Review: Suspects - Das Detektivspiel

Suspects – Tödliche Spuren & Letzter Auftritt

Suspects: Das Detektivspiel von KOSMOSDas alte schottische Herrenhaus liegt einsam vor mir. Ich wurde gerufen, um den Mord an der armen Miss Mary Higgings aufzuklären. Eine angesehene Familie, die Allisters, aber Mord kommt ja in den besten Familien vor. Mir ist hier bereits jetzt einiges suspekt, denn so beliebt, wie alle tun, kann die arme Mary ja nicht gewesen sein. Gehen wir’s an.

Der Kosmos-Verlag hat eine neue Reihe mit Detektivspielen ins Regal gestellt. Unter dem Titel Suspects sind aktuell 3 Teile erschienen: Tödliche Spuren, Letzter Auftritt und Ewiger Fluch. Der Autor Guillaume Montiage lässt uns hier unter Mitwirkung wechselnder weiterer Autoren als renommierte Detektivin Claire Harper in kniffligen Fällen ermitteln. In unserer Review erfahrt ihr, wie uns die beiden gespielten Fälle gefallen haben.

Viel Spaß beim Lesen!

Miss Harper, übernehmen Sie

Die Protagonistin von Suspects ist die Detektivin Claire Harper, in deren Rolle wir gemeinsam schlüpfen und die bereits einige Bekanntheit erlangt hat. Alle Fälle spielen in den 1930er Jahren im schottisch-britischen Dunstkreis und bringen damit automatisch einen gewissen Agatha Christie/Miss Marple-Flaire mit sich. Zur Atmosphäre tragen auch die sehr schönen Illustrationen von Émile Denis bei, der bereits bei Kemet  (ebenfalls von Guillaume Montiage) und Hit Z Road sehr gute Arbeit geleistet hat.

Darum geht’s – Suspects: Tödliche Spuren

Im Herrenhaus der Familie Allister aus Schottland ist ein Mord geschehen. Die arme Mary Higgins ist erdrosselt worden. Und auch der Hausherr ist bereits seit einigen Tagen verschollen. Was geht in dieser angesehenen Familie vor? Wir erkunden das Herrenhaus und stoßen dabei auf Spuren, die der Täter hinterlassen hat. Hängen die beiden Fälle zusammen? Und wer hätte ein Motiv?

Darum geht’s – Suspects: Letzter Auftritt

Die Schauspielerin Cecilia Purcell ruft Claire Harper zu Hilfe, da sich in den King’s Theatre in Edinburgh, in dem sie gerade für ihr nächstes Stück probt, seltsame Ereignisse zugetragen haben. Als Claire ankommt, ist der Hauptdarsteller gerade erst während der Proben von einer herabfallenden Requisite erschlagen worden. War es ein Unfall? Oder befindet sich ein Mörder unter den Angestellten und Schauspielern des Theaters?

Suspects - Das Detektivspiel - Material - Letzter Auftritt

Kartenstapel zum Ermitteln

Als ich die erste Schachtel von Suspects mit dem Titel „Tödliche Spuren“ geöffnet hatte, gab es erst mal nichts Besonderes zu sehen. Die Regeln, ein Kartenstapel, ein Einleitungsblatt, ein Auflösungsblatt und ein paar Dokumente. Mehr braucht es nicht zum Ermitteln. Und auch die Regeln sind erfreulich einfach gehalten. Wir können die Räumlichkeiten des Schauplatzes erkunden, mit Verdächtigen sprechen oder Details in den Räumen untersuchen. Im Endeffekt laufen aber alle drei Optionen darauf hinaus, dass wir uns die entsprechende Karte aus dem Stapel heraussuchen und diese vorlesen oder sie genauer begutachten.

Dabei können wir sehr frei entscheiden, in welche Richtung wir weiter ermitteln möchten. Möchten wir uns zuerst den Schauplatz des Verbrechens genauer anschauen oder doch diese eine Person weiter befragen? In Endeffekt macht es aber kaum einen Unterschied, denn sehen werden wir alle Karten im Deck auf jeden Fall.

Zwischenstand: Was wissen wir eigentlich?

Nach 30 gesehenen Karten müssen wir zum ersten Mal unsere Detektiv-Künste unter Beweis stellen und Antworten auf Fragen zu Täter, Motiv und Umständen des Verbrechens aufschreiben. Nach 45 Karten können wir, falls nötig, unsere Antworten noch einmal korrigieren. Und nachdem wir alle 60 Karten gesehen haben, könnten wir unsere Antwort ebenfalls noch einmal ändern. Dem ganzen liegt natürlich ein ausgeklügelter Wertungsmechanismus zugrunde, bei dem wir mehr Punkte erhalten, je früher wir etwas wussten.

Suspects - Das Detektivspiel - Dokumente

Von schlecht zu findenden Spuren und schlüssigen Beweisen

Doch natürlich gibt es auch bei Suspects Mechanismen, die uns in unserer Freiheit der Ermittlung ein wenig einschränken. So gibt es Karten, die können wir erst aufdecken, wenn wir eine bestimmte Anzahl an Symbolen auf anderen Karten entdeckt haben. Bei Suspects: Letzter Auftritt ist das unter anderem der Mitarbeiter, der grundsätzlich zu spät kommt und den wir erst vernehmen können, wenn wir drei Uhrsymbole offengelegt haben. Dabei fällt schon auf, dass auf den Karten, die das entsprechende Symbol tragen, immer wieder von besagtem Mitarbeiter die Rede ist. Allerdings ist es schwierig, gezielt darauf hinzuarbeiten, ebendiese Karten zu finden, da die Gesprächsthemen sehr vage sind. Gleiches ist uns bei Suspects: Tödliche Spuren aufgefallen. Dort ist es ein Arzt, auf den wir warten, doch gezielt die Karten mit passenden Symbolen finden, ist fast unmöglich.

