Die verlorenen Ruinen von Arnak – Auf der Jagd nach den Brettspiel-Artefakten

Die verlorenen Ruinen von Arnak – Auf der Jagd nach den Brettspiel-Artefakten

Die Lianen scheinen die alten Ruinen hier auf Arnak erwürgen zu wollen. Scheinbar wollen sie die Rätsel der Insel auf keinen Fall preisgeben. Seit nun 5 Tagen sind wir unterwegs und sind immer tiefer in den Dschungel vorgedrungen. Zuerst konnten wir noch ganz entspannt auf unserem Boot den Fluss entlang fahren. Doch dann kamen die Stromschnellen und von da an mussten wir zur Fuß weiter. Natürlich begleiteten uns die tödlichen Gefahren.

Eines schaffen die Spiele von CGE irgendwie immer: Die Cover ihrer Brettspiele laden einfach schon zum Verweilen ein. Seien es entweder die Alchemisten, Pulsar 2849 oder auch Sanctum. Die Cover ziehen einen in den Bann und machen einem Lust aufs Spielen. Der Ich-möchte-dies-spielen-Charakter ist einfach da. So ist dies auch bei Die verlorenen Ruinen von Arnak der Fall. Schnell fühlt man sich in eine abenteuerliche Welt hineinversetzt, in der es gilt, verborgene Artefakte zu bergen. Ein gewisser Professor mit Hut und Peitsche ist daran natürlich nicht ganz unschuldig.

Aber kann das neue Spiel, welches bei HeidelBÄR Games auf Deutsch erschienen ist, auch spielerisch überzeugen oder spiele ich es (wie Sanctum) nur ein-, zweimal durch und dann verschwindet es im Schrank? Diese Frage wollen wir in unserem Test zu Die verlorenen Ruinen von Arnak nachgehen.

Viel Spaß beim Lesen!

Lost Ruins of Arnak – Unterwegs ohne Peitsche

Ich kann es nicht leugnen, wenn ich an Archäologen und Abenteuer denke, dann fällt mir natürlich nur Indy ein. Und Indy ist einfach cool – Punkt. Da trifft Die verlorenen Ruinen von Arnak natürlich gleich meinen nerdigen Punkt. Das Brettspiel verspricht durch das Cover einfach gleich irgendein Abenteuer-Feeling. Und hey, ganz ehrlich, der weibliche Charakter auf dem Cover trägt einen Hut, der dem von Indy schon sehr ähnlich sieht. Also muss es doch genau das richtige Spiel für mich sein. Und so konnte ich einfach nicht anders und musste mich über kurz oder lang in den Dschungel bzw. ins Brettspiel stürzen.

Und Die verlorenen Ruinen von Arnak startet gleich mit nem Paukenschlag. Der große und üppige Spielplan besticht nicht nur durch seine einladende Illustration, er suggeriert auch schon eine Vielzahl an Möglichkeiten, die mich auf Arnak erwarten. Ich entdecke unbekannte Orte auf dem Spielplan und es gibt eine riesige Steintafel, die sich an der gesamten rechten Seite des Spielplans entlang zieht. Und als ob das nicht genug wäre, gibt es auch noch ’nen Haufen Karten dazu. Es gibt einfach viel zu entdecken auf Arnak. Und das gefällt mir schon vom Start weg.

Mechanismen im Überfluss

Nehme ich all das künstlerische und augenschmeichelnde Drum-Herum weg, präsentiert sich Die verlorenen Ruinen von Arnak mit einem wilden Mix an verschiedenen Spielmechanismen. Wenn ich jetzt schreibe, am offensichtlichsten ist der Worker-Placement Mechanismus, werde ich dem Spiel nicht gerecht und andere Leute werden zu Recht behaupten, es sei der Deck-Building Mechanismus der das eigentliche Zugpferd ist. Aber auch das ist eben nur die halbe Wahrheit. Denn es gibt eben nicht den einen präsenten Mechanismus, an dem sich das ganze Brettspiel entlanghangelt, sondern es ist eben der Mix. Denn es gibt auch noch ein Wettrennen in Die verlorenen Ruinen von Arnak. Dazu wird die schon zuvor erwähnte Steintafel genutzt. Und wer Fan von Ressourcen-Tauscherei ist, wird dies auch im Brettspiel erleben dürfen.

