Review: Kuntá Hora - Stadt des Silbers

Kutná Hora – Stadt des Silbers – Auf Hochglanz polierter Städtebau

Kutná Hora: Stadt des Silbers - Cover„Kutná Hora braucht dringend mehr Bier. Es gibt einfach nicht genug Schenken. Es wäre eigentlich die Aufgabe meiner Gilde, hier Abhilfe zu schaffen. Aber das können wir nicht, weil diese Hinterwäldler nicht genug Bauholz ranschaffen. Das ist inzwischen so teuer, dass die gesamte Entwicklung in der Stadt des Silbers stagniert. Aber ich habe gehört, dass demnächst etwas unternommen wird. Gut, dass sich auch die Obrigkeit kümmert, wenn die Gilden es nicht können.“

Im tschechischen Kutná Hora kam es ab dem 14. Jahrhundert zu einem Silberboom, der in eine rasche Vergrößerung der Stadt zur Folge hatte. In Kutná Hora – Stadt des Silbers von Ondřej Bystroň, Petr Čáslava und Pavel Jarosch versetzen wir uns genau in diese Periode und leiten Gilden in der Stadt, die sowohl Geld erwirtschaften, als auch die Stadt erweitern wollen. Dabei hat jede unserer Entscheidungen Auswirkungen auf den Markt. Wir haben Silber, Kohle, Bier und Fleisch verkauft und können nun einiges zum Spiel sagen.

Viel Spaß beim Lesen!

Viel zu tun beim Silberboom

In Kutná Hora habe ich zur Zeit des Silberbooms im 14. Jahrhundert viel zu tun. Ein Mönch hatte Silber gefunden, seine Kutte da hingelegt und so entstand Kuttenberg. Natürlich sprach sich das bald herum und so kam eins zum anderen. Die Mine muss erweitert werden, denn schließlich geht es hier um Silber. Ich sollte mich beim Bau der Kathedrale der heiligen Barbara beteiligen und natürlich muss ich mich um Grundstücke kümmern, auf denen ich Gebäude baue. Für all diese Dinge habe ich exakt fünf Runden Zeit, in denen ich jeweils fünf Aktionen ausführe. Ich bin also begrenzt, indem was ich tue.

Kutná Hora - Stadt des Silbers - Aktionskarten

Gut geplant ist halb gewonnen

Meine Entscheidung wird dadurch besonders knifflig, dass ich für meine Aktionen Handkarten ausspielen muss. Auf denen befinden sich aber immer zwei Aktionen und ich muss mich für eine entscheiden. Die andere kann ich in dieser Runde dann nicht nutzen. Am Anfang der Runde plane ich also, was ich machen möchte, damit mir am Ende nicht noch die passende Karte fehlt.

Gespielt werden die Aktionen dann im Takt zwei Aktionen, zwei Aktionen und eine Aktion. Ich habe pro Runde also drei Züge, in denen ich was mache. Und die direkt aufeinanderfolgenden Aktionen sind sehr wichtig, denn zwischendurch ändern sich die Preise für Ressourcen durch die Aktionen meiner Mitspielenden teilweise drastisch.

Angebot und Nachfrage diktieren den Preis

Besonders herausragend und auch in jeder Review erwähnt, ist der Marktmechanismus im Spiel. Der Bau von Gildengebäuden und das Schürfen in der Mine verändern dabei stetig den Wert der Ressourcen im Spiel. Wird besonders viel geschürft, dann gibt es ein Überangebot an Kohle und der Preis fällt. Wird ein Gebäude für Nahrung errichtet, zieht dies mehr Bevölkerung in die Stadt und die allgemeine Nachfrage an Ressourcen steigt. Wird versäumt, ausreichend Gebäude für Baumaterial zu errichten, entsteht eine Knappheit und der Preis für Holz steigt. In den Extremen kann es passieren, dass bei einem Überangebot erst mal keine Gebäude eines bestimmten Typs gebaut werden dürfen, oder eines der Gebäude aus der Auslage entfernt und es somit virtuell von der Stadt aufgrund zu großen Mangels zwangserrichtet wird.

Das alles passiert mittels zwei Kartenhaltern mit Schiebereglern davor. Bei Anpassungen im Preis und in der Bevölkerung werden entweder Karten von vorn hinter den Stapel geschoben oder der Regler wird eins nach rechts bewegt. So sind insbesondere Kohle, Silber und Genehmigungen direkt miteinander verzahnt, sowie Nahrung, Gasthäuser und Holz.

Kutná Hora - Stadt des Silbers - Der Markt

Ungewöhnlich ist auch, dass es die Ressourcen physisch am Tisch gar nicht gibt. Benötige ich Holz, um ein Gebäude zu bauen, dann zahle ich den aktuellen Marktpreis und multipliziere diesen mit der Menge, die ich benötige und das bezahle ich dann in Münzen. Genauso bekomme ich mein Einkommen: Ich multipliziere meine auf dem Spielertableau angegebene Produktion an Ressourcen mit dem aktuellen Marktwert und erhalte dann Münzen. Inzwischen gibt es für Kutná Hora auch eine App, die dabei unterstützt, den Markt und mein Einkommen im Blick zu behalten.

Auch Bauen will genehmigt sein

Am Anfang unserer Partie existiert weder viel von der Mine noch von der Stadt Kutná Hora. Eine freie Fläche auf dem zentralen Spielplan ist in Bauplätze aufgeteilt. Diese kann ich mit einer Aktion für mich reservieren und zahle dafür an die Stadt Geld. Das wird noch markiert, damit alles seine Richtigkeit hat und niemand anderes das Grundstück bebauen kann. Allerdings kann ich noch nicht bauen, denn ich benötige die Genehmigung der Stadt, ein ganz bestimmtes Gebäude zu bauen. Prinzipiell kann ich auch nur solche Gildengebäude bauen, dessen Gilde ich auch angehöre.

Kutná Hora - Stadt des Silbers - Gebäudeauslage

 

Für die Baurecht-Aktion, ein Gebäudeplättchen einer meiner Gilden aus der Auslage zu nehmen und bei mir am Spielertableau zwischenzulagern, bezahle ich also den aktuellen Preis für Genehmigungen. Das hat sogar einen historischen Hintergrund, denn der Reichtum durch das Silber wurde ganz bürokratisch in der Stadt verteilt. Der Stadtrat hatte hier eine strenge Hand.

Jetzt habe ich alles, was ich brauche, um das Gebäude auch tatsächlich zu errichten. Das heißt natürlich, dass ich das Holz bei der Bauaktion dann auch noch bezahlen können muss. Aber wenn ich dann alle drei Schritte eingehalten und die drei Aktionen Grundstück, Baurecht und Gebäude abgeschlossen habe, ernte ich endlich etwas für meine Mühen und darf die Produktion meines Gildengebäudes bei mir erhöhen und eines meiner Häuser vom Tableau auf das Gebäude stellen, womit ich einen Soforteffekt erhalte. Tja, und da sich meine Produktion erhöht hat, ändert sich natürlich auch der Markt und der Preis für meine nun produzierte Ressource fällt. Scheibenkleister.

Kutná Hora - Stadt des Silbers - Ressourcen

Eine soziale Ader

Neben den eigenen Gildengebäuden gibt es noch eine Auswahl an öffentlichen Gebäuden, die nach dem Bau niemandem gehören, sondern der Allgemeinheit zugutekommen. Diese Gebäude bringen mir auch keine Ressourcen und daher kein Einkommen, weshalb im Regelheft auch ausdrücklich erwähnt wird, dass man so was nicht gleich am Anfang bauen soll. Na ja, irgendwer muss ja mal ausprobieren, ob das auch wirklich stimmt. Und ja, es stimmt.

Neben anderen Boni bringt jedes öffentliche Gebäude noch einen Patrizier mit, den man später für Geld in den Stadtrat berufen kann, wo er dann je nach seiner Farbe Punkte für alle für bestimmte Ziele bringt. Auch das ist also ein mehrstufiger Prozess. Die öffentlichen Gebäude bringen bei der Schlusswertung auch weitere Vorteile, wenn meine Gebäude dazu benachbart sind, denn Sie haben besonders viele Symbole und bei übereinstimmenden Symbolen benachbarter Gebäude gibt es Punkte.

Kutná Hora - Stadt des Silbers - Städtebau

Auch an der Mine bauen wir gemeinsam und der Preis meines Stollens berechnet sich nach den darüber oder daneben benachbarten Stollenplättchen. Da es am Ende der Partie für jede Ebene der Mine zu einer Mehrheitswertung kommt, kann ich auf keinen Fall darauf verzichten, hier tätig zu werden. Die für die Schlusswertung wertvollsten Plättchen sind solche mit Sternen darauf und nur wer auch solche für die Mine beigetragen hat, nimmt überhaupt an den Wertungen teil.

Im Verlauf der Partie wird das einfacher, denn mit den Gildengebäuden für Kohle steigt die Stufe der allgemeinen Bergwerkstechnologie an und alle können sich eine Auswahl an Plättchen ansehen und entscheiden, welches sie gerne nutzen möchten, statt einfach das Erstbeste zu nehmen. Es versteht sich von selbst, dass wer zu spät zur Minenparty kommt, mit dem Leben muss, was später noch übrig ist.

Kutná Hora - Stadt des Silbers - Die Mine

Ich könnte jetzt noch über euren Ruf sprechen oder wie Ereignisse mit ins Spiel kommen. Ich könnte auch noch den dynamischen Spielaufbau und die Verteilung der Gilden ansprechen und die Minenarbeiter, um die ich mich ebenfalls noch kümmern muss. All das ist aber nur mehr Regelreiten. Es reicht an dieser Stelle aus, dass diese Mechanismen alle sehr eng miteinander verzahnt sind und spielerisch Sinn ergeben. Es bedeutet aber auch, dass ihr euch mit Kutná Hora- Stadt des Silbers kein Leichtgewicht auf den Tisch holt, denn es kratzt doch arg am Expertenspiel.

Es ist alles Silber was glänzt – oder Gold

Ich weiß, dass viele meiner Kolleg*innen mit der Optik des Spiels nichts anfangen können. Hier bei uns im Haushalt fällt das Urteil über die Gestaltung dagegen ganz anders aus. Die silbernen und goldenen Akzente passen nicht nur außerordentlich gut zum Thema, sie sehen am Tisch auch noch richtig gut aus. Die Schachtel mag von außen langweilig aussehen; steht man erst mal näher dran, sieht man aber die vielen Details in dunklem Grau und auch den leichten Silber-Touch auf der Packung. Von der Siegpunkt-Leiste über die Aktionskarten bis zu den Gebäudeplättchen hat hier alles einen Hauch von Silber mitbekommen.

Kutná Hora - Stadt des Silbers - Aktionskarten

Die Aktionskarten selbst sind wirklich schön bunt gestaltet und passen ins mittelalterliche Flair des Settings. Auch der Bau an der Kathedrale der Heiligen Barbara überzeugt durch Details. Habe ich ein Plättchen genutzt und damit beim Bau geholfen, drehe ich es um und so entsteht am Tisch mit der Zeit ein kleines buntes Abbild des Gebäudes mit Menschen, die es beleben.

Besonders hervorheben möchte ich noch die Gebäudeplättchen, die mit einem Auge fürs Detail gestaltet wurden. Ein einmal gebautes Gebäudeplättchen wird nämlich auf die Rückseite gedreht, wo es dann eine schöne und bunte Illustration zeigt, statt der bereits abgehandelten Belohnungen für das Errichten des Gebäudes. Die öffentlichen Gebäude sind auf der Rückseite sogar golden akzentuiert und sind an tatsächliche historische Gebäude in Kutná Hora angelehnt.

Und auch bei den Spielkomponenten hat man sich Mühe gegeben. Hier wird Re-Wood Recyclingmaterial, aus Holzabfällen und Verbundstoffen, genutzt. Es fasst sich zwar zunächst etwas ungewohnt, aber keinesfalls unangenehm an. Zwar wirkt es etwas matter, als unser gewohntes Plastikmaterial, es steht diesem aber in Fragen des Detailreichtums in nichts nach.

Kutná Hora - Stadt des Silbers - Re-Wood

Fazit

Kutná Hora – Stadt des Silbers war für mich im aktuellen Jahrgang ein echtes Highlight. Es konnte mich sowohl mechanisch als auch thematisch und optisch voll überzeugen. Durch den dynamischen Markt und das gemeinsame Bauen an der Stadt auf dem zentralen Spielplan entsteht eine Interaktivität, die man aktuell in Euro-Spielen nicht so häufig findet. Oft beschränkt sich die Interaktion dort darauf, dass man jemandem ein Plättchen wegkauft oder eine Aktion blockiert. Ansonsten interessiere ich mich in der Regel wenig für das, was meine Mitspielenden so tun. In Kutná Hora ist das Spielgefühl dahinter etwas ganz anderes. Hier interessiert es mich durchaus, ob und wann meine Mitspielenden eine bestimmte Aktion durchführen, da es über den dynamischen Markt meine Pläne über den nächsten Zug hinaus beeinflussen kann.

Kutná Hora - Stadt des Silbers - Heilige Barbara

Der tschechische Originalverlag CGE hat sich bei den historischen Details viel Mühe gegeben und im Regelheft finden sich an vielen Stellen Anmerkungen über den historischen Hintergrund und wie dieser das Spieldesign beeinflusst hat. Anders als bei thematischen Spielen wie Obsession steht hier der historische Kontext aber dem Erlernen der Regeln nicht im Weg. Wenn mich der geschichtliche Abriss nicht interessiert, kann ich ihn einfach überspringen, da er immer gut gekennzeichnet ist. So viel Mühe würde ich mir bei so manch anderem Spiel ebenfalls wünschen (Ja, ich meine dich Zug um Zug Legacy).

Der Wiederspielreiz ist für mich ebenfalls etwas, mit dem Kutná Hora – Stadt des Silbers für mich punkten kann. Insbesondere in Partien zu viert kommt noch mal eine ganz andere Dynamik rein, da hier alle Gilden doppelt unter den Spielenden verteilt sind und es so auch zu Konkurrenz innerhalb einer Gilde kommt. Hier kann ich meinen direkten Konkurrenten nichts einfach so überlassen und muss einen noch genaueren Blick auf die Geschehnisse am Spieltisch werfen. Das ist fordernd, aber genau das genieße ich hier ganz besonders und all diese Aspekte machen es zu einem meiner liebsten Euros im Jahrgang.


Euer Rating zu Kutná Hora – Stadt des Silbers


Spielt ihr nur die Kracher oder auch seichte Familienspiele?

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Kutná Hora – Stadt des Silbers ist auf Deutsch bei Heidelbär Games erschienen.

Kutná Hora: The City of Silver (2023)
Spieler:
2 - 4
Dauer:
60 - 120 Min
Alter:
13+
BGG Rating:
7.83
Verlag:
Heidelbär Games
BGG:

Für die Review stand uns ein kostenloses Exemplar zur Verfügung.

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