Mist, mein Faultier schläft schon wieder. Wenn ich das nicht bald bewege, kommt es gar nicht mehr im Zoo an und bringt mir auch keine Punkte. Für den Pinguin brauche ich erst noch ein Plättchen, damit er direkt neben den Zoo-Eingang schlittern kann. Ich könnte aber auch den dritten Wolf in Richtung Tor schicken, denn seine beiden Kameraden warten bereits. Es ist gar nicht so einfach, alle Tiere nach so einer Nacht im Zoo wieder rechtzeitig in ihre Gehege zu bekommen.
Shooting Star Tomáš Holek kann nicht nur große Brettspiele machen, die einem das Hirn verzwirbeln. Nach Seti, Galileo Galilei und Tea Garden bringt er mit Nacht im Zoo nun ein Plättchenlege-Spiel mit knuffigen Tier-Meeplen beim tschechischen Verlag Albi raus. Eine süße Optik mit leicht creepy Cover-Illustration hat sofort unser Interesse geweckt. Wie gut das bei uns funktioniert hat, die Tiere nach ihrer Partynacht wieder zurück in den Zoo zu bringen, erfahrt ihr in unserer Review.
Viel Spaß beim Lesen!
Plättchen pflastern ihren Weg
Die Zoo-Tiere haben es also außerhalb des Zoos so richtig krachen lassen. Das erklärt vielleicht auch die riesigen Augen auf dem Cover. Kleines und wirklich nettes Gimmick: Sie leuchten sogar im Dunkeln, also einfach mal kurz das Licht ausmachen. Oder schieben wir die übergroßen Augen nicht auf die Party, sondern sagen wir, dass das Cover den Moment festhält, in dem sie gerade bei ihrer Rückkehr erwischt wurden.
Das gilt es zu vermeiden, was ich bewerkstellige, indem ich über drei Runden jeweils fünf Plättchen auswähle und auf meinem Nachbarschafts-Spielplan einbaue. Diese bilden den Weg, den meine Tiere nehmen können. Wo kein Plättchen, da keine Bewegung. Wir müssen ihnen den Weg also erst gaaanz sicher mit Plättchen belegen, damit die Tiere sicher zurückkehren können.
Von den sechs im Grundspiel enthaltenen Tieren sind pro Partie drei mit dabei. Welche das sind, könnt ihr getrost dem Zufall überlassen. Jede Person erhält ein Spielertableau und eine zufällige Aufbau-Karte, die vorgibt, welche Tiere an welcher Position starten, welche bereits entdeckt sind und welche noch auf den Start-Felsen festsitzen.
Jetzt kommt Bewegung in die Sache
Die Partie wird über drei Runden gespielt, in denen jeweils fünfmal Plättchen gedraftet werden. Ich bekomme also nur 15 Plättchen über die Drafting-Phase. Weitere muss ich mir über Aktionen auf meinem Tableau dazuverdienen. Die Plättchen gibt es in drei verschiedenen Farben und mit verschiedenen Sonderaktionen, die aufgedruckt sind. Habe ich ein Plättchen genommen, kann ich es auf meinem persönlichen Nachbarschafts-Tableau einbauen und so Aktionen auslösen, auf einem von zwei Plätzen für später zwischenlagern oder abwerfen, was eine Sonderbewegung auslöst.

Die möglichen Sonderaktionen auf dem Spielplan und den Plättchen können Bewegungen sein, weitere Standard-Plättchen, die ich ziehen darf, oder Entdeckungen für Tiere, die am Anfang noch nicht bewegt werden durften, damit ich sie anschließend in Richtung Eingang bewegen kann. Alles ziemlich einfach. Allerdings bringt jedes Tier noch seine eigenen Bewegungsregeln mit.
Das reicht von den Wölfen, für die es keine Sonderregeln gibt, die aber mehr Punkte bringen, je mehr von ihnen es in den Zoo zurückschaffen, über Pinguine, die immer geradeaus schlittern, bis sie das letzte Plättchen einer Reihe erreichen, bis zum Faultier, das nach jeder Bewegung erst mal einschläft und dann mit einem weiteren Bewegungspunkt zunächst wieder aufgeweckt werden muss. Logisch, dass auch nicht jede dieser Bewegungsregeln gleich einfach umzusetzen ist. Der Pinguin z.B. braucht schon gute Planung, denn wenn es blöd läuft, kann ich mir hier ziemlich was verbauen und es unmöglich machen, die kleinen Federfreunde effizient ins Ziel zu bringen.
Die verschiedenen Tiere mit ihren abwechslungsreichen Bewegungsregeln bringen Dynamik und Abwechslung ins Spiel. Zwar soll die Gesamtschwierigkeit der drei verwendeten Tiere laut Anleitung bei mindestens sechs liegen, wenn ihr mit jüngeren Kindern spielt, könnt ihr aber auch gezielt nur die ganz einfachen Tiere nutzen, um das Spiel etwas simpler zu gestalten. Für die schwierigen Tiere muss ich nicht nur mehr planen, ich brauche auch mehr Bewegungen, um sie überhaupt zum Zoo-Eingang zu bringen. Am ausgewogensten ist es aber tatsächlich, wenn ein einfaches, ein mittleres und ein schwierigeres Tier mit dabei sind.

