlin SPIEL 2017Da lachen und reden sie, 12 Stück an der Zahl, die Ritter der Tafelrunde. An ihrem runden Tisch in Camelot wird das junge England regiert. Doch das Reich ist bedroht. Verräter gibt es in allen Ecken des Landes und sie trachten den Rittern nach dem Leben. Doch mit Geschick und genug Einfluss und dem Gebrauch des Schwertes können sie sich den Meuchelmördern erwehren. Achja und dann gibt es da noch Merlin und der hat nichts anderes im Kopf, als um den Tisch herumzutanzen.

Wir hatten schon einmal einen Ersteindruck zu Merlin geschrieben, kurz nachdem wir es auf der SPIEL gespielt hatten. Nun ist etwas Zeit verstrichen und das Brettspiel hat sogar noch eine Erweiterung spendiert bekommen. Zeit für uns, den alten Haudegen Merlin zu besuchen und zu schauen, ob sich unser Ersteindruck bestätigt hat oder nicht. Wo wir schon dabei sind, schauen wir uns auch an, ob Merlin die Erweiterung Arthur braucht.

Merlin ein Rebell

Wie schon im Ersteindruck von Merlin beschrieben, seid ihr ein Ritter am Hofe von Arthur. Ihr würfelt eure Würfel. Danach könnt ihr im Kreis um die Anzahl an Augen auf den Würfel, um den Tisch herumziehen. Dabei löst ihr verschiedene Aktionen aus, die euch Schilde geben, Einfluss oder eben auch ein Stück Land. Den genauen Ablauf könnt ihr gerne noch einmal im Ersteindruck nachlesen.

Nach einigen Partien Merlin hat sich das Bild vom Brettspiel allerdings ein bisschen differenziert. Klar, am Anfang war ich von dem Brettspiel überrascht. Doch mit der Zeit gab es kleine Risse an der Oberfläche. Dies macht Merlin aber nicht zu einem schlechten Brettspiel. Es macht Merlin zu einem Brettspiel, das ich jetzt etwas anders betrachte, als eben zu dem Zeitpunkt, wo es uns das erste Mal erklärt wurde.

Merlin Brettspiel

Wo Merlin nicht so gut punkten kann, ist die Spieleranzahl. Spielt ihr zu zweit, dann kommt Merlin nicht so richtig in Schwung. Aber damit ist nicht das Brettspiel gemeint, sondern eben die Spielfigur Merlin. Diese wird durch den weißen Würfel bewegt, was in einer Zwei-Personen Partie einfach einen Tick zu wenig passiert. Zu oft komme ich an den Punkt, wo ich Merlin auf unnötige Felder ziehe, die mich nicht wirklich weiterbringen. Da hilft es auch nicht, dass ich Merlin gegen den Uhrzeiger-Sinn ziehen kann. Und weil ich ja nur einen Gegenspieler habe und dessen Würfel auch offen sind, kann ich mir ja die möglichen Aktionen schon ausmalen, die in einer Runde möglich sind.

Besser wird es, wenn ihr das Brettspiel mit mehrern Spielern spielt. Mit mehr Mitspielern kommt mehr Bewegung und mehr Ungewissheit ins Spiel. Ich muss mich rechtzeitig entscheiden oder auf den richtigen Augenblick warten, bis ich Merlin bewege. Da muss ich mir gegenüber ehrlich bleiben und einfach sagen, Merlin spielt sich zu dritt oder viert einfach besser, auch weil Aktionen wie das Kopieren eines Aktionsfeldes eines Mitspielers öfter Sinn ergeben.

Die Downtime steigt

Haben wir noch im Ersteindruck davon geschwärmt, wie gering die Downtime ist, hat sich dies nun geändert. Spielten wir in Essen noch aus dem Bauch heraus, weil wir ja nichts von dem Brettspiel und seiner Verzahnung wussten, ist dies nun ein bisschen anders. Wenn ihr das Brettspiel besser kennt, macht ihr euch auch mehr Gedanken. Nun macht es auf einmal schon einen Unterschied, ob ich zuerst mit der Drei vorwärts ziehe oder mit der Vier. Das passiert natürlich nicht nur bei mir, sondern auch beim Gegenüber und dadurch steigt einfach, die Zeit die es braucht, um eine Partie Merlin zu spielen. Das ist in meinen Augen allerdings kein großes Problem, ihr solltet euch aber eben darauf gefasst machen. Habt ihr Grübler am Tisch, kann das eigentlich simple und flotte Spielprinzip schnell gebrochen werden.

