Brettspiele bei Kickstarter: Prêt-à-Porter

Brettspiele bei Kickstarter: Prêt-à-Porter

Prêt-à-Porter Third Edition CoverGleich ist es soweit: Meine Models stehen fertig angezogen und gestylt in einer Reihe am Eingang zum Laufsteg. Paris ist ein hartes Pflaster und der Designer vor mir hat eine wirklich passable Kollektion vorgeführt. Aber ich konnte gleich sehen, dass er nur minderwertige Stoffe benutzt. Meine Prêt-à-Porter Business Mode wird alle umhauen und wird mir einen schönen Batzen Geld einbringen. Dafür hat sich die Arbeit der vergangenen Monate gelohnt.

Portal Games hat das Brettspiel Prêt-à-Porter von Piotr Haraszczak und Ignacy Trzewiczek aus dem Jahr 2010, das damals zunächst in einer polnischen Version erschien und im folgenden Jahr in Essen in der zweiten Edition verfügbar war, in der nun dritten Edition neu aufgelegt. Es war bereits damals ein kleiner Überraschungshit, der aber mit einer Auflage von 1000 Stück recht schnell vergriffen war. 2 bis 4 Spieler können hier in der Welt der Mode ihr eigenes Fashion-Label über den Verlauf von 12 Monaten aufbauen. Wir haben uns die neu überarbeitete Auflage mit Illustrationen von Kwanchai Moriya einmal genauer angesehen:

Das macht man bei Prêt-à-Porter Third Edition

Machen wir uns nichts vor: Im Fashion-Geschäft geht es hart zu. Als kleines aufstrebendes Label kannst du nur überleben, wenn du besser bist, als deine Konkurrenz. Über zwölf Runden, welche die Monate eines Jahres darstellen, kannst du nun beweisen, was du drauf hast. Am Ende jedes Quartals, also jede dritte Runde, finden Fashion-Shows statt, in denen du deine Kreationen vorführst und den Lohn für deine harte Arbeit erhälst. Die beiden ersten Monate in jedem Quartal setzt du deine Arbeiter ein, um an Verträge, Gebäude, Mitarbeiter, neue Designs und Materialien zur Herstellung zu gelangen. Da du nur drei Arbeiter hast, sind die Aktionen recht knapp. Du musst das Beste aus deinen Möglichkeiten machen, um zumindest besser zu sein, als deine Mitspieler. Dein Ziel ist es, so viele Prestige-Punkte und Geld zu bekommen wie möglich, denn es gewinnt derjenige, der die höchste Summe aus beidem besitzt.

Fashion-Business Startup – So baust du dein Label auf

Pret-a-Porter Third Edition SpielplanIn einer Runde in der keine Show stattfindet, setzt jeder reihum zunächst seine Arbeiter an den Orten ein, wo er Aktionen ausführen möchte. Du spekulierst also darauf, ob du auch dort bei den Mitarbeitern einen eurer Arbeiter setzten kannst, oder ob dein Mitspieler es genau auf die Karte abgesehen hat, die du auch haben möchtest.

Verträge (Contracts) sind toll, denn sie kosten dich nichts außer deinen Arbeiter, den du einsetzt. Sie bringen Vorteile im Spiel, die wirklich nicht zu verachten sind. Neu ist, dass die Verträge  etwas stärker geworden sind. In der früheren Version konnten diese nur bis zur nächsten Fashion-Show genutzt werden, danach mussten sie abgelegt werden. Das ist nun etwas abgeschwächt, indem der Vertrag am Ende der ersten Fashion-Show nachdem ihr ihn bekommen habt, auf die Rückseite gedreht wird. Die Vorteile sind dann etwas weniger gut, allerdings kosten euch Verträge eben im Gegensatz zu anderen Karten im Spiel auch kein Geld. Nach der zweiten Fashion-Show sind sie dann aber endgültig weg.