Der erfahrene Leser ahnt es schon. Genauso wie es den Mix an Mechanismen gibt, gibt es dann eben nicht die eine Gewinnstrategie. Ich muss mich während des Spieles irgendwie um alles kümmern. Ich kann nicht nur über die Punkte in meinem Deck gewinnen. Aber ich brauche trotzdem genug Karten mit entsprechenden Punkten im Deck. Ich kann die Steintafel nicht links liegen lassen, denn auch hier kann ich ordentlich Punkte einheimsen. So muss ich ein Tausendsassa sein und mich irgendwie in allen Bereichen gut aufstellen, denn nur so komme ich dem Sieg ein Stück näher.

Verlorene Ruinen und entlegene Orte auf Arnak

Eine Partie von Die verlorenen Ruinen von Arnak ist ähnlich wie das Entdecken von unentdeckten Orten in der Archäologie. Am Anfang gibt es nicht viele Orte, an denen ich meine Arbeiter einsetzen kann. Genaugenommen sind es am Anfang nur fünf Orte. Denn weitere Orte müssen ich und meine Mitspieler erst im Laufe des Spieles entdecken. Dabei gilt: Je weiter ich mich von der Küste entferne, desto mächtiger werden die Orte und die damit möglichen Aktionen. Allerdings braucht es auch mehr Ressourcen, um sie zu entdecken. Und die, das versteht sich schon fast von selbst, sind am Anfang Mangelware und müssen erst einmal mühsam zusammengesucht werden.

Entweder bekomme ich Ressourcen über meine Karten, die ich ausspielen kann oder aber es gibt wiederum Orte oder Boni, mit denen ich dann auch wieder ein Mehr an Ressourcen bekomme. Aber trotzdem: Es herrscht Mangelwirtschaft und ich muss gut haushalten und mir vorher überlegen, wie ich meine Ressourcen gut einsetze.

Denn oftmals brauche ich die Speerspitze, die ich habe, gleich für mehrere Sachen als Bezahlung. Und so muss ich mich entscheiden: Nutze ich sie vielleicht, um mich auf Nummer sicher auf der Forschungsleiste entlangzubewegen und kann diese Runde dann nichts mehr machen? Oder setze ich auf Risiko und zocke ein wenig, um vielleicht meinen Einsatz zu verdoppeln oder in eine bessere Alternative umzuwandeln, womit ich dann aber noch weiter in der Runde bleibe? Denn eine Partie von Die verlorenen Ruinen von Arnak dauert nicht sehr lange. Innerhalb von nur fünf Runden muss die Insel erforscht sein, danach geht es wieder zurück an die Universität.

Alles was es braucht, ist ein wenig Glück

Ich nehme es gleich mal vorweg: Die verlorenen Ruinen von Arnak ist kein Brettspiel für Freunde der langfristigen Planung. Wie ich ja schon beschrieben habe, werden eure Aktionen durch die ausliegenden Orte bestimmt. Dumm ist eben nur, dass diese Orte eher zufällig auf dem Spielplan erscheinen. Ein Ort den ihr in der letzten Partie vielleicht aufgedeckt und damit entdeckt habt, muss in den kommenden Partien nicht unbedingt vorkommen. Dies ist natürlich auch ein wenig abhängig von der Spieler-Anzahl. Mehr Spielende bzw. Forschende entdecken eben mehr Orte, als dies bei nur zweien der Fall wäre.

Und ich brauche auch nicht zu erwähnen, dass in der Natur des Deck-Building ja auch eine gewisse Zufälligkeit mitschwingt. Nicht zu vergessen, die bösen Mitspielenden, die ja immer genau die Orte blockieren, die ich eigentlich für meinen perfekten Zug vorgesehen habe. So ist es also bei Die verlorenen Ruinen von Arnak eher ein Reagieren als ein geplantes Agieren. Das macht natürlich auch irgendwo den Reiz aus, kann sich aber auch schnell in Frust verwandeln.

Nach einigen Partien passiert es dann schon, dass ich einfach nicht von der Stelle komme. Die Anderen am Tisch scheinen Ressourcen in Überfluss zu haben und machen einen Zug nach dem Anderen und ich schaue nur dumm aus der Röhre, weil irgendwas nicht wirklich läuft. Dessen muss ich mir bewusst sein. Ich kann teilweise nur bedingt meine Spielzüge steuern. Wenn das Glück gegen mich ist, habe ich nicht nur die falschen Karten auf der Hand, sondern ich blockiere mir auch mein Deck für die Zukunft, weil ich zu viele Furcht-Karten bekomme, die wiederum meine Aktionen in weiteren Spielzügen blockieren.