Merlin Brettspiel Spielertableau

Dagegen bleibt alles andere wie schon beim Ersteindruck: Die pure Vielfalt an Punkte zu kommen gefällt uns einfach immer noch und auch der damit verbundene Ansatz verschiedene Strategien wählen zu können, um zu siegen. Setze ich auf Aufträge die mir kurzfristig Punkte bringen und meinen Abstand immer weiter ausbauen oder baue ich auf eine langfristige Strategie, in der ich mehr auf teure Burgen setze oder den Einfluss am Hof. So bleiben die Partien spannend und jede Zwischenwertung sorgt so für Freude, weil ich doch mehr Punkte rausgeholt habe als gedacht oder Frust, weil ich mit insgesamt 5 Punkten weit zurückliege.

Merlin und das Glück

Keine Frage, König Arthur kann von Glück reden, einen treuen Berater wie Merlin zu haben. Allerdings ist das mit dem Glück halt so eine Sache bei Merlin. Manchmal läuft es einfach nicht, wenn die Würfel schlecht für mich fallen, dann bin ich aufgeschmissen. Habe ich nur niedrige Werte geworfen, komme ich mit meinen Ritter einfach nicht an die Felder, die ich brauche, während meine Mitspieler mich ohne Probleme überholen und scheinbar immer genau so würfeln, dass es in ihre Strategie passt.

Merlin Brettspiel Arthur Pikten

Auch bei den Aufträgen hat das Brettspiel einen sehr starken Glücksfaktor. Einige Aufträge sind einfacher zu erfüllen als andere, geben aber auch weniger Punkte Doch auf die Dauer des Spieles gesehen, können diese kleinen Punkte schon den Ausschlag geben über Sieg oder Niederlage. Ziehe ich am Anfang Aufträge, die sehr schwer erfüllbar sind, laufe ich anderen hinterher und wenn dann noch das beiliegende Modul genutzt wird, bekommt ihr selbst mit leichten Aufträgen Boni, die euch das Brettspiel teilweise dominieren lassen.

Kommt nun Würfelpech zusammen mit Auftragspech, kann eine Partie Merlin sehr frustierend werden. Dessen muss ich mir bewusst sein und muss so etwas auch wegstecken können. Somit ist Merlin ein weiterer Vertreter an modernen Brettspielen, die auf einen starken Glücksfaktor setzen, obwohl es sich eigentlich um ein Eurogame handelt.

Und dann traf Merlin Arthur

Soviel erst einmal zum Grundspiel, kommen wir nun zur Erweiterung. Schon ein Jahr später wurde mit der Erweiterung Arthur, das Brettspiel um den Magier Merlin ein klein wenig aufgepeppt und sogar noch etwas verbessert. Wenn ihr die Erweiterung habt, bekommt ihr neben einem neuen Rondell auch neue Würfel an die Hand. Neben Merlin und eurem Ritter, könnt ihr nun eben auch Arthur steuern. Arthur bringt seine eigenen Aktionen mit und wie es sich für einen König gehört, sind diese auch relativ mächtig. So könnt ihr mit Hilfe von Arthur eine Burg eures Gegners einfach durch eine Burg aus eurem Vorrat ersetzen, was die Mehrheitsverhältnisse sehr stark verändern kann und schnell Siegpunkte kostet.

Merlin Brettspiel Arthur Aufträge

Desweiteren bringt die Erweiterung nun noch die Pikten ins Spiel, die mit Hilfe von Arthur besiegt werden können. Für jeden besiegten Pikten gibt es erst einmal nur Punkte, aber auch einen Bonus, wie zum Beispiel zusätzliche Flaggen oder Ressourcen. Während einer Wertung werden die Punkte der Pikten verglichen. Der Spieler mit den meisten Punkten bekommt Bonuspunkte, der mit den wenigsten muss in den sauren Apfel beißen und Minuspunkte kassieren.