Eine Frage der Mehrheit
Einen Kniff gibt es aber noch: Am Ende jeder Drafting-Runde, wird das nicht gewählte Plättchen nach unten geschoben. Sind dort fünf Plättchen, endet die Runde und es wird geschaut, welche Farbe die Mehrheit unter diesen Plättchen bildet. Bei Gleichstand gewinnt die Farbe, die früher in die Reihe gelegt wurde. Anschließend führen alle am Tisch eine Sonderbewegung ihrer Tiere durch, die auf einem Plättchen dieser Farbe stehen. Das belohnt gutes Vorausplanen und macht die Auswahl, welches Plättchen ich nehme und welches ich liegenlasse, noch etwas taktischer.
So eine Sonderbewegung erhalte ich auch, wenn ich selbst ein Plättchen abwerfe. Das kann einem die entscheidenden Schritte mehr bringen, da ich hierdurch, wie gesagt, alle Tiere bewegen darf, die auf einem gleichfarbigen Plättchen stehen. Ansonsten ist es eher unwahrscheinlich, dass ich mal mehr als zwei Bewegungen in einer Runde machen kann.
Noch mehr Nachzügler in der Erweiterungsbox
Die Erweiterung Nachzügler bringt noch einmal vier neue Tiere. Und wer kann schon einem süßen Erdmännchen widerstehen? Die kleinen Racker laufen weiter, wenn ein anderes Tier in derselben Reihe oder Spalte zu sehen ist. Krokodile fressen andere Tiere auf demselben Feld, geben dafür aber wenigstens noch Siegpunkte. Schildkröten sind seeeeehr langsam. Und der Affe bringt Bewegungs-Chips mit, die er alternativ bei einer Sonderbewegung nutzen kann, was ihn etwas chaotischer macht. Im Prinzip also einfach more of the same und etwas mehr Abwechslung zu den sechs Tieren in der Grundbox. Für mich reißen es auch die süßen Tier-Meeple raus, die einfach entzückend sind.

Unheimlich niedliche Illustrationen
Die Illustrationen von Tereza Kovandová machen einen großen Teil des Reizes von Nacht im Zoo aus. Wo das Spielbrett und die Plättchen eher schlicht wirken, sind die Tierillustrationen und vor allem das Cover wirklich etwas Besonderes. Die großen Augen und ungewöhnlichen Proportionen der Tiere gehören auch sonst zu ihrem persönlichen Stil und sorgen so für einen Wiedererkennungswert. In ihren Bildwelten entsteht oft eine eigenwillige und surreale Atmosphäre. Der Kontrast zwischen niedlich und leicht unheimlich ist dabei genau richtig für Nacht im Zoo und quasi ein perfect match für das Brettspiel.
Fazit
Nacht im Zoo ist ein charmantes und kurzweiliges Plättchenlegespiel, das mit einer einfachen Grundidee und erstaunlich viel taktischem Potenzial daherkommt. Wer ein seichtes Familienspiel erwartet, der ist hier eventuell überfordert. Die unterschiedlichen Bewegungsregeln der niedlichen und leicht creepy Tiere sorgen dafür, dass ich immer wieder umdenken und meine Plättchen mit Weitblick platzieren muss. Achte ich nicht auf die Sonderbewegungen am Rundenende, entgehen mir eine Menge Punkte. Gerade die Kombination der Tiere macht dabei den Reiz aus, denn während sich manche fast von allein Richtung Zoo bewegen, brauchen andere deutlich mehr Aufmerksamkeit und Planung, was sich aber durch die höheren Punktzahlen der schwierigen Tiere durchaus lohnt. Das Drafting mit der zusätzlichen Mehrheitswertung bringt noch eine schöne taktische Komponente ins Spiel, bei der ich auch mal abwägen muss, welches Plättchen ich lieber den Mitspielenden überlasse.
Das sorgt aber auch dafür, dass Spieler*innen mit weniger Erfahrung die Tiefe und die damit einhergehenden Hürden in den ersten Partien nicht gleich durchschauen. Das kann zu Frust führen. Die Schwierigkeit liegt bei Nacht im Zoo schon im eher gehobenen Familienbereich oder niedrigen Kennerbereich. Das sieht man dem Spiel aber auf den ersten Blick nicht so an, was dann auch zu Frust und einer falschen Erwartungshaltung führen kann. Für uns war die taktische Tiefe aber genau richtig und hat eher zu dem Ehrgeiz geführt, sich beim nächsten Mal zu steigern.
Die Erweiterung Nachzügler fügt sich nahtlos ein und bringt mit vier weiteren Tieren zusätzliche Abwechslung, ohne das Spiel unnötig komplizierter zu machen. Wirklich schwer, sich nicht in die kleinen Tier-Meeple zu verlieben. Die sind einfach zu knuffig!
Euer Rating zu Nacht im Zoo
Nacht im Zoo ist auf Deutsch bei Albi erschienen.
Das Ziel des Spiels ist es, den Tieren zu helfen und sie sicher zurück in ihr Zuhause zu führen. Die Spieler erkunden Teile des abgedunkelten Zoos, um die besten Wege nach Hause zu entdecken. In jeder Runde ziehen die Spieler Kärtchen und legen sie auf ihre Spielbretter, wodurch sie Sonderaktionen auslösen und einen Rückweg für ihre Tiere bauen. Jedes Tier hat seine eigene Art, sich zu bewegen und Punkte zu sammeln, was jedes Spiel zu einem neuen Abenteuer macht!
– Beschreibung des Verlags
Für die Review stand uns ein kostenloses Exemplar zur Verfügung.