Die spaßigen Ruinen von Arnak

Ich spiele gerne Die verlorenen Ruinen von Arnak. Aber jedes Mal, wenn ich es spiele, habe ich auch das Gefühl, dass da irgendetwas in dem Spiel ist, was mich stört. Das liegt zum einen natürlich an dem beschriebenen Zufall. Der andere Faktor ist, dass es eben ein recht einfaches Brettspiel ist. Der Deck-Building-Mechanismus ist auf das Minimum reduziert. Ich baue mir zwar mein Deck ein wenig auf, aber Karten, die unter einader in Verbindung stehen, finde ich keine. Es gibt eben nicht die Karte, die mit einer anderen Karte einen stärkeren Effekt hat.

Auch das Ausdünnen, des Decks ist nicht standardmäßig im Mechanismus enthalten, dies kann ich nur über Einmaleffekte oder wenn ich Glück habe über andere Karten steuern. Also es ist abgespeckt bzw. überschaubarer. Und das findet sich eben im gesamten Brettspiel wieder. Alle Mechanismen, die sich in Die verlorenen Ruinen von Arnak wieder finden, sind in leichter überschaubarer Weise vorhanden.

Dadurch definiert sich eben auch ein wenig das Ziel-Publikum das CGE mit seinem Spiel ansprechen möchte. Ich muss eben nicht der Vielspielende sein. Ich muss vielleicht einfach nur schon einmal gespielt haben. Und selbst wenn ich neu im Hobby bin und dies das erste Spiel ist, was ich auf dem Tisch habe, kann ich trotzdem mit dem Spiel meinen Spaß haben. Das ist dann eben so, weil die Mechanismen eben etwas flacher gehalten sind. Klar, für mich als Vielspieler trägt das eben nicht das gesamte Spiel. In der letzten der fünf Runden versuche ich noch alle möglichen Punkte aus Ressourcen und Karten zu quetschen. Und nach x-Partien wird das Spiel auch ein wenig monoton, weil ich genau weiß, auf welche Aktionen ich spielen sollte, um möglichst viele Punkte zu bekommen. Aber das gilt eben nur für mich als Vielspieler und Kritiker.

Die bröckelnden Ruinen von Arnak

Was ich dem Spiel durchaus ein wenig anlasten kann, ist der Weg zum Ziel. Ich kann eben nicht nur über einen Weg gewinnen. Ich kann zwar meinen Fokus auf einen bestimmten Bereich legen, zum Beispiel das Bezwingen der Monster oder das Sammeln von Karten mit vielen Siegpunkten, aber ich muss trotzdem auch die anderen Bereiche im Auge behalten. Wenn ich also die Monster bezwinge, muss ich trotzdem ein wenig auf der Forschungsleiste vorankommen. So wie Die verlorenen Ruinen von Arnak von jedem Mechanismus ein wenig vermischt hat, muss ich mich auch in jedem der Bereiche ein wenig positionieren. Das finde ich ein wenig Schade.

Keine Worte muss ich eigentlich über die Qualität des Spieles verlieren. Diese ist durchgehend gut. Das merkt ihr spätestens in dem Augenblick, in dem ihr das Brettspiel das erste Mal in den Händen habt. Im Gegensatz zur Spiel-Mechanik handelt es sich schon um ein richtiges Schwer-Gewicht. Neben dem thematisch passenden Spielplan gibt es auch schöne thematisch passende Ressourcen. Aber ich würde jedem empfehlen, die Karten des Spieles irgendwie zu schützen. Denn diese sind überraschenderweise schon sehr dünn gehalten und vermitteln auf den ersten Blick nicht den Eindruck, als ob sie wirklich sehr viele Partien überleben. Sie erinnern schon sehr stark an günstigere Karten, die ich eher in dem 1 EUR Rommé-Set finde.

Haben mir Die verlorenen Ruinen von Arnak Spaß gemacht? Das kann ich nur bejahen und ich würde auch immer wieder eine weitere Partie mitspielen. Denn nach jeder Partie denke ich mir, entgegen der Zufälligkeit und dem auf Dauer immer gleichen Ablauf, ach komm eine Partie geht noch. Und ehe ich mich umsehe, habe ich schon wieder ein Runde gespielt.


Darf ein Spiel mit einfachen Regeln auch nur eine einfache Komplexität haben?

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Die verlorenen Ruinen von Arnak  ist auf Deutsch bei HeidelBÄR Games erschienen.

Wer Die Ruinen von Arnak einmal ausprobieren möchte, kann dies auf Board Game Arena tun.

Lost Ruins of Arnak (2020)
Spieler:
1 - 4
Dauer:
30 - 120 Min
Alter:
12+
BGG Rating:
8.18
Verlag:
HeidelBÄR Games, CGE
BGG:

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