Es ändern sich auch noch ein paar der Flaggen: Die Funktion der Flaggenfarben Schwarz und Grau aus dem Grundspiel wurden geändert. Mit Schwarz könnt ihr nicht mehr alle Verräter eines Stapels töten, sondern nur noch einen Würfel manipulieren. Bei der grauen Flagge ist die Aktion nicht mehr, dass ihr zwei Aufträge pro Zug erledigen könnt. Ihr könnt nun Würfel in der Farbe benutzen, die ihr braucht.

Arthur macht das Spiel runder aber auch länger

Ein Würfel mehr zum Einsetzen bedeutet auch 6 Aktionen mehr, die euch zur Verfügung stehen. Unterm Strich wird dadurch eine Partie einfach länger. Allerdings bringt dieser eine Würfel mir auch etwas. Neben mächtigen neuen Aktionen, wird durch die Pikten zum Beispiel auch mehr Druck auf die Mitspieler ausgeübt. Schnappe ich mir einen Pikten, müssen die Mitspieler über kurz oder lang mitziehen, um nicht mit Minuspunkten bestraft zu werden. Das sorgt unbewusst für mehr Wettbewerb und tut dem Brettspiel gut. Zuvor war man ein bisschen zu sehr auf sein eigenes kleines Spielerreich beschränkt.

Merlin Brettspiel Arthur Ritter

Dass die starken schwarzen Flaggen entfallen sind, ist zwar schade, aber spielerisch macht es Sinn. Gerade wenn ihr Glück beim Ziehen der Verräter hattet und mehrere in einen Slot kamen, war es nur sinnvoll sich eine schwarze Flagge zu besorgen. Dies ist nun entschärft und die Möglichkeit den Würfel zu manipulieren, hätte das Grundspiel schon gebraucht. Auch dass die Aufträge nun durch den Tausch der grauen Flagge limitierter sind, rundet das Spiel ab. Für mich ist der schon beschriebene Glücksfaktor bei den Aufträgen dadurch abgeschwächt worden.

Die verflixte Zwei

Ein bisschen zwiegespalten lässt mich die Erweiterung zurück, wenn es um die Schwäche in einer Zwei-Spieler-Partie geht. Zum einen ist da nicht mehr dieses Gefühl, dass es nicht mehr vorwärts geht. Durch die dritte Figur Arthur ist eine weitere Ebene hinzugekommen, was das Brettspiel im 2er Modus interessanter macht. Allerdings ist das Problem der Mehrheiten im Zwei-Personen-Spiel immer noch vorhanden. Hier gibt es weiterhin nicht genug Dynamik, wie es in Partien mit mehr Spielern einfach der Fall ist. Erschwerend sind hier auch die Pikten, eine Klasse Idee für drei Spieler und mehr, wieder mal nicht so gut für zwei Spieler. Denn bei den Pikten gibt es immer genau einen Verlierer und einen Gewinner und mit Würfelpech komme ich aus dieser Zwickmühle auch nicht raus.

Merlin Brettspiel Arthur Würfel

So bleibt abschließend zu sagen, die Erweiterung macht aus dem Kennerspiel Merlin ein noch runderes Brettspiel. Einen kleinen, sauren Drops muss ich allerdings lutschen, indem nämlich die Spielzeit steigt. Auch die netten Gimmicks die Queen Games noch dazu gibt, machen Arthur zu einer gelungenen Erweiterung. Neben einer Ablage für Auftragskarten bekommt ihr nun auch eine Ablage auf der ihr eure Würfel einsetzen könnt, um so nicht mehr durcheinander zu kommen. Ich finde es gut, dass die Erweiterung das bewährte Spielprinzip des Grundspieles nicht verändert hat. Merlin bleibt dadurch weiterhin ein einfaches Kenner-Brettspiel, dass ich nun nicht mehr ganz so flott spielen kann. Mehr Würfel und mehr Aktionen kosten einfach auch mehr Zeit.


Merlin und die Erweiterung Merlin: Arthur sind bei Queen Games erschienen.

Merlin (2017)
Spieler:
2 - 4
Dauer:
75 Min
Alter:
14+
BGG Rating:
7.1
Verlag:
Queen Games
BGG:
Merlin: Arthur Expansion (2018)
Spieler:
2 - 4
Dauer:
75 Min
Alter:
14+
BGG Rating:
7.9
Verlag:
Queen Games
BGG:

Für die Rezension stand und ein kostenloses Brettspiel Exemplar zur Verfügung.



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