Gebäude und Mitarbeiter kosten dich sowohl beim Kauf dein rares Geld, als auch jede Runde als Upkeep. Mitarbeiter wollen eben bezahlt werden und Ausbauten müssen in Stand gehalten werden. Je nach Karte bekommst du Boni oder kannst Spielmechaniken aushebeln. Für Mitarbeiter gibt es unter jedem Spieler-Tableau drei Plätze, die bereits von Beginn an jeweils einen Upkeep kosten. Willst du hier einen anderen Mitarbeiter einstellen, musst du erst mal einen Feuern, indem du ihm eine Abfindung zahlst. Habst du Gebäudekarten gekauft, so ist unter diesen auch jeweils ein Platz für einen weiteren Mitarbeiter. Hierfür muss niemand gefeuert werden, allerdings macht es durchaus Sinn die nutzlosen Upkeep-Kosten der drei Standard-Mitarbeiter-Felder einzusparen. Upkeep wird immerhin insgesamt 12 mal pro Partie gezahlt.

Neue Designs benötigst du für Kollektionen, die aus passenden Einzeldesigns bestehen. Es kommt einfach besser, wenn du nur Business-Kleidung oder nur Casual zeigst. Das beeindruckt das Fachpublikum auf den Shows und wird daher mit mehr Geld belohnt. Symbole und Farbgebung zeigen an, was zusammen gehört. Ein Design allein kann aber noch nichts. Erst wenn du auch die benötigten Materialien besitzt, wird Kleidung daraus. Hierfür gibt es gleich drei Bereiche, die unterschiedliche Qualitäten darstellen. Qualität 1 kostet wenig und du bist auf eine Farbe von Material-Cubes beschränkt, die du kaufen kannst. Auf jedem Design sind zwei Farben abgebildet, die zur Fertigstellung benötigt werden. Bei Qualität 2 kannst du nur jeweils einen Cube unterschiedlicher Farben kaufen. Qualität 3 ist am teuersten und du bist wieder auf eine Farbe beschränkt. Unnötig zu erwähnen, dass es auch teurer wird, bessere Qualität zu kaufen.

Pret-a-Porter Third Edition Fashion Designs

Die Welt ist ein Laufsteg: Die Fashion Shows

Nach zwei Runden Worker-Placement geht es dann zur ersten Fashion-Show. Du entscheidest, welche Kollektionen du zeigen möchtest. In den Shows werden Mehrheiten für Qualitäts-Tokens, Trend-Tokens, PR-Tokens und die Größe der gezeigten Kollektion gewertet. Welche Tokens mehr Punkte wert sind, ist in jeder Fashion-Show anders. Bereits bei der Vorbereitung der Partie werden alle gespielten Fashion-Show Karten ausgelegt, so dass jeder Spieler sieht, was wann und wie hoch gewertet wird. Im Anschluss an die Show kannst du dann deine Kollektion verkaufen und so neues Geld in die Kasse spülen. Du erhälst den aufgedruckten Wert für jede Karte der Kollektion plus jeweils das erzielte Prestige aus den Wertungen.

Geld ist ebenfalls ein gutes Stichwort, denn anders als früher, muss man seine Schulden am Ende der Partie zurückzahlen können. Wer das nicht kann, der gilt als Bankrott und nimmt an der Endwertung nicht mehr teil. Sieger ist wie erwähnt, wer die höchste Summe aus Prestige und Geld angehäuft hat. Daher solltet ihr bereits von Anfang an auf euer Geld achten, denn diese werden 1:1 in Siegpunkte umgerechnet.

Das bekommt ihr bei Kickstarter

Pret-a-Porter Stretch GoalsEine ganz besonders tolle Idee hat sich Portal Games für die Stretchgoals einfallen lassen. Neben der sehr schön illustrierten Karten von Kwanchai Moriya (Dinosaur Island, Flipships, Capital Lux) gibt es hier nämlich zusätzliche Karten von anderen Künstlern. Dabei sind unter anderem TheMico (Nordsee-Trilogie, Architekten des Westfrankenreichs), Pierô (Mr. Jack) und Ryan Laukat (Oben und Unten). Ansonsten gibt es die üblichen besseren Materialien und Marker, die das Spiel noch wertiger und hübscher machen. Die meisten dieser Verbesserungen sind exklusiv für die Kickstarter-Ausgabe.

