Escape Tales: Low Memory

Escape Tales: Low Memory

Escape Tales: Low Memory Brettspiel ReviewWas ist nur passiert? Mein Kopf schmerzt, die Wohnung um mich herum ist das pure Chaos. Mir dämmert kurz, dass meine Familie schon unterwegs ist in den Urlaub. Ich wollte noch arbeiten und dann nachkommen. Was ist nur passiert? Ein Einbruch? Nein, eigentlich ist das Sicherheitssystem von Ben nicht zu knacken. Selbst ich habe damit manchmal so meine Probleme. Ich muss meine Spuren zurückverfolgen, vielleicht finde ich dann heraus, was hier los ist.

Escape Tales: Low Memory ist der Nachfolger von Escape Tales: The Awakening des polnischen Verlags Board & Dice, das wir im letzten Jahr spielen durften und das uns sehr gut gefallen hatte. Natürlich haben wir uns daher auch auf den neuen Teil sehr gefreut, insbesondere da es diesmal ein Sci-Fi Setting sein sollte. In Low Memory spielen wir drei einzelne Geschichten, die jeweils einen eigenen Blick auf die alles überspannende Geschichte werfen und in denen wir aus der Perspektive eines anderen Charakters heraus agieren. Mit diesem Escape-Spiel in Episoden-Form haben sich die Autoren Jakub Caban und Bartosz Idzikowski diesmal so einiges vorgenommen. Ob es uns überzeugt hat, könnt ihr frei von Spoilern in diesem Review nachlesen.

Elizabeth im Sicherheitsland

Wir beginnen unsere Geschichte im Jahr 2060 als Elizabeth Weber, einer erfolgreichen Forscherin, die mit ihrem Mann Ben, einem Sicherheitsspezialisten, in einem mit modernster Technik ausgestatteten Haus lebt. Elizabeth ist allein zu Hause, denn ihre Familie ist bereits in den Urlaub gefahren, während sie noch an einem Forschungsprojekt sitzt. Alles scheint ein normaler Tag zu sein, doch am nächsten Morgen herrscht Chaos im Haus und wir können uns an nichts mehr erinnern. Zum Glück kann uns die Technik weiterhelfen, mit der wir unsere gespeicherten Erinnerungen noch mal erleben können. So beginnen wir also, im Chaos nach Hinweisen auf den gestrigen Tag zu suchen.

Escape Tales: Low Memory - Tokens

Wie ging das noch gleich?

Die Mechanismen bleiben dabei weitgehend so, wie wir sie auch aus The Awakening kennen. Orte werden zum einen mit großen illustrierten Ortskarten dargestellt, es gibt aber auch ein Raster für die Orte, auf dem wir Aktionsscheiben platzieren, wenn wir einen bestimmten Bereich einer Ortskarte erkunden wollen. In Escape Tales steht ihr beim Spielen nicht unter Zeitdruck. Für das Erkunden der Orte und das Lösen der Rätsel könnt ihr euch so viel Zeit lassen, wie ihr möchtet. Allerdings sind die Aktionsscheiben begrenzt. Wenn ihr keine mehr habt, müsst ihr eine Stresskarte ziehen, die euch neue Tokens gibt, aber auch unter Umständen negative Auswirkungen auf den Verlauf der Handlung hat. Wenn ihr einen Ort also erkunden wollt und eine eurer kostbaren Aktionsscheiben platziert habt, lest ihr den auf dem Raster angegebenen Abschnitt im Story-Book eurer Episode. Hier bekommt ihr einen Teil der Geschichte in kurzen Abschnitten serviert, müsst Karten aus dem nummerierten Stapel ziehen und bekommt teilweise nützliche Informationen.

Escape Tales: Low Memory Ortskarten

Die App, dein digitaler Freund

Die Karten aus dem Stapel sind meistens Gegenstände und/oder Teil der Rätsel, die es in Escape Tales: Low Memory zu lösen gilt. Manchmal braucht ihr nur eine Karte, um ein Rätsel zu lösen, manchmal aber auch mehrere. Wie viele genau ihr benötigt, könnt ihr in der App nachsehen, die zum Spielen benötigt wird. Alle Karten, die zu einem Rätsel gehören, haben eine Markierung, mit der ihr schnell das richtige Rätsel in der App gefunden habt. In der App könnt ihr auch die Lösung eingeben und bekommt mitgeteilt, bei welchem Abschnitt im Story-Book ihr anschließend nachlesen dürft. Die App ist eigentlich eine Webseite, wodurch ihr diese auch auf jedem PC im Browser nutzen könnt. Sie ist jederzeit unter https://app.escape-tales.com/ abrufbar.

Escape Tales: Low Memory - App

Voran, voran, nur immer im Lauf

Für den Abschluss besonders wichtiger Rätsel bekommt ihr im Verlauf des Spiels Story-Karten, die ihr sogar über einzelne Episoden hinweg behaltet, aber auch wieder verlieren könnt. Welche ihr genau sammelt, hängt dabei von dem Weg ab, den ihr durch die Geschichte nehmt.

Neu ist auch, dass ihr nun Rätsel habt, bei denen ihr erst nach und nach Fortschritte erzielen könnt. Hierfür gibt es extra Fortschritts-Tokens, die ihr dazu nutzen könnt, nachzuverfolgen, wie weit ihr schon gekommen seid. Das kommt allerdings nur ein paar mal im ganzen Spiel vor, ist also eine eher kleine Änderung.

Geändert hat sich auch, dass ihr einen Ort nicht mehr verlassen könnt, bevor ihr die wichtigsten Punkte erkundet habt. In The Awakening war das durchaus noch möglich, wenn ihr erst mal einen Ausgang entdeckt hattet. Low Memory ist hier etwas restriktiver, es gibt einem aber auch das Gefühl, wirklich Fortschritt zu machen, ohne große Teile der Geschichte zu verpassen.

Drei Blickwinkel

Der größte Unterschied zum Vorgänger ist aber tatsächlich die Aufteilung der Geschichte in drei Episoden. Im Vorgänger gab es ein einziges Story-Heft mit Abschnitten, hier sind es drei verschiedene, für jede Episode eines. Es ist auch vorgegeben, in welcher Reihenfolge ihr die einzelnen Episoden spielen sollt. So bekommt ihr immer mehr Hintergrundinformationen zur übergreifenden Geschichte. Gut gemacht ist auch die Übersicht am Rand des Hefts, welche Abschnitte sich auf der Seite befinden, so könnt ihr den gesuchten Abschnitt schnell finden.

Vor der eigentlichen Hauptgeschichte bekommt ihr sogar noch ein kleines Tutorial, in der ihr die wichtigsten Mechaniken lernt und auch bereits etwas zum Hintergrund und Charakter Elizabeth Weber erhaltet, die eure erste Protagonistin ist. Die weiteren Charaktere spielen sich ebenfalls spannend, haben ihre eigene Motivation und bringen ihre eigene Sicht auf die Geschehnisse mit, deren Blickwinkel auch in der Art wie die Abschnitte geschrieben sind, mit einfließt.

Escape Tales: Low Memory - 3 Blickwinkel

Mittendrin statt nur dabei?

Die Handlung selbst war spannend, hat uns aber nicht so sehr gepackt, wie im Vorgänger. Dort hatten wir insbesondere die Geschichte und die dichte Atmosphäre gelobt. Auch in Escape Tales: Low Memory wurden wieder ernste Themen angesprochen, so dass auch dieses Mal jüngere Spieler eher herausgehalten werden sollten. Der deutsche Verlag Kosmos gibt sogar eine Altersempfehlung von 18 Jahren an. Allerdings ist alles nicht ganz so düster, wie in The Awakening und auch leider nicht so mitreißend. Das Thems aus dem Vorgänger, das eigene Kind vor dem Tod zu retten, ist eben eine andere Hausnummer und schwer zu toppen. Allerdings haben wir uns trotzdem unterhalten gefühlt. Das Ende der Gesamtgeschichte konnte jedoch auf keinen Fall mit dem mithalten, was uns beim Vorgänger erwartet hatte und hat uns etwas enttäuscht zurückgelassen. Maßgeblich schuld daran war wohl, dass man nur eine Eingabe in der App macht, bei der man kaum nachvollziehen kann, was da im Hintergrund geschieht. Man bekommt dann ein Ende ausgespuckt und das war’s.

Die drei Geschichten selbst sind in sich abgeschlossen, so dass ihr ohne Probleme zwischen den einzelnen Episoden eine Pause machen könnt. Da die Spielzeit insgesamt über der von The Awakening liegt, ist das auch nötig.

Rätseln wir uns raus

Escape Tales: Low Memory - KartenAn den Rätseln hatten wir auch im neuen Teil viel Spaß. Sie sind sehr abwechslungsreich und man merkt die Zusammenarbeit mit dem Escape-Room Profi LOCKME im positiven Sinne. Der Schwierigkeitsgrad der mehr als 40 Rätsel im Spiel, von denen ihr in einem Durchlauf aber nicht alle sehen werdet, schwankt durchaus. In der ersten Episode sind sie jedoch deutlich einfacher und die Komplexität steigt mit jeder Episode etwas an. Das ein oder andere Rätsel hat uns jedoch zum Verzweifeln gebracht. Bei einem weiß ich bis heute nicht, wie die Lösung herzuleiten ist. Das Hilfesystem bringt in der Regel durchaus gute Tipps zum Lösungsweg, hier haben mich meine Rätselkräfte jedoch verlassen. Selbst nachdem ich die Lösung kannte, ergab es für mich einfach keinen Sinn. Das kam zum Glück nur einmal vor.

Aus dem ersten Teil hatten wir gelernt, uns die Ortskarten wirklich gut anzusehen und über unsere Umgebung zu diskutieren, denn in den Illustrationen verbergen sich gute Indizien dafür, wo es sich lohnt genauer hinzuschauen. Das hat sich auch bei Low Memory als hilfreich erwiesen und uns den Einstieg sehr erleichtert. Insgesamt sind die Rätsel wieder thematisch und geben Sinn an den Stellen, wo sie auftauchen. Auch dieses Mal würden wir euch jedoch empfehlen, das Spiel nicht alleine zu spielen, sondern es mit mindestens einer weiteren Person zu rätseln. Das erleichterte es ungemein, auf die zündende Idee für die schwierigeren Rätsel zu kommen.

Ein Sprung nach vorne?

Im Vergleich der beiden Teile Escape Tales: The Awakening und Escape Tales: Low Memory kann ich mich kaum für einen der beiden entscheiden. Die Story und die möglichen Enden im ersten Teil fand ich persönlich deutlich besser. Allerdings haben mir der Spielfluss, und das Setting im zweiten Teil besser gefallen. Die Rätsel sind in beiden Spielen wirklich gut und abwechslungsreich. Im Endeffekt würde ich jedem empfehlen, beide Teile zu spielen. Mit welchem ihr anfangt, ist dann reine Präferenz im Setting. Falsch machen könnt ihr mit keinem der beiden etwas. Wir haben die englische Ausgabe gespielt, aber Escape Tales: Low Memory wird im Sommer auch bei Kosmos auf Deutsch erscheinen. Und noch eine gute Nachricht gibt es zu dieser Spielereihe: Mit Escape Tales: Children of Wymrwoods erscheint bald der dritte Teil, diesmal mit einem düsteren Fantasy-Setting. Wir sind gespannt.


Wie düster dürfen Brettspiele sein?

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Escape Tales: Low Memory ist im Original bei Board & Dice erschienen und auf Deutsch bei Kosmos erhältlich.

Escape Tales: Low Memory (2019)
Spieler:
1 - 4
Dauer:
360 - 540 Min
Alter:
16+
BGG Rating:
7.23
Verlag:
Kosmos, Board & Dice
BGG:

Für die Review wurde uns ein Rezensionsexemplar von Board & Dice zur Verfügung gestellt.



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