Ein schöner Mechanismus wiederum ist das Verbinden mehrerer Karten, um einen schlüssigen Beweis zu haben oder einfach einen passenden Gegenstand zu finden. Hierfür haben einige Karten farbige Linien, die am Rand enden. Finden wir eine Karte, die ebenfalls eine farbig passende Linie aufweist, legen wir sie an, um zu erfahren, ob sie zu der anderen Karte passt. Das kann zum Beispiel zu einem beim Mord verwendeten Gegenstand führen, Fingerabdrücke Personen zuordnen oder aber einfach einen passenden Schlüssel einer bestimmten Tür zuordnen. Besonders in Suspects: Tödliche Spuren hat uns das hervorragend gefallen.

Suspects - Das Detektivspiel - Beweise

Generell fühlten sich aber einige Entdeckungen eher wie Zufall an, als unserer (selbstverständlich exzellenter) Ermittlungsarbeit geschuldet. Hinter jedem zu untersuchenden Gegenstand könnte sich ein wichtiger Hinweis verbergen… oder eben auch nicht.

Logisch und ausufernd ausführlich

Die Fälle selbst sind schön und sauber konstruiert. Hier wurde wirklich gründlich gearbeitet. Es gibt ein paar falsche Spuren, aber auch genügend Hinweise darauf, was eigentlich passiert ist. Leuchtend rote Heringe mit inbegriffen. Wer alle Karten gelesen hat und auch nur etwas Rätsel- und Krimi-affin ist, der sollte die Fragen problemlos beantworten können. Die Auflösung am Ende ist noch einmal sehr ausführlich gehalten, beim Letzten Auftritt für uns sogar zu ausführlich. Aber wer nicht gerne liest, für den ist Suspects ohnehin nichts, denn es gibt wirklich viel Text, den es auf dem Weg zu Lösung zu lesen gilt. Und es gibt viele viele Namen. Besonders zu Beginn des Falls erschlägt mich diese Vielzahl an Personen regelmäßig.

Andere Verlage haben auch schöne Krimispiele

Der Kartenstapel, aus dem man die passende Karte zum nächsten Ermittlungsschritt herauszieht, ist keine Neuerung. Auch Detective hat das bereits getan, Crime Stories und diverse andere Reihen tun dies ebenfalls. Suspects beschränkt sich hier jedoch auf das Wesentliche. Es gibt keinen Zeitdruck und schon gar keine Spuren, denen ihr vielleicht nicht folgen könnt, weil ihr in eine andere Richtung ermittelt habt. Gerade Detective musste hierfür viel Kritik einstecken. Dem wollte Guillaume Montiage anscheinend entgehen und hat einfach beschlossen, dass wir alles sehen und wissen dürfen. Für mich ist das Ergebnis eher ein interaktiver Kriminalroman, bei dem ich bestimmte Stellen vor anderen lese. Dazu passt auch der viele Text, der im Vergleich redaktionell aber ziemlich gut wegkommt. Leider wiederholen sich viele Informationen innerhalb der Texte, dafür weiß man dann aber auch, dass hier niemand lügt.

Suspects - Das Detektivspiel - Plan Tödliche Spuren

Fazit: Was vom Abend übrig blieb

Insgesamt haben mir die beiden Abende, die ich mit Suspects verbracht habe, recht gut gefallen. Es erfindet aber definitiv das Rad nicht neu. Nach meinem Geschmack hätten die Fälle durchaus etwas kürzer ausfallen dürfen. Gefallen haben mir die gut konstruierten Fälle aber dennoch. Es ist erfreulich, sich einmal nicht über gravierende Logiklücken bei der Auflösung eines Falls wundern zu müssen. Nach zwei Fällen ist jetzt allerdings schon etwas die Luft raus. Besonders das Kartenzählen, um zu wissen, wann die magische 30 bzw. 45 Karten-Grenze erreicht ist, hat uns während des Spiels gestört. Irgendwann liegen so viele Karten auf dem Tisch, dass es schwer wird, den Überblick zu behalten, wenn für die nebenher geführte Strichliste abermals nachgezählt werden muss. Mehr hätte ich mir von dem Mechanismus der Verbindung von Gegenständen, Beweisen und Personen gewünscht. In Suspects: Tödliche Spuren kam hierdurch mehr das Gefühl von Ermittlungsarbeit auf, als beim Fall Suspects: Letzter Auftritt. Und so bin ich noch unschlüssig, ob ich weiteren Fällen noch eine Chance geben werde oder dann doch zu einem neuen System greife, um wieder etwas Neues auszuprobieren.


Euer Rating zu Suspects


Suspects ist auf Deutsch bei Kosmos erschienen.

Suspects (2021)
Spieler:
1 - 6
Dauer:
60 - 90 Min
Alter:
10+
BGG Rating:
7.59
Verlag:
KOSMOS
BGG:

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.