Im einzigen verfügbaren Pledgelevel gibt es das Spiel inklusive alle erreichten Stretchgoald für ca. 54,- EUR. Die Versandkosten für ein Spiel belaufen sich nochmal auf ca. 14,- EUR. Man kann aber auch in Essen auf der SPIEL’19 am Stand von Portal Games vorbeikommen und seine Ausgabe von Prêt-à-Porter einfach dort kostenslos abholen. Richtig gelesen: Die Spiele sollen bereits im Oktober diesen Jahres fertig sein. Dieser hehre Plan zeigt, wie weit fortgeschritten die Vorbereitungen zur Produktion schon sein müssen.

Pret-a-Porter Third Edition Material

Fazit

Prêt-à-Porter ist ein Herzensprojekt. In die Neuauflage ist viel Mühe und auch Leidenschaft geflossen. Das merkt man an vielen Stellen. Das sind nicht nur die großen Regeländerungen wie die Verträge oder dass ihr nun spezifische Startkarten passend zu eurem Spezialgebiet bekommt. Das ist vor allem auch so etwas wie die Kramerleiste in Form eines Maßbands, auf dem ihr nun eure Prestigepunkte abtragen könnt. Optisch kann Prêt-à-Porter sehr gut darüber wegtäuschen, dass es ein knallhartes Spiel ist, bei dem es vor allem um ökonomische Entscheidungen geht. Wer sich zu schnell von den Möglichkeiten durch Gebäude und Mitarbeiter einlullen lässt und nicht auf seine Fixkosten achtet, der wird schnell in Richtung Bankrott steuern. Auch eine Neuerung, die den Fokus während einer Partie wieder in Richtung Effizienz lenkt. Wer sich hierauf nicht einstellt, wird an der Endwertung erst gar nicht teilnehmen und sagen wir es ehrlich: Für jemanden der Mathematik und Planung nicht leiden kann, ist Prêt-à-Porter einfach nichts.

Es ist auch nichts für Spieler, die gerne vor sich hin spiele möchten. Multiplayer-Solitär ist nämlich das Gegenteil von Prêt-à-Porter. Hier konkurriert man um jede Karte, um jeden Vorteil und in jeder Fashion-Show direkt mit seinen Mitspielern. Eigene Entscheidungen sind oft mit von dem abhängig, was die Mitspieler gerade so treiben. Da ersichtlich ist, welche Art von Token sich da gerade ansammeln, kann man gut taktieren, ob man dem Gegner die Punkte streitig machen möchte oder ob es sich mehr lohnt, die Prestigepunkte einfach über andere Tokens zu holen.

Ich persönlich liebäugle bereits seit Längerem mit ähnlichen Spielen und Prêt-à-Porter ist die perfekte Mischung aus einem Spiel, das mich bereits optisch anspricht, mit einem Ökonomie-Spiel. Es sieht einfach viel schöner aus als Food Chain Magnat, das zwar noch eine Ecke heftiger und weniger verzeiend bei Fehlern ist, aber eben auch den trocknen Charme eine Exel-Tabelle verströmt. Zum Glück ist das bei Prêt-à-Porter nicht der Fall und so konnte ich hier auf “Unterstützen” klicken und gleichzeitig meine ästhetischen Synapsen in Vorfreude versetzen.

Die Kickstarter Kampagne läuft noch bis zum 22. Juli 2019

Link zur Kampagne von Prêt-à-Porter Third Edition

Prêt-à-Porter Third Edition erscheint bei Portal Games.


Wenn ihr immer auf dem Laufenden sein wollt, könnt ihr auf unserem Blog wöchentlich Previews zu aktuellen Kickstarter Kampagnen lesen, sowie euch auf unserer laufend aktualisierten Seite über aktuelle Crowdfunding-Projekte